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Pretenders II, 1981

Produzent/ Chris Thomas

Label/ Sire

Ein Jahr nach dem fantastischen Debüt von Chrissie Hyndes Band erschien der Nachfolger. Pretenders II hält in der Diskographie der transatlantischen Combo einen Ehrenplatz, ist es doch die letzte LP des orginalen Lineups mit James Honeyman-Scott (Leadgitarre) und Pete Farndon (Bass).

Obwohl das stilistisch am Vorgänger orientierte Album bei Erscheinen 1981 zum Teil verrissen wurde, darf man heute von einem Klassiker sprechen. Pretenders II ist nicht perfekt, was aber eher am Vergleich mit dem fulminanten Debüt liegt. Den Anfang machen mit „The Adultress“ und „Bad Boys Get Spanked“ zwei dämonisch harte Rocker, Pretenders II klingt insgesamt aber weniger kompromisslos als das Debüt. Mit ihren teils autobiographischen Texten sorgte Hynde vor allem hier nicht immer für Klarheit. Häufig geht ihr Blick nach innen, sie trauert verflossenen Lieben nach und verpassten Romanzen.

Dass das zweite Pretenders-Album mit dem authentischen Rocker „Louie Louie“ im Anschluss an die vor Enttäuschung und Bitterkeit triefenden „Jealous Dogs“ und „The English Roses“ versöhnlich ausklingt, wirkt überraschend. Strotzt Pretenders I vor weiblichem Selbstbewusstsein, sind auf Pretenders II die melancholischen Songs die bemerkenswertesten. Und so besticht letztlich weniger das zupackende Hardrockriff im Mittelteil von „Pack It Up“ als die filigranen Arrangements: die Trompete im Kinks-Cover „I Go To Sleep“, Honeyman-Scotts gefühlvolles Solo in „Birds Of Paradise“ oder die glockenhellen Gitarrenwände in „The English Roses“. Die eigentlichen Highlights des Albums aber sind die temperamentvollen Singles „Message Of Love“, „Talk Of The Town“ und „Day After Day“.

Weniger als ein Jahr nach der Veröffentlichung von Pretenders II erlag James Honeyman-Scott einer Überdosis Drogen. Ein Jahr später folgte ihm der zuvor geschasste Pete Farndon ins Grab. Was anschliessend folgte, ist ein anderes Kapitel.

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Hot Tuna, Steady as She Goes, 2011

Produzent/ Larry Campbell

Label/ Red House

Angefangen hatte es mit der Band Hot Tuna 1969, als Jorma Kaukonen, Jack Casady und andere Mitglieder von Jefferson Airplane krankheitsbedingt auf Sängerin Grace Slick verzichten mussten. Mit „Steady As She Goes“ erschien 2011 nach mehr als zwanzig Jahren wieder ein Studio-Album der Bluesrocker.

Erstaunlich, wie langlebig manche Bands auch ohne Ewigkeitsruhm a la Rolling Stones sind. Hot Tuna hat es an Bekanntheit niemals mit dem „Mutterschiff“ Jefferson Airplane aufnehmen können. Doch noch heute ist die Gruppe (nach kurzzeitiger Unterbrechung in den 80er Jahren) beständig auf Tour. Und mit Kaukonen und Casady sind zwei der Gründungsmitglieder noch immer an Bord. Damit ist sie die am längsten existierende Band der kalifornischen Hippie-Szene… Seltsam eigentlich, dass es zwanzig Jahre dauern musste, bis sie mal wieder ins Studio gegangen sind.

Wenn Musiker als „authentisch“ oder ur-amerikanisch geltende Rockmusik einspielen wollten, dann war das Studio des 2012 verstorbenen Schlagzeugers und Bandleader Levon Helm in Woodstock ein gern aufgesuchter Ort. Denn irgendwie gilt seit den Tagen der Basement Tapes (oder fälschlicherweise seit dem Woodstock-Festival) Woodstock als ein fast mythischer Ort. Hot Tuna jedenfalls ist dieser Ausflug gut bekommen.

„Steady As She Goes“ mag nicht das spektakulärste Bluesrockalbum sein. Doch die zwölf Songs (ob von den Bandmitgliedern geschrieben oder Neuinterpretationen etwa von Rev. Gary Davis) sind in ihrer ruhigen Art auf jeden Fall mehr als hörenswert. Die Lieder treten nicht im Wettstreit um den schnellsten und härtesten Bluesrock an, sondern sind mit Mandolinen und anderen akustischen Instrumenten eher im Grenzland zwischen Folk, Blues und Country angesiedelt. Und damit kann man sich einen ruhigen Abend sehr angenehm vertreiben.

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Joe Jackson, Body and Soul, 1984

Produktion/ David Kershenbaum, Joe Jackson

Label/ A&M

„Body & Soul“ hat trotz des „geklauten“ Coverdesigns wenig mit Jazz wie Sonny Rollins zu tun, sondern ist eher eine Sammlung von mit „klassischen“ Joe Jackson-Zutaten versehener Musik. Genial transparent aufgenommen (man spürt eine gewisse Live-Atmosphäre, später bei „Big World“ holte er sich wirklich Publikum dazu, das aufgefordert war, während der Musik still zu sitzen), schon der Opener „The Verdict“ beeindruckt mit sehr viel Druck und wuchtigem Arrangement. Danach geht es weiter mit einem ironischen, verhaltenen, fast gespenstisch dünn instrumentierten „Cha Cha“, der trotzdem viel südamerikanisches Flair hat. „Not Here, Not Now“ eine todtraurige Ballade zur stimmungsvollen Untermalung durch eine billige Rhythmbox wird von dem extrem funkigen „You Can’t Get What You Want“ abgelöst. Hier kann die glänzend aufgelegte Band mit Vinnie Colaiuta (dr) und Graham Maby (bg) so richtig loslegen. Tolles Gitarrensolo im BeBop-Stil und dann gleich das stampfende, von knallenden Drumschlägen in ein geradezu zwanghaftes Korsett gezwängte „Go For It“ mit wilden unisono spielenden Bläsern. Danach wird es dann etwas flacher bis zu der wundervollen ironisch-traurigen Pianoballade „Be My Number Two“.

Joe Jackson hat nicht umsonst jahrelang die musikalische Schulbank im Konservatorium gedrückt. Nach dem Flirt mit Punk („Look Sharp“) und Swing/Punk („Jumpin’Jive“) und dem grossen Rundumschlag von „Night And Day“ sollte es hier grosses Drama werden und dicker Sound. Beides gelungen. „Body and Soul“ ist artifizieller Pop auf höchstem Niveau.

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Taj Mahal, Like Never Before, 1991

Produzent/ Skip Drinkwater

Label/ Private Music

Als Taj Mahal in den frühen Siebzigern vom seinerzeit lukrativen Blues zu seinen „Roots“ in Reggae und Calypso umschwenkte, hatte er plötzlich keinen Major-Deal mehr. Anfang der neunziger Jahre schien sich das Mainstream-Interesse und Mainstream-Geld wieder Taj Mahal anzunähren. Plötzlich konnte er sich Hall & Oates, die Pointer Sisters, Dr. John und alles, was an Studio-Muckern gut und teuer ist, leisten; sogar DJ Jazzy Jeff steuerte ein ziemlich einmaliges Scratch-Solo bei.

Taj Mahal, der ja im Grunde genommen immer eher Songwriter und Forscher als Vertreter eines Genre war – seine Doppelalbum-Hälfte „De Ole Folks At Home“ ist Veranschaulichung der ländlichen schwarzen Kultur der Südstaaten vor Blues immer noch einzigartig – kommt zwar auch mit dieser einigermassen geglätteten, aus verschiedenen, in Amerika verallgemeinernd „Roots Music“ genannten Traditionen (Delta-Blues, Little-Feat-Gitarre, Honk-Tonk-Piano, New orleand Bass etc.) zusammengewürfelter Musik gut zurecht, aber trotz Neubearbeitungen eigener alter Songs („Cakewalk Into Town“, „Take A Giant Step“), einer Version von John Martyn und anderer konzeptueller Leistungen, hätte man sich doch etwas mehr Konzentration und weniger teures Musiker-Hullygully und Studio-Gute-Laune gewünscht. Neben dem Klang der grundangenehmen Stimme Taj Mahals bleibt uns sein geniales Stück „Squat That Rabbit“.