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The Allman Brothers Band, Idlewild South, 1970

Produzent/ Tom Dowd

Label/ Atco Records

Ein kurzes Album, und doch läuft die Band in dreissig Minuten dermassen zur Höchstform auf, dass es keiner weiteren Tracks bedarf. 1970 war es übrigens noch keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass eine „gemischtrassige“ Band im Südosten der USA unterwegs war. Die Allman Brothers Band, hier noch mit Bandgründer Duane Allman, inszeniert ihre Mischung aus Blues, Jazz, Latin, Country, Gospel und Hardrock nicht als einvernehmlichen Heile-Welt-Mix, sondern erarbeitet Ecken, Kanten und Reibungsflächen heraus.

Die musik der Allman Brothers war von Anfang an der Sound des „ganzen Amerika“ mit all seinen Konflikten. Duane Allman, der auf dem Album nicht als Komponist in Erscheinung tritt, lässt seine einzigartige Virtuosität auf der Slide-Gitarre nur gelegentlich aufblitzen. Live waren sie neben den Grateful Dead längst zu einer Institution der Solo- und Kollektiv-Improvisation geworden, was sie ein Jahr später auf „At Fillmore East“ auch für die Nachwelt dokumentieren sollten. Doch „Idlewild South“ besticht gerade durch die spielerische Zurückhaltung der Band. Selbst beim instrumentalen, leicht Bossa-beeinflussten „In Memory Of Elizabeth Reed“, das sie im Konzert auf vierzig Minuten auszudehnen wussten, kommen sie mit knapp sieben Minuten zurecht. Zwischen elektrischem Drive und akustischer Lagerfeuer-Stimmung findet die Band immer den optimalen Ausgleich, wie auch zwischen der Leichtigkeit und dem Fluss der Improvisationen auf der einen und der Schwere und Erdigkeit des Sounds auf  anderen Seite. Willie Dixons harter und energiereicher Blues „Hoochie Coochie Man“ reiht sich ohne Bruch in die Eigenkompositionen der Band ein – fast alle Songs sollten später zum Standardrepertoire der Allman Brothers gehören.

„Idlewild South“  ist nicht weniger als der aufs Minimum reduzierte Katalog der maximalen Möglichkeiten einer Band, die das Musikgeschehen phasenweise über die nächsten Jahrzehnten prägen sollte.

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Neil Young And Crazy Horse, Rust Never Sleeps, 1979

Produzent/ David Briggs, Tim Mulligan, Neil Young

Label/ Reprise

1979 feierte Neil Young die Tatsache, dass er die Siebziger intakt und integer überlebt hatte. „Village Voice“ nominierte ihn zum „Künstler des Jahres“ und bestätigte ihn so als einen der wenigen Stars seiner Ära, neben Dylan und Van Morrison, dem ein erfolgreicher Wandel gelungen war.

Young verfolgte die Solokarriere an zwei Fronten. Ein Film mit dem Titel „Rust Never Sleeps“ hatte im Juli 1979 Premiere, mit Szenen von einem Konzert in San Francisco, aber das gleichzeitig veröffentlichte Album mit dem gleichen Titel war interessanter. Auf der akustischen A-Seite spielte Young alleine, auf der elektrischen B-Seite unterstützte ihn Crazy Horse. Die LP wird umrahmt von Variationen des Liedes „My My, Hey Hey“ über vergänglichen Ruhm und wurde zur Legende, nachdem Kurt Cobain es in seinem Abschiedsbrief zitierte.

Zu den akustischen Höhepunkten gehört „Pocahontas“, inspiriert von Sacheen Littlefeathers Auftritt bei den Academy Awards, wo sie von Marlon Brando als Stellvertreterin beauftragt in seinem Namen den Oscar für die Hauptrolle in „Der Pate“ zurückwies. (Young hatte die Auslöschung der Indianer auf „Broken Arrow“ thematisiert.) „Trasher“ kommentiert die Beziehung zu Crosby, Stills und Nash.

Die vier Nummern auf der B-Seite waren live aufgenommen, doch die Reaktionen des Publikums wurden herausgeschnitten. Die Western-Story „Powderfinger“ macht den Anfang, zum Schlusss kommt der zweite Teil des Leitmotivs mit dem Titel „Hey Hey My My (Into The Black)“.

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Charley Patton, Spoonful Blues, 1929

Produzent/ H.C. Speir

Label/ Paramount

Charlie Patton ( 1891 – 1934), der wichtigste Interpret des Delta-Blues, war zwar schon seit 1907 mit dem Blues unterwegs, seine ersten Aufnahmen machte er aber erst 1929, als er auf der Dockerey-Plantage lebte, für den Plattenladen-Besitzer und Agenten H.C. Speir aus Jackson, Mississippi. Schon drei Jahre vorher waren die Blues des ersten Grossmeister, Blind Lemon Jefferson auf Platte erschienen und selbst der von ihm, Willie Brown und Dick Bankston – die als Trio spielten – beeinflusste Tommy Johnson hatte schon im Februar 1928 für Victor seine bahnbrechenden „Canned Heat Blues“, „Cool Drink of Water Blues“ und andere aufgenommen.

Charley Pattons Blues stellen einen frühen Höhepunkt des Delta-Dance-Blues dar – ein Umstand der hier betont werden muss. Alle frühen Blues-Musiker spielten zum Tanz für ihre Zuhörerschaft auf. Pattons Erkennungssong war „Pony Blues“, ein kompliziert gebauter, sich weit vom Schema entfernender Song. Seine andere Glanznummern waren „Down The Dirt Road Blues“, „Banty Rooster“ und “ Spoonful Blues“. Charley Patton nahm – endlich entdeckt – allein 1929 rekordverdächtige 43 Titel auf. Seine Aufnahmekarriere dauerte bis 1934. Seit 1933 hatte sich seine Stimme verändert, da ihm bei einer Tanzveranstaltung in Holly Ridge die Kehle aufgeschlitzt worden war. Bald nach seiner letzten Aufnahmesession starb er an einem Herzleiden, das ihn schon seit seit Jahren begleitete.

Eine Tanzverantaltung mit Charley Patton muss für die Zuschauer das reine Vergnügen gewesen sein. Zeitzeugen berichten von abenteuerliche Verrenkungen und Clownereien mit der Gitarre. Patton war nicht zuletzt ein Show-Man, mit ihm begann eine Traditions-Linie, die direkt zu T-Bone Walker, Chuck Berry, Screaming Jay Hawkins, James und Jimi Hendrix führte.