J. J. Cale, Troubadour, 1976

Produzent/ Audie Ashworth

Label/ Shelter Records

J. J. Cale’s Musik ist immer in erster Linie Sound gewesen. Wesentliche Charakteristika: ein unverkennbar dichtes Gewebe aus enorm relaxten, jedoch äusserst dichtem Rhythmus und undeutlich geflüstertem und textzerkauendem Gesang. Was Cale in seinen Texten erzählt ist zweitrangig – interessant bleibt das Wie: ultracool gebrachte Songs mit eindringlichen, auf zwei oder drei Akkordfolgen basierenden Melodien und dazu diesen typischen insistierenden Drive.

Auch auf seinem vierten Album „Troubadour“ bewegt sich Cale keinen Fussbreit aus seinem Metier heraus. Es geht los mit „Hey Baby“: sanft wiegend, im Background ein verhaltener, rhythmusbetonter Bläsersatz. In „Travelin’ Light“ wird das Tempo angezogen, in dem ein Vibraphon neben Rhythmus- und Leadgitarre die Akzente setzt, und verlangsamt sich wieder in einem pulsierenden Wiege-Beat auf „You Got Something“. Lässig wird das Intro zu „Ride Me High“ so lange aus Bass, Schlagzeug und Rhythmusgitarre aufgebaut, bis es auch den letzten Zauderer in den Füssen zuckt. „Hold On“ ist eine jazzige Night-Blues-Nummer, und dann startet ein kreischendes E-Gitarren-Riff den bekanntesten Disco-Rocker, den man von J. J. Cale gehört hat: „Cocaine“. Mit fast ebensoviel Power geht es mit „I’m A Gypsy Man“ weiter. Auch die restlichen Songs der Platte haben viel Rock, Swing und Blues. Niemand spielte so wie J. J. Cale, und ich finde seine Musik keine Sekunde langweilig.

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J. J. Cale, Naturally, 1972

Produzent/ Audie Ashworth

Label/ Shelter Records

John Weldon Cale, den Eric Clapton „einen der wichtigsten Künstler der Rockgeschichte“ nannte, wuchs in Tulsa, Oklahoma, auf. In den Fünzigerjahren waren dort Blues und Jazz so populär wie Country Music oder Rockabilly. Als Gitarrist absorbierte Cale all diese Einflüsse. Er spielte in Rock- und Western-Swing-Bands, 1964 zog es ihn nach Kalifornien. J. J. arbeitete als Tontechniker, er nahm zwei Singles auf, die floppten. Ein Produzent drängte ihn, eine LP mit psychedelisch angehauchten Pop-Covers aufzunehmen. Sie floppte. Frustiert vom Musikgeschäft kehrte Cale 1967 nach Tulsa zurück. Er nahm öde Brotjobs an, abends spielte er in Bars. Als er soweit war, alles hinzuschmeissen, hörte er im Radio Claptons Version von „After Midnight“, das gab ihn Auftrieb. Sein Demotape landete bei Denny Cordell, dem Boss von Shelter Records. Er nahm den „Okie“ unter Vertrag und veröffentlichte 1972 dessen Debütalbum.

„Naturally“ enthielt Songs wie „Crazy Mama“, „After Midnight“ und „Call Me The Breeze“. Musikalisch war es der Prototyp für J. J. Cales typischen Laid-Back-Sound: schleppende Grooves, subtile, flüssige Gitarre, heiser flüsternde Stimme. War das nun bluesige Country Music oder Country-Blues? Diese intimen Songs klangen wie Demos, doch der minimalistische Sound war das Produkt eines genialen Soundtüftlers.

Bis zu seinem Tod 2013 sammelte J. J. Cale alle paar Jahre einige hochkarätige Studiomusiker aus der Nashville-Szene um sich, um heimlich, still und leise eine Platte aufzunehmen, aus deren Songs dann andere Musiker ihr Hitpotential schöpften. Eric Clapton machte aus „After Midnight“ und „Cocaine“ Hits, Carlos Santana aus „Sensitive Kind“; Mark Knopfler von den Dire Straits kopierte ihn ebenfalls erfolgreich… „Ich hoffe dass Mark Knopfler auch mal einen meiner Songs aufnimmt, anstatt nur so zu klingen“ ist eins der wenigen Zitate die sich Cale entlocken liess, aber ansonsten dürfte ihn die Tatsache, dass andere Musiker seinen Stil zu Geld machten, nie besonders gestört haben.

Alle seine Alben, und insbesondere diese Platte mit Songperlen wie „Crazy Mama“, „After Midnight“, „Magnolia“, „Don’t Go To Strangers“, „Call The Doctor“ oder „Crying Eyes“ strotzen geradezu vor Lässigkeit und Zurückgelehntheit, und sind perfekte Begleiter für einen Abend vor dem Kamin mit einem Glas Rotwein.

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J. J. Cale, 5, 1979

Produzent/ Audie Ashworth, J. J. Cale

Label/ Island

Er war ein schweigsamer Typ aus dem Bauernstaat Oklahoma, USA, unrasiert unter dem abgewetzten Hut und in allem schwer zu beeindrucken. Seine mehr gemurmelten als gesungenen Texte kamen einsilbig daher, in denen er die Zeit nach Mitternacht, den Wind, den Mond, die Magnolien, die Liebe und das freie Musizieren besang. Ebenso skizzenhaft klang sein Gitarrenspiel auf der Halbakustischen: Elemente von Blues, Rockabilly und Country in Andeutungen und dazu federnde, zum Singen schöne Melodielinien.

Mit seinem fünften Album, das er auch so benannte, hat er einen Klassiker herausgebracht. Bereits die ersten vier Songs „Thirteen Days“, „Boilin Pot“, „I’ll Make Love Tou You Anytime“ und „Don’t Cry Sister“ gehen sofort ins Ohr und nicht mehr raus. Bei “Too Much For Me“ ist man fast geneigt zu sagen, das ist genau der Titel, der auf vielen Alben anderer Musiker das Highlight wäre, einer dem etwas, aber wirklich nur ganz wenig fehlt, um als Klassiker durchzugehen. Das ist wieder der nächste, das traumhafte schöne „Sensitive Kind“ und das Fahrt aufnehmende groovende „Friday“ – unglaublich was dieser Mann für ein Feeling hat.

J. J. Cale inspirierte mit seinen Songs weit bekanntere Kollegen wie Eric Clapton und die Dire Straits, blieb aber zugleich auf seine konsequente Art bescheiden. Er gehört zu den wenigen Legenden in der Rockmusik, die nicht nur für sich ganz alleine ein Genre geprägt, sondern dieses auch unerreicht über Jahrzehnte besetzt haben.

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J. J. Cale, Shades, 1981

Produzent/  Audie Ashworth, J. J. Cale

Label/ Island

Ein Album wie aus einem Guss: federleicht fliessende Gitarrenlinien, erdiger Folk-Blues, weiche Saxophonlinien, kurze, manchmal etwas schrammelnde Gitarrenskizzen. Ausserdem bescherte es Cale – der ja nie Singles veröffentlichte – vier Jahre nach „Cocaine“ auch noch einen weiteren Hit mit „Carry On“.

Was dieses Lied – und auch einige andere auf dieser Platte auszeichnet, ist diese ungeheure Coolness und Lässigkeit, die Cale selbst bei schnelleren Songs nie abhanden kommt. Weitere Höhepunkte hier, sind der gemütliche und dennoch ebenfalls lässige Blues „Deep Dark Dungeon“, das etwas flottere ,What Do You Expect?‘ und das für Cale geradezu rasende „Mama Don’t“ , dass auch immer einen Höhepunkt seiner Konzerte darstellte.

„Shades zeigt ganz unspektakulär und doch eindrucksvoll J. J. Cales Können. Von den Country Einflüssen auf seinen frühen Alben ist hier nichts mehr zu hören ist. Der Blues in seinen Varianten dominiert hier, und es wird auch mal gejammt wie bei „Pack My Jack“, was dazu führt, dass Cale’s sonst meist so konzise Nummern sich plötzlich auch mal über fünf Minuten erstrecken können – ohne langweilig zu werden, versteht sich.

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J. J. Cale backstage in the dressing room of the Carre Theatre, Amsterdam prior to his performance there in 1973