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B. B. King & Eric Clapton, Riding With The King, 2000

Produzent/ Eric Clapton, Simon Climie

Label/ Duck, Reprise

Zur Jahrtausendwende haben die beiden Blues-Heroen B.B. King und Eric Clapton das langst überfällige gemeinsame Album „Rinding With The King“ eingespielt. Es dokumentiert in zwölf Titeln, wie sehr sich ihre Spielauffassungen ähneln, wie unterschiedlich sie jedoch hinsichtlich Phrasierung und Sound-Design im Detail sind.

Schon Ende der 60er Jahre hatte Clapton bekannt: „Viele Leute haben in mir einen Erneuerer gesehen. Das ist Quatsch, weil ich hauptsächlich B.B. King kopiert habe.“ Auch der beweihräucherte Blues-König erwies dem untertäningen Kollegen seine Reverenz: „Eric hat sich dem Blues mit Haut und Haar hingegeben, und dafür respektiere ich ihn. Er besitzt wirklich den Blues, obwohl er kein Schwarzer ist.“

Sorgt das Titelstück „Riding With The King“, eine John Hiatt-Komposition aus den frühen Achtzigern, mit seinem Unisono-Gesang für eine gutgelaunte Einstimmung, so markiert der Fernwehklassiker „Key To The Highway“ einen ersten Höhepunkt. Seit dreissig Jahren umkreist Clapton in zahlreichen Interpretationen diesen Big-Bill-Broonzy-Blues mit immer grösserem Gespür für die Grenzen ungestillter Sehnsucht. Im Wechselspiel von zwei Akustikgitarren liefern King und Clapton ein Paradebeispiel ihrer Picking-Eleganz. Schon hier sind die Markenzeichen der beiden unüberhörbar: Die bis zum Zerreissen überdehnten, langgezogenen Noten von King, mit denen er den Sound einer Slide-Gitarre nachahmt, Claptons jubilierende Lässigkeit und sein weiches Vibrato – all das kondensiert in wechselseitigen Kommentaren.

Und dann der „Three O’Clock Blues“, jene herzerweichende Ballade, mit der B.B. King Anfang der 50er Jahre seinen Durchbruch schaffte: Clapton gibt seinen delikaten Tonerfindungen Raum, lässt sie atmen und ihren molligen Glanz entfalten. Kings „Lucille“ fleht und bettelt dazu, bis alle Traurigkeit in triumphalen Gesten aufgehoben wird.

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B.B. King, Live At The Regal, 1965

Produzent/ Johnny Pate

Label/ ABC

Es war wohl nicht einfach, das Spiel auf der elektrischen Gitarre in einer Stadt ohne Elektrizität zu lernen, doch als B.B. King im November 1964 Chicago erreichte, um im Regal Theater zu spielen, hatte er 39 Jahre geübt. An diesem Abend kam er strahlend auf die Bühne, inzwischen hatte er mehr als 30 Hit-Singles veröffentlicht, auf dem Rücken trug er die berühmte Gibson-Gitarre  namens Lucille, und von den Rängen begrüsste ihn eine Vielzahl weiblicher Fans.

Lucille sprach zuerst: Mit ein paar tanzenden Riffs, vor Bläsern und Schlagzeug stellte sie sich und ihren Mann dem verzückten Publikum vor. Schnell kam B.B. Kings Antwort – die charakteristisch galante Klage: „Everyday I Have The Blues!“ Dieser unsterbliche Dialog hatte beide in zehn Jahren zu Stars gemacht.

King beherrschte den Raum wie ein Prediger aus dem Mississippi-Delta: Er liess die Gemeinde schluchzen und wimmern und lockte jeden einzelnen Zuhörer in den Dialog mit ihm und Lucille. Nach der Erföffnung kam das schmachtende „Sweet Little Angel“ und wie es liebte „ihre Flügel zu spreizen“.

Doch das war kein Sex, es war der Blues, und B.B. King war derjenige, der vor Verlangen und Herzschmerz delinierte. Brennende Vorträge von „It’s My Own Fault“, „How Blue Can You Get“ und „You Upset Me Baby“ unterstrichen von Kings gefühlvollen Zärtlichkeiten an Lucilles Hals, wurden zum Standard für Live Blues und halfen dabei, den King zum grössten Gitarristen in der Geschichte des Genres zu krönen.

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B.B. King, Please Love Me, 1953

Text/Musik/ Jules Taub, B.B. King

Produzent/ Jules Bihari

Label/ RPM

Riley B. King – „B.B.“ steht für „Beale Street Blues Boy“, nach einer berühmten Strasse in Memphis, Tennessee – hatte 1951 seine erste Nr.1 in den R&B-Charts. Nach zwei Jahren erreichte er mit „Please Love Me“ erneut die Spitze. King schrieb das Lied alleine, musste aber, wie damals üblich, Urheberrechte und Lizenzen an Management oder Plattenbosse abgeben, in diesem Fall an „Mitautor“ Jules Taub, einen der Besitzer von RPM-Records.

Der Song legt sofort los, wobei das mitreissende Gitarrenintro stark an Elmore James‘ Klassiker „Dust My Broom“ erinnert. Vier Strophen lang, zum bläsergeschwängerten, swingenden Beat, zu zischenden Becken und mit einer vor Sehnsucht verzerrten Stimme, besingt King seine Liebe zu einer namenlosen Frau und schwört, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Am Ende verspricht er sogar, einen Cadillac zu kaufen, nur um zu ihr gelangen zu können. Nach einer kurzen Coda von Kings glühender Gitarre ist der Song vorbei.

Dieses rauhe Stück R&B wird meist eher mit T-Bone Walker (der King entscheidend beeinflusste) oder Howlin‘ Wolf in Vebindung bebracht. Kings Gitarre ist nur am Anfang und am Ende zu hören; so wunderschön strukturierte und ausgewogene Soli wie später in „The Thrill Is Gone“ sollten noch ein paar Jahre auf sich ewarten lassen. Aber es ist trotzdem ein verdammt guter Song.