J. J. Cale, Grasshopper, 1982

Produzent/ Audie Asworth, J. J. Cale

Label/ Island

Wenn ich jemandem eine einzige Platte von J. J. Cale empfehlen müsste, wäre es „Grasshopper“. Da ist alles drin ist, was J. J. Cale ausmachte. Zur stilistischen Vielfalt kommt eine ausgereifte Produktionstechnik. Hier ist der Mann auf der Höhe der Zeit, klingt modern und dennoch ganz nach J. J. Cale. Ein perfekter Spagat! Mit dabei ein paar der besten Sessionmusiker; Reggie Young, Ken Buttrey, David Briggs, Tommy Cogbill und John Christopher an der Rhythmusgitarre.

Das Herz von „Grasshopper“ aber sind selbstverständlich die Songs, die Geschichten. Bereits die Eröffnungsnummer setzt die Latte hoch; mit dem sonnigen „City Girls“ war Cale einem Pop-Hit so nah wie nie zuvor. Der zweite Song „Devil In Disguise“ ist vermutlich der schnellste Rock-Song, den er je aufgenommen hat. „Drifter’s Wife“ spielt Cale ganz allein, mit Okie-Akzent und virtuosem Fingerpicking erzählt er die Geschichte eines umherziehenden Musikers, auf Augenhöhe mit Woody Guthrie oder Bob Dylan. „You Keep Me Hangin’ On“ berührt mit verletzlichen Texten und einer Klavier-Begleitung in allerbester Elton John-Manier. In „Downtown L.A.“ zeichnet er ein deprimierendes Porträt der Grossstadt-Dekadenz, in „A Thing Going On“ zaubert er eine beängstigend mystische Stimmung aus dem Ärmel, und im von Christine Lakeland und ihm geschriebenen „Don’t Wait“ wird dieser Schwere ein umwerfend charmanter Optimismus entgegengesetzt.

Keines der vierzehn Stücke gleicht einem andern, doch jedes verkörpert seine bestimmte Rolle, sogar die beiden kurzen Instrumentals, die für sich allein irgendwie seltsam klingen. „Grasshopper“ hat dieses innere Gleichgewicht, welches sich nicht erklären lässt. Wer also noch gute Musik für ein Stündchen im Schaukelstuhl braucht, ist mit dieser Platte von J. J. Cale bestens bedient.