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Grateful Dead, Live/ Dead, 1969

Produzent/ Grateful Dead

Label/ Warner Bros.

Die ersten drei Studioalben von Grateful Dead vermittelten nicht, was die Fans bei Konzerten wie in Fillmore West fühlten. Zum Glück war die Band gewillt, mit „Live/ Dead“ auch den Rest der Welt zur „Reise in ihrem Bus“ einzuladen.

Das Konzertalbum ist ein einschneidender Moment in der Geschichte der Popmusik, insbesondere für diejenigen, die nie in Haight-Ashbury oder der Carnaby Street gewesen waren. Auf der Doppel-LP „Live/Dead“ gab es nur sieben Songs, statt 30 wie auf dem „White Album“ der Beatles. Die Stücke waren bei Live-Auftritten in San Francisco mitgeschnitten worden, etwa zur gleichen Zeit, als die Gruppe „Aoxomoxoa“ im Studio aufnahm.

„Dark Star“ der Lieblingssong aller Zeiten unter den Deadheads, ist hier zum ersten Mal auf Platte gepresst und auch später selten besser gespielt worden. Die Musik gerät in einen Strudel, schäumt über und verliert sich scheinbar unzählige Male, um dann in – Coltrane würdigen – Epiphanien zum Höhepunkt zu gelangen. Grateful Dead bauen die Studioversion von „St. Stephen“ genüsslich aus und tauchen dann ein in die epische Interpretation von „The Eleven“.

Während viele Kritiker die beiden LPs von 1970, „Workingman’s Dead“ und „American Beauty“, als die unerreichbarten Meisterwerke einstufen, ist dieses erste Live-Album wohl das einflussreichste Werk der Band. Die LP erschien lange vor den Kassetten-Tauschbörsen. Sie illustriert die Kraft langer Improvisationen und lässt sich als Vorlage für Phish und andere Jam-Bands weit ins 21. Jahrhundert verfolgen.

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The Clash, 1977

Produzent/ Mickey Foote

Label/ CBS Records

Das Debüt der bedeutendsten britischen Punk-Band, die im Gegensatz zu Johnny Rottens Schock-Kapelle eben nicht nur alte Zöpfe abschnitt, sondern auch noch ausserordentlich talentiert war. Die rohe Rock-Energie steht durchaus auf Pfeilern der britischen Rockgeschichte; die Kinks- oder Troggs-Einflüsse sind nicht überhörbar. Die Botschaften der Clash liessen trotzdem an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Remote Control“, „Cheat“, „London’s Burning“, „I’m So Bored With The U.S.A.“ bedürfen keiner Sekundärliteratur.

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Jimi Hendrix, Smash Hits, 1968

Produzent/ Chas Chandler

Label/ Polydor

Ende der 60er Jahre war eine Single trotz des mit den Beatles, The Who, The Kinks, Pink Floyd, Moody Blues und den Rolling Stones heraufdämmernden Albumzeitalters immer noch das Mass aller Dinge. „Smash Hits“, die einzige von Hendrix noch zu Lebzeiten veröffentlichte Compilation, sollte vorallem eine Zusammenfassung seiner Seven-Inch-Juwelen – sowohl der A- als auch der B-Seiten – sein. Wobei zu dieser Zeit grosse Unterschiede in der Veröffentlichung von Singles in den verschiedenen Ländern gang und gäbe waren. So war etwa der europäische und japanische Singlehit „Purple Haze“ auf der nordamerikanischen Version von Hendrix’ Debüt-LP „Are You Experienced“ enthalten. Nimmt man die zuerst erschiene UK-Version von „Smash Hits“ als Grundlage, ist „Foxy Lady“ das einzige Stück, das nicht als Single erschien. Zumindest nicht in Europa, denn unter dem Namen „Foxey Lady“ wurde der „Are You Experienced“-Song in den USA als Single veröffentlicht. „Fire“, auch als „Let Me Light Your Fire“ bekannt, erschien 1969 in Europa als Seven Inch.

Was „Smash Hits“ als Originalalbum aber so grandios macht, war nicht unbedingt das Alleinstellungsmerkmal einiger Songs, sondern die pure Kraft und Magie von Jimi Hendrix, komprimiert auf jeweils etwa drei Minuten. Wahre „Smash Hits“ eben! Da wurde keine Zeit verschenkt, da ging es gleich zur Sache. Rockgeschichtsschreibung und Pop, abgeleitet von Popularität, erlebten hier eine seltene und stilsichere Fusion. Kernstück des Albums war Hendrix’ erste Single „Hey Joe“. Mit jenem Lied brannte er sich 1966 ins kollektive Bewusstsein der Rockmusik-Fans ein. Bis zu „Smash Hits“ gab es den Song eben nur als Single. Da diese Platte schon vor den Aufnahmen zu „Axis: Bold As Love“ konzipiert worden war, konnte sie keine Songs von diesem Werk enthalten, obwohl einige von ihnen bestens zu ihr gepasst hätten.

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Ray Davies, Other People’s Lives, 2006

Produzent/ Ray Davies

Label/ V2

Daran hatte kaum einer mehr geglaubt, dass Ray Davies ein Solo-Album (sein erstes nach den Kinks) produzieren würde. Das Idol und Vorbild aller (nicht nur britischen) Songwriter beschreibt auf „Other Peolpe’s Live“ seine Erfahrungen eines Aufenthalts in New Orleans. Doch seine Musik und seine elegante Erzählensweise sind typisch britisch geblieben. Mit der Lebensweisheit eines 61 jährigen erzählt er Geschichten aus dem Leben eines Touristen, den Vororten oder dem Leben, dass weiter geht.

Musikalisch ist das Album neben den grossartigen Songs ein klassisches Rockalbum. Doch was für eines: Kraftvolle Riffs, elegante Bridges, einnehmende Melodien und immer wieder kraftvolle Backgroundchöre: schon der Opener „Things Are Gonna Change“ zeigt die Klasse dieses Mannes. Oder der Alt-Country von „The Getaway“. Oder das mit Folkgitarre startende „All She Wrote“, welches dann im Funkrock endet. Oder der Titeltrack mit seinem Latinrock-Einschlag.

Insbesondere der Gesang von Davies ist fein nuanciert, berührend und ausdrucksstark. Immer wieder werden Anklänge an die erste Zeit der Kinks hörbar. Ein kurzer Gitarrenriff a la Lola; eine Chorpassage, die an „Waterloo Sunset“ erinnert; ein Bläsereinsatz ähnlich „Sunny Afternoon“.

Während andere Altmeister sich damit begnügen, mit den bewährten Hits durch die Gegend zu touren, steigert Ray Davies seine Qualität. Das ist kein „Alterswerk“ – vom ersten Stück weg rockt Ray Davies mit voller Power los. Wie schon seinerzeit auf der „Something Else“ werden hier verschiedenste Musikstile integriert. Das klingt gleichzeitig altbekannt, dabei aber keinesfalls altmodisch oder ewig-gestrig.