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Bob Dylan, John Wesley Harding, 1967

Produzent/ Bob Johnston

Label/ Columbia

Aufgenommen nach den „Basement Tapes“ (die Dylan sozusagen „heimlich“ mit seiner Begleitband The Band im Keller seines Hauses in der Nähe von Woodstock eingespielt hatte und die dann erst Jahre später veröffentlicht wurden), und nach seinem die eigene Existenz erschütternden Motorradunfall – und somit sein erstes Album anderthalb Jahre nach „Blonde on Blonde“, kam „John Wesley Harding“ für Dylan-Fans spät. (Normalerweise wurden seinerzeit Alben im Halbjahresrhythmus veröffentlicht). Und es kam vor allem inhaltlich als Schock. Niemand hätte diese Kollektion biblischer Allegorien und karger Folksongs erwartet.

Nur die beiden Studiomusiker Charles McCoy am Bass und Kenny Buttrey an den Drums begleiten Dylans Gesang zur akustischen Gitarre. Die Songs waren in drei Tagen in den Columbia Record Studios in Nashville aufgenommen worden und Dylan hatte offensichtlich den Ursprung seiner Musik – und damit die Quelle der Inspiration für seine Musik wiedergefunden. Einer der Gründe vielleicht, warum „John Wesley Harding“ inzwischen als eines von Dylan’s grossen Alben gilt – und als logische Fortentwicklung aus den „Basement Tapes“ Aufnahmen – die aber eben zu der Zeit nicht bekannt waren.

Mit dieser Sparsamkeit und vor allem mit dem eindeutigen Bezug auf das alte mythische Amerika wurde Dylan mehr mit diesem Album als mit der glorreichen Trilogie von 65/66 zur Inspiration für ganze Generationen von Musikern. Grateful Dead, Gram Parsons, die Byrds und der ganze Westcoast-Sound sind ohne dieses Album undenkbar. Dylans berühmte Version von „All Along the Watchtower“ war nur die Spitze des Eisberges. Trügerisch einfach und einfach fantastisch.

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The Traveling Wilburys Vol.1, 1988

Produzent/ Otis Wilbury, Nelson Wilbury

Label/ Wilbury, Warner Bros.

Die sogenannte „Supergroup“, geformt von Ex-Beatle George Harrison, Jeff Lynne von ELO, Bob Dylan, Roy Orbison und Tom Petty, kam durch Zufälle zusammen.

Die Lead-Single des Albums – „Handle with Care“ – begann als ein von George Harrison abgewiesener Song für sein Soloalbum „Cloud 9“ und endete als B-Seite. Sein alter Kumpel Jeff Lynne produzierte damals sein Album und als sie für den Song noch eine Stimme suchten, da schlug Lynne Roy Orbison vor, für den er auch gerade ein Album produzierte. Da einzig Bob Dylans Studio so kurzfristig zu Verfügung stand und Harrisons Gitarre noch bei Tom Petty zu Hause war, formte sich schlussendlich die Gruppe, die wir heute als The Traveling Wilburys kennen.

Deren erstes Album, das schon lange als Klassiker gilt, macht vor allem Spass. Von jedem Musiker spürt man seinen speziellen Musikstil heraus. George Harrisons Gitarrenriffe, Roy Orbisons tragisch schöne Stimme, Tom Pettys Rockröhre, Jeff Lynns Produktion und Bob Dylans Songtexte. Von Rock über Country, bis zu Reggae ist auf diesem Album alles zu hören. „The Traveling Wilburys Vol. 1“ fängt mit dem Song an, mit dem alles begann an und hört mit “End of the Line” wieder auf, auf welchem alle der Wilburys aussser Bob Dylan einen Lead singen. Roy Orbison starb kurz nach der Vollendung des Albums. Seine Stimme ist deshalb zwar im Song noch hörbar, er selbst fehlt jedoch im Video.

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Bob Dylan, Oh Mercy, 1989

Produzent/ Daniel Lanois

Label/ Columbia

Mit „Oh Mercy“ scheint Dylan fast genau da weiterzumachen, wo er gut 10 Jahre vorher mit „Blood on the Tracks“ aufgehört hat. Ein stimmungsvoll-düsteres Album, voller Balladen und Songs über die Härten des Lebens. Das alles ist meisterlich arrangiert von Daniel Lanois, der die insgesamt eher sparsame Instrumentierung punktgenau einsetzt.

Je sparsamer in Szene gesetzt, desto besser: Mit dem „Man in the Long Black Coat“ erreicht Dylan einen der vielen einsamen Gipfel in seinem Gesamtwerk. Eine düstere Ballade, die die Geschichte der Frau, die mit dem geheimnisumwitterten Mann im schwarzen Mantel davonging, in poetischen Genrebildern erzählt. Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, dass Dylan seine besten Songs geschrieben hat, wenn ihn die Frauen verliessen oder verlassen wollten. In diesem Song geht es allerdings ums ultimative Verlassen.

Mindestens ebenso eindringlich ist „Most Of The Time“, ein Liebeslied allererster Güte, mit dem Dylan all seine zuvorigen Liebeslieder nicht nur übertrifft, sondern ein Zeichen setzt, wie man Liebe, Abschied und – zum Beispiel – Seelenschmerz auf eine musikalisch tragende, hingegen niemals schnulzige Art und Weise behandeln kann.

Auch sonst beweist Dylan hier, dass er derjenige welcher unter den Songwritern ist. „Oh Mercy“ gehört zu den Dylan-Alben, bei denen von Anfang bis Ende so ziemlich alles stimmt, hinzu kommt diese dichte Atmosphäre, die gekonnte Instrumentierung, die musikalischen Anleihen bei den unwahrscheinlichsten Genres: „Where Teardrops Fall“ zum Beispiel, eine edle Tanznummer mit melancholischem Saxophon am Ende.