dr.feelgood-stupidity.jpg

Dr. Feelgood, Stupity, 1976

Produzent/ Dr. Feelgood

Label/ United Artists

Aus nachvollziebaren Gründen werden Dr. Feelgood gerne in die Punk-Ecke geschoben, ist die Musik des Punk doch eigentlich nichts anderes als Rock’n’Roll mit modernen Mitteln und einer bestimmten Haltung: Gitarre, Bass, Drums und Gesang, etwas schneller, etwas agressiver als man es seinerzeit gewohnt war, aber letztlich Musik auf dem willkommenen Rückweg zur Simplizität.

Dass Wilko Johnson, der Kopf hinter Dr. Feelgood, ein grosser Verehrer der Urväter des Rock’n’Roll war, wird schon beim ersten Ton von „Stupidity“ klar. Chuck Berry’s „Talking About You“, als Titelsong „Stupidity“ vom Soul-Sänger Solomon Burke, eine Version von Muddy Waters „I’m A Man“, „I’m A Hog for You, Baby“ vom Elvis-Songwriterduo Leiber/Stoller, dazu eigene Nummern wie „All Through the City“, die sich vor diesen Originalen nicht verstecken müssen, weil sie eben Das sind: Zeitgemässe Variantionen von urwüchsigem Rock’n’Roll/ Rhythm’n‘ Blues, die Gitarre spielt keinen unnötigen Ton, der Rhythmus ist hart und straight – und dann ist da die No-fun-Stimme von Lee Brilleaux, die alles in Richtung Arbeiterviertel schiebt. Ohne ihn wären Dr. Feelgood nur eine von vielen Bands geblieben, er bellt und beisst und kann dem irren Tempo von Gitarrist Wilko Johnson mühelos folgen.

„Stupidity“ wurde quasi ohne Overdubs aufgenommen, so authentisch wie möglich – was funktionierte, weil Dr. Feelgood eine furiose Live Band waren, die man ganz einfach so schwitzend und lärmend wie auf diesem Album erleben musste. Eines der besten Live Alben zwischen Punk und rohem Rhythm’n’Blues.

dr_feelgood-milk_and_alcohol_s_3.jpg

Dr. Feelgood, Milk And Alcohol, 1978

Text/Musik/  John Mayo/, Nick Lowe

Produzent/ Richard Gotteherer

Label/ United Artists

Dr. Feelgood waren wichtige Wegbereiter des britischen Punk. Die Band von einer kleinen Insel im Mündungsgebiet der Themse, Canvey Island, spielte Mitte der 70er Jahre einen stürmischen R&B-Sound, während andere sich damit begnügten im progressiven Rock von Yes oder Genesis zu schwelgen.

„Milk and Alcohol stammt aus  dem Album „Private Practice“, mit Gitarrist John Myo. Der hatte das Riff geschrieben und es seinem Freund, dem Produzenten Nick Lowe vorgespielt. Lowe erinnerte sich an einen Abend des Jahres 1976, als er und die Band einen schwachen Auftritt von John Lee Hooker im Hotel Starwood in L.A. gesehen hatten. Verstimmt durch die lustlose Darbietung ihres Idols und mit eingen White Russian (Wodka, Kahlua und Milch) im Kopf, machte sich die Band auf den Nachhauseweg und fuhr über eine rote Ampel. Als sie von der Polizei gestoppt wurden, hielt Manager Chris Fenwick den Kopf für das Haschisch im Handschuhfach hin. Im Song wurde daraus „Milk and Alcohol“.

„Milk and Alcohol“ wurde von Richard Gotteherer produziert, der in den 60er der US-Garagenband The Strangeloves angehört hatte. Zuletzt hatte er Richard Hell und Blondie produziert. Mit lodernden Fadern brachte er den militärischen Beat des Songs in Schwung, der jedoch vorallem durch den Gesang von Lee Brilleaux gewinnt. „Milk and Alcohol“ ist vielleicht nicht der beste Song von Dr. Feelgood, aber der, der im Gedächtnis blieb.