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Led Zeppelin III, 1970

Produzent/ Jimmy Page

Label/ Atlantic Records

Den Begriff Heavy Metal gab es 1970 noch nicht. Leute, die Musik solcher Bands wie Deep Purple hörten, waren möglicherweise durch den lauten, aggressiven Sound von Led Zeppelin in diese Spur gebracht worden – und heute gelten Led Zep genauso als Wegbereiter des Metal wie Deep Purple und sind gleichzeitig für den an Thrash geschulten Metal-Head eher ein historisches Blues-Phänomen als ernsthaftes „Metall“. Damals hatten sie mit ihren ersten Alben allerdings die Grenzen der Härte und Lautstärke weit voran getrieben.

Nach diesen ersten beiden – in wenigen Tagen aufgenommenen Alben – liessen sich Led Zeppelin für ihr drittes Album etwas mehr Zeit. Man suchte im ländlichen Wales neue Ideen und heraus kam ein stilistisch vielfältiges Album. Die Band orientierte sich am akustischen Sound von Crosby, Stills, Nash & Young, liessen Folkmusik einfliessen, verbeugten sich vor Roy Harper und versuchten ganz einfach (klugerweise) musikalisch zu wachsen.

Selbst ein Rocker wie der galoppierende „Immigrant Song“ stürmt nicht einfach drauflos, „Celebration Day“ hat ein seltsam psychedelisches Slide-Solo, Songs wie „Bron-Y-Aur Stomp“ und „Gallows Pole“ sind erkennbar tief in britischem Folk verwurzelt, eine Richtung in der Led Zeppelin noch weiter experimentieren sollten. Und dann war da noch „Tangerine“ einer der besten Songs der Band, bei dem sie Westcoast-Sounds mit ihrem krafvollen Sound vereinten. Es gab mit „Since I’ve Been Lovin‘ You“natürlich noch den Blues, der für sie die Basis und Startpunkt gewesen war. Fans und Kritiker jedoch waren zunächst verwirrt, nach kurzer Zeit jedoch erkannten alle III als das was es ist: Eines der besten Alben von Led Zeppelin.

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Led Zeppelin I, 1969

Produzent/ Jimmy Page

Label/ Atlantic

Selbst zu Beginn ihrer Karriere war der Ansatz der berühmtesten und einflussreichsten Heavy-Blues-Folk-Rock-Band erkennbar und einzigartig. Die furchterregenden Riffs von Pionieren wie Cream wurden überholt und in erstaunlichen, brandneuen Rock verwandelt. Schon mit dem Debütalbum ging Led Zeppelin weit über die Grenzen der damaligen Musik hinaus, dank ihrer Inspirationen aus Folk, Blues und R&B.

Das alarmierend raffinierte Gitarrenspiel von Jimmy Page bei den Coverversionen von Willie Dixons „You Shook Me“ und „I Can’t Quit You Baby“ demonstriert den soliden Zugriff auf die Wurzeln der Band. Die Zukunft der Rockmusik zeichnet sich ab bei den Superhits „Dazed And Confused“ mit der gewaltigen, absteigenden Basslinie und „Communication Breakdown“ mit dem sauberen Riff, das an Pete Townshend erinnert. Der markerschütternde Sound des ausserordentlichen Bassisten John Paul Jones auf Hymnen wie „Good Times, Bad Times“ wurde damals von nur ganz wenigen Musikern erreicht, während der inzwischen legendäre John „Bonzo“ Bonham seine eigenen Regeln aufstellte – sein hektisches, lockerdichtes Spiel machte die grossen Songs von Zeppelin noch grösser.

Led Zeppelin war weit mehr als die Summe der einzelnen Teile. Die seltsamen, oft naiven (aber hochverehrten) Texte und der genreprägende Gesangsstil von Robert Plant kamen vielleicht auf späteren Alben der Band besser zum Einsatz, und 1969 hatten die Musiker noch nicht alle Register gezogen. Doch dieses vielschichtige, umfassende und dynamische Album war der Grundstein und ist damit absolut verehrungswürdig.