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Led Zeppelin IV, 1971

Produzent/ Jimmy Page

Label/ Atlantic Records

Dieses Album, das keinerlei Schrift auf dem Titel zeigt, nur das Bild eines gebückten alten Mannes mit Reisigbündel auf dem Rücken, gehört zu den Ikonen des Seventies-Rock. So organisch wie hier flossen Songideen, musikalische Höhenflüge und thematisches Spektrum – von der romantischen keltischen Sagenwelt bis hin zum derben Cock-Rock – weder davor noch danach auf einem Album von Led Zeppelin zusammen.

Allein auf der ersten Seite gibt es ausschliesslich Klassiker: „Black Dog“ mit seiner vertrackten Rhythmik, das überschäumende „Rock And Roll“, der epische Folk-Ausflug „Battle Of Evermore“ mit Gastsängerin Sandy Denny und natürlich die Überballade „Stairway To Heaven“. Nicht ganz so spektakulär, aber von unbändiger Kraft und nicht weniger grandios die zweite Seite: der dramatische Riff-Rocker „Misty Mountain Hop“, der Heavy-Funk „Four Sticks“, eine weitere Akustik-Exkursion mit „Going To California“ und die schwermütige Blues-Apokalypse von „When The Levee Breaks“. Led Zeppelin auf dem Höhepunkt ihres Schaffens.

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Led Zeppelin I, 1969

Produzent/ Jimmy Page

Label/ Atlantic

Selbst zu Beginn ihrer Karriere war der Ansatz der berühmtesten und einflussreichsten Heavy-Blues-Folk-Rock-Band erkennbar und einzigartig. Die furchterregenden Riffs von Pionieren wie Cream wurden überholt und in erstaunlichen, brandneuen Rock verwandelt. Schon mit dem Debütalbum ging Led Zeppelin weit über die Grenzen der damaligen Musik hinaus, dank ihrer Inspirationen aus Folk, Blues und R&B.

Das alarmierend raffinierte Gitarrenspiel von Jimmy Page bei den Coverversionen von Willie Dixons „You Shook Me“ und „I Can’t Quit You Baby“ demonstriert den soliden Zugriff auf die Wurzeln der Band. Die Zukunft der Rockmusik zeichnet sich ab bei den Superhits „Dazed And Confused“ mit der gewaltigen, absteigenden Basslinie und „Communication Breakdown“ mit dem sauberen Riff, das an Pete Townshend erinnert. Der markerschütternde Sound des ausserordentlichen Bassisten John Paul Jones auf Hymnen wie „Good Times, Bad Times“ wurde damals von nur ganz wenigen Musikern erreicht, während der inzwischen legendäre John „Bonzo“ Bonham seine eigenen Regeln aufstellte – sein hektisches, lockerdichtes Spiel machte die grossen Songs von Zeppelin noch grösser.

Led Zeppelin war weit mehr als die Summe der einzelnen Teile. Die seltsamen, oft naiven (aber hochverehrten) Texte und der genreprägende Gesangsstil von Robert Plant kamen vielleicht auf späteren Alben der Band besser zum Einsatz, und 1969 hatten die Musiker noch nicht alle Register gezogen. Doch dieses vielschichtige, umfassende und dynamische Album war der Grundstein und ist damit absolut verehrungswürdig.

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Led Zeppelin, Physical Graffiti, 1975

Produzent/ Jimmy Page

Label/ Swan Song Records

Bei den Zeppelin Platten gibt es keinen Konsens: Wer den Durchblick nicht hat, schwört auf „Led Zeppelin IV“, und das nur, weil sich da „Stairway To Heaven“ befindet, der nüchterne Fan und der Kritiker wird nicht müde die Bedeutung von „Led Zeppelin I“ zu betonen, als Initialzündung für Heavy Metal. Wer „Physical Graffiti“ den Vorzug gibt, kriegt den Hals nicht voll genug mit dem doppelten McDonalds-Cheeseburger der Rockmusik, dem letzten Triumph vor dem Sündenfall.

Nicht selten wird „Physical Graffiti“ wegen seiner Grosskotzigkeit als Steilvorlage für die aufmüpfigen Ur-Punk-Kapellen verstanden. Als das Album 1975 erschien, hatten Led Zeppelin ihren Zenith eigentlich schon überschritten und suhlten sich selbstgefällig in Gigantomanie. Natürlich musste es eine Doppel-LP sein, das Nonplusultra um sich sein eigenes Denkmal zu setzen. Nun reichten die neun Songs nicht aus um vier ganze Plattenseiten zu füllen, da konnte man die Nummern noch so in die Länge ziehen, wie flüssiger Käse. Also wurden einfach die Archive geplündert, schliesslich waren während der Produktion der ersten fünf Zeppelin-Platten so einige Songideen unter den Tisch gefallen.  Als Krönung gibt es noch „Kashmir“, der episch erhabene Schlüsseltrack unter den vierzehn Stücken, die zwar die gesamte stilistische Bandbreite von Heavy Rock, Funk, Country und Blues abdecken, aber eher wie eine beliebige Greatest-Hits-Sammlung daherkommen.

Wie alle Doppelalben der Geschichte scheitert auch „Physical Graffiti“ an seiner eigenen Saturiertheit. Doch deshalb lieben wir ja die Platten im Doppelpack, weil sie so grossspurig und anmassend sind. Der zunehmend navigierunfähige Zeppelin spielte noch einmal alle Trümpfe aus.

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Led Zeppelin, Heartbreaker/ Living Loving Maid (She’s Just a Woman)  1969

Auf ihrem Debutalbum kleideten Led Zeppelin englischen Folk in den eleganten Nadelstreifenzwirn des Blues. Auf „Led Zeppelin II“ wagten sie sich weiter in die Musik der Baumwollfelder vor. Das erste imposante Riff von „Heartbreaker“ zeigt, wie souverän ihr Sound geworden war – auch dank Jimmy Page und dessen Gibson Les Paul, die er über einen Marshall-Stack spielte – eine kraftstrotzende Kombination, die er für den Rest seiner Laufbahn beibehielt, und einen deutlicher Kontrast zu dem nasalen, giftigen Sound seiner früheren Gitarrenarbeit in der Band.

Robert Plants klagender Gesang erzählt von den Seelenqualen durch eine wankelmütige Frau. Trotz des klassischen Blues-Themas enthält „Heartbreaker“ eine ordentliche Portion (englische) Dandyhaftigkeit, und Plant presst aus der Story jeden Tropfen Theatralik heraus, den sie hergibt. Pages berühmtes improvisiertes Solo, im Zentrum des Songs, wurde eingebaut, nachdem der Song bereits grösstenteils fertig aufgenommen war.

„Heartbreaker“ war das erste Stück auf der zweiten Seite der LP. Die Klassik-Rock-Regel sagt übrigens, dass man „Heartbreaker“ nie ohne „Living Loving Maid“ spielen – also halten wir uns daran.