
Faust, So Far, 1972
Produzent/ Uwe Nettelbeck
Label/ Polydor
Die vier Alben, die die deutsche Band Faust zwischen 1971 und 1974 aufnahm, sind mittlerweile über 50 Jahre alt – klingen aber ungebrochen schräg, irr, verstörend, manchmal albern aber immer furios. Faust waren eine Schlüsselband des sogenannten Krautrocks und der Coup des Musikjournalisten Uwe Nettelbeck. 1969 drückte ihm die Plattenfirma Polydor ein Geldbündel in die Hand, mit dem Auftrag, die deutsche Antwort auf die Beatles aufzutreiben. Nettelbeck baute aus den Resten zweier Hamburger Bands und weiteren Musikern eine neue Band. Das Sextett verkroch sich im Studio und legte 1971 sein Debüt „Faust“ vor: Ein bizarrer Sound aus Klangkollagen, Einschüben aus Marschmusik, klassischen Pianofetzen, kruden elektronischen Sounds und anderen Inkongruenzen.
The Beatles? Fehlanzeige. Der Irrsinn, den Faust entfesseln, erlaubt allenfalls Assoziationen mit Sun Ra und Karlheinz Stockhausen. Ein Erfolg war das Album auch nicht; Polydor verkaufte weniger als 1000 Stück – und verlangte ein „hörerfreundlicheres“ zweites Album. „So Far“ erschien 1972 und gilt als Fausts kommerziellster Wurf. Das motorisch rumpelnde „It’s a Rainy Day, Sunshine Girl“ ist dank seines einprägsamen Refrains geradezu hitverdächtig. Auf „So Far“ spürt man Fausts Bestreben, ihren Irrsinn zu strukturieren – das gelingt nicht wirklich, schafft aber eine unglaubliche Spannung.









