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Rickie Lee Jones, 1979

Produzent, Lenny Waronker, Russ Titelman

Label/ Warner Bros.

Rickie Lee Jones war gerade 25 Jahre alt, als sie 1979 dieses Debütalbum herausbrachte. Damals gab es eine aktive Clubszene in Los Angeles und gute Talentscouts auch bei den großen Plattenfirmen, sonst wäre so eine Über-Produktion (die Elite der LA-Studioszene sorgt für fantastischen Sound und perfekte Musik) bei einem Erstling niemals möglich gewesen. Immerhin hatte die Künstlerin ausser einem Schulabbruch, ziellosem Vagabundieren und einigen kleinen Nachtclub-Gigs zu diesem Zeitpunkt noch nichts vorzuweisen als begnadetes Songwriting und eine gewöhnungsbedürftige, verschnupfte Stimme.

Das Debüt-Album von Rickie Lee Jones ist niveauvoll, perfekt instrumentiert. Jede Note ist an ihrem Platz und mit „Chuck E’s In Love“ sogar ein Super-Hit dabei. „Last Chance Texaco“ im Gegensatz dazu ganz Melodram und Chanson. Das sehr funkige „Danny’s All Star Joint“ ist jederzeit als Tanzflächenfüller zu gebrauchen. Und in „Easy Money“ zeigt Jones, wie verrucht, geheimnisvoll und jazzig ein kleines Mädchen aus Chicago klingen kann, wenn es darauf ankommt.

Dr. John, Michael Boddicker und Randy Newman sorgen für erlesene Keyboards. Steve Gadd bleibt am Schlagzeug präzise wie immer. Nick DeCaro schreibt feinsinnig-geschmackvolle Orchesterarrangements. Michael McDonald von den Doobie Brothers bringt feine background-vocals. Und das alles in einem legendär durchsichtigen und perfekt gestaffelten Klangbild, das den zwischen Schnupfentante, weinerlicher Göre und femme fatale kreisenden Gesang von Rickie Lee Jones perfekt einrahmt.

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Bob Dylan, John Wesley Harding, 1967

Produzent/ Bob Johnston

Label/ Columbia

Aufgenommen nach den „Basement Tapes“ (die Dylan sozusagen „heimlich“ mit seiner Begleitband The Band im Keller seines Hauses in der Nähe von Woodstock eingespielt hatte und die dann erst Jahre später veröffentlicht wurden), und nach seinem die eigene Existenz erschütternden Motorradunfall – und somit sein erstes Album anderthalb Jahre nach „Blonde on Blonde“, kam „John Wesley Harding“ für Dylan-Fans spät. (Normalerweise wurden seinerzeit Alben im Halbjahresrhythmus veröffentlicht). Und es kam vor allem inhaltlich als Schock. Niemand hätte diese Kollektion biblischer Allegorien und karger Folksongs erwartet.

Nur die beiden Studiomusiker Charles McCoy am Bass und Kenny Buttrey an den Drums begleiten Dylans Gesang zur akustischen Gitarre. Die Songs waren in drei Tagen in den Columbia Record Studios in Nashville aufgenommen worden und Dylan hatte offensichtlich den Ursprung seiner Musik – und damit die Quelle der Inspiration für seine Musik wiedergefunden. Einer der Gründe vielleicht, warum „John Wesley Harding“ inzwischen als eines von Dylan’s grossen Alben gilt – und als logische Fortentwicklung aus den „Basement Tapes“ Aufnahmen – die aber eben zu der Zeit nicht bekannt waren.

Mit dieser Sparsamkeit und vor allem mit dem eindeutigen Bezug auf das alte mythische Amerika wurde Dylan mehr mit diesem Album als mit der glorreichen Trilogie von 65/66 zur Inspiration für ganze Generationen von Musikern. Grateful Dead, Gram Parsons, die Byrds und der ganze Westcoast-Sound sind ohne dieses Album undenkbar. Dylans berühmte Version von „All Along the Watchtower“ war nur die Spitze des Eisberges. Trügerisch einfach und einfach fantastisch.

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The Easybeats, Friday On My Mind, 1967

Text/Musik/ George Young, Harry Vanda

Roduzent/ Shel Talmy

Label/ United Artists

Im Sommer 1966 gehörten die Easybeats in ihrer Heimat Australien seit über einem Jahr zu dem Stars. In Europa und den USA jedoch hatte ihr Namen keine Bedeutung, waren ihre Platten noch nicht einmal auf dem Markt. Das Quintett schloss einen Vertrag mit United Artists,  zog nach London und nahm eine neue Single mit Kinks- und Who-Produzent Shel Talmy auf.

Das atemlose „Friday on My Mind“ war weniger psychedelisch, sondern orientierte sich eher an „Endlich-Wochenende“-Hits wie „Rip It Up“ und „C’mon Everybody“. Der Song, dessen Anfangstöne an ein Easy-Listening-Arrangement der Gesangstruppe The Swingle Singers erinnern, ist eine überschwengliche Dosis Sixties-Power-Pop über einen Abend in der Stadt, der für fünf mühselige Arbeitstage entschädigt. In rasendem Tempo streben die Gitarren ungeduldig der Entfesselung entgegen, während Sänger Steve Wright die Tage zählt, unterstützt von Backgroundsängern, die vor Freude schier übersprudeln.

Der Song wurde in Europa und in Australien ein Top-Hit. Doch leider war „Friday on My Mind“ der Schwanengesang der Easybeats. In der Vertragshölle gefangen, von Drogen geschwächt ( „Damals war die Band permanent stoned“, gab Gitarrist George Young zu) und trotz des verspäteten Folgehits „Good Times“ war 1968 ihre Energie dahin. Die Familie Young machte allerdings in den 70er Jahren weiter, und zwar Georges Brüder Angus und Malcolm mit AC/DC.