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The Clash, 1977

Produzent/ Mickey Foote

Label/ CBS Records

Das Debüt der bedeutendsten britischen Punk-Band, die im Gegensatz zu Johnny Rottens Schock-Kapelle eben nicht nur alte Zöpfe abschnitt, sondern auch noch ausserordentlich talentiert war. Die rohe Rock-Energie steht durchaus auf Pfeilern der britischen Rockgeschichte; die Kinks- oder Troggs-Einflüsse sind nicht überhörbar. Die Botschaften der Clash liessen trotzdem an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Remote Control“, „Cheat“, „London’s Burning“, „I’m So Bored With The U.S.A.“ bedürfen keiner Sekundärliteratur.

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The Clash, (White Man) In Hammersmith Palais, 1978

Text/Musik/ Joe Strummer, Mick Jones

Produzent/ The Clash

Label/ CBS

Am 5. Juni 1977 besuchte Joe Strummer von The Clash zusammen mit Bekannten einen Reggae-Abend im Hammersmith Palais; Headliner waren die jamaikanischen Künstler Dillinger, Leroy Smart und Delroy Wilson. Nach dieser Nacht schrieb Strummer seinen, wie er fand, besten Song: „(White Man) In Hammersmith Palais“. Ausschlaggebend war sein Gefühl, dass die Show zu sehr Showbiz, die Musik zu sehr „Pop-Reggae“ war, wo er sich revolutionätren Roots-Sound erhofft hatte. In „(White Man) In Hammersmith Palais“, im Juni 1978 als Single veröffentlicht, entfernte sich die Band vom rifflastigen, rauhen Punk und baute auf dem punkigen Reggae-Hybrid ihres Junior-Murvin-Covers „Police and Thieves“ auf.

Joe Strummer beschwert sich im Song, dass jede bewaffnete Revolution scheitern würde, weil sie nicht gegen die britische Armee ankäme. Er ruft schwarze und weisse Jugendliche zur Einheit auf, regt eine Umverteilung des Reichtums an und wirft der Punkbeweghung vor, die „neuen Gruppen“ in „Mass-Anzügen“ wollen die Rebellion zu Geld machen. Strummer gibt auch einen ätzenden Kommentar zum Aufstieg des rechtsextremen National Front in Grossbritanien an: „Wenn Hitler heute einflöge, würden sie ihm auf jeden Fall eine Limousine schicken.“

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Joe Strummer & The Mescaleros, Streetcore, 2003

Produzent/ Rick Rubin, Martin Slattery, Scott Shields

Label/ Hellcat Records

„Streetcore“ ist das letzte Vermächtnis von Joe Strummer, dem Kopf der legendären Punkband The Clash. Darauf erweist er sich als würdiger Songwriter in der Tradition von Folkprotestsängern wie Woody Guthrie oder dem jamaikanischen Reggae-Rebellen Bob Marley, dessen „Redemption Song“ er mit grabestiefer Stimme als akustische Folkversion eine ganz eigene Note verleiht. Acht eigene Songs sind auf der LP sowie ein weiteres Cover, „Silver And Gold“, das auf dem 1952er-Klassiker „Before I Grow Too Old“ von Bobby Charles basiert. Der fröhliche Hillbilly-Tanz mit Mundharmonika und Fidel klingt wie ein prophetischer Abgesang des Briten, der vor Fertigstellung des Albums verstarb. Es wurde überwiegend live eingespielt, ein Teil davon im Haus des Produzenten und Pianisten Rick Rubin — und darum klingt es auch so frisch und lässig.

Neben Strummers Band The Mescaleros waren ein paar Gäste dabei. So entstand auch „The Long Shadow“, ursprünglich für Johnny Cash gedacht, mit dessen Gitarristen Smokey — ein wunderbarer Country mit Duettgesang. Wild, schnell und rau sind „Coma Girl“, der Punkrock „Arms Aloft In Aberdeen“ und „All In A Day“. „Get Down Moses“ hingegen ist ein Rebel Reggae mit Gospeleinfluss und altmodischer Hammondorgel. Auf „Midnight Jam“ arbeitet Strummer mit traumartigen, atmosphärischen Sound-Collagen und Zitaten wie Joe Jackson. Und „Ramshackle Day Parade“ ist eine Hymne, die Punk und Beatles‘ „We Love You“ vereint. Sozusagen Joe Strummers musikalische Versöhnung zwischen Beat, Brit und Punk.