R-1575669-1229588763.jpeg.jpg

Van Morrison, A Period of Transition, 1977

Produzent/ John Mac Rebennack (Dr. John)

Label/ Warner Bros. Records

Drei Jahre nach „Veedon Fleece“ ging Van Morrison mit Dr. John und einigen Rhythm’n’Blues-Musikern ins Studio und es entstand „Period Of Transition“. Dieses Album präsentiert Morrison von seiner funkigsten und souligsten Seite. Kein Wunder – wurde diese Scheibe doch von New Orleans Sound Spezialist Dr. John produziert, der Van’s Sound hier um Bläser und funkige Bässe anreicherte. Nun darf man hier aber trotzdem kein schwitzendes, treibendes Funk Album erwarten oder Rhythm’n’Blues im Stil von Them, denn dazu war „Van The Man“ in seiner musikalischen Entwicklung einfach schon zu weit fortgeschritten, aber wie der Titel verrät, war es eine Platte der Neuorientierung, die dort aufhört, wo er später bei „Into The Music“ weitermacht.

„A Period of Transition“ ist eine sonnige Platte, aber es ist nicht alles perfekt. Dr. John’s Arrangements reiben sich ab und zu an Morrison’s Stimme und die Kompositionen muten oft wie Melodie-Jams an, bei denen man den Eindruck hat, sie wären noch nicht ganz fertig geschrieben. Trotzdem, oder gerade deswegen, halte ich dieses Album für eines der Besten, die Van Morrison aufgenommen hat, weil er musikalisch nie wieder inspirierter und gelöster wirkt als hier. Sophistcated funky irish soul music – Im täglichen Leben gut zu gebrauchen, ohne Schwachsinn und und Peinlichkeiten. Man höre sich nur mal die beiden hochwertigen Songs „Heavy Connection“ und „Cold Wind August“ an.

R-1772053-1462550484-8258.jpeg.jpg

Van Morrison and The Chieftains, Irish Heartbeat, 1988

Produzent/ Van Morrison, Paddy Moloney

Label/ Mercury

Die 80er Jahre waren für Van Morrison nicht unbedingt die besten seiner Karriere. Einige Alben klangen mehr nach New Age als nach dem Van Morrison der 60er und 70er Jahre, der mit seinen Songs immer wieder die Grenzen zwischen Soul, Jazz, Folk und anderen Stilen übersprungen hatte. Mit den Chieftains, den grossen alten Wissenschaftlern irischer Folklore, war dem „Belfast-Cowboy“ hier endlich wieder eine Heimkehr vergönnt. Die Chieftains haben strenge musikalische Fomen anzubieten, deren Autorität dem stimmlichen Solipsismus Morrisons etwas entgegensetzt, ihn daran hindert, schlechtgelaunt und perfektionistisch über sich zu sinnen (und wenn der Moment kommt, wo es angebracht ist, mit der Stimme zu improvisieren, legt er hier nach langer Zeit endlich wieder mal los, wird wildes Vieh, nicht Sänger mit Markenzeichen).

Auf dem Programm stehen grösstenteils melancholische Balladen über das Abschiednehmen, wie etwa „Carickfergus“ über einen heimwehkranken Menschen kurz vor dem Tod oder „Tá Mo Chleamhnas Déanta“ über einen Mann, der die wahre Liebe sucht, nur um dann festzustellen, dass die zu ihm passende Frau schon über den Ozean ausgewandert ist.

In diesem Kontext entfalten dann auch ein paar von Van Morrisons eigenen Songs eine ganz neue und unerwartete Schönheit. Der Titelsong etwa war schon 1983 auf „Inarticulate Speech of the Heart“ erschienen. Dort allerdings ging das Lied ziemlich unter. Hier mit ganz anderem musikalischen Kleid stellt man fest: Musikalisch ist Van Morrison niemals wirklich aus Irland weggegangen, egal welche Musik er auch spielte. Das Lied bekommt hier endlich den Raum, um sich völlig neu und ohne Ballast zu entfalten. Ein wunderbarer Moment! Und Morrison ist plötzlich wieder der grosse arme kleine Mann, der im Wind steht, der über grosse und kleine Inseln fegt, Nebel vor sich hertreibend.

tumblr_nltrxtaKLv1qbvpfyo1_1280.jpg

Them, The Angry Young Them, 1965

Produzent/ Bert Berns, Dick Rowe

Label/ Decca

Heutzutags verbindet man mit Garage Rock alles was mit verzerrten Gitarren und fast unverständlichem Gesang daherkommt. Die Wurzeln vom Garage Rock siedeln sich jedoch im Rock’n’Roll an und tönen tun’ die noch anders als der heutige „Garage Rock”.

Eine wichtige Band für dieses Genre waren Them, ein Quintett aus Nordirland. Ihr Debut “The Angry Young Them” ist im Jahr 1965 erschienen. Der erfolgreiche Van Morrison war, bevor er mit seiner Solokarriere durchstartete, damals Sänger bei Them. Der grosse Durchbruch gelang der Band Them jedoch nie. Darum bleiben viele ihrer Songs vergessene Klassiker.

Die Platte „The Angry Young Them“ beherbergt neben einzelnen Covers ganze sechs vom Morrison geschriebene Songs. Der eigentliche Hit des Albums ist „Gloria“. Es gibt wohl wenige Titel, die öfter gecovert wurden, egal ob von Grössen wie Patti Smith, The Doors, Jimi Hendrix, Bruce Springsteen, Iggy Pop oder von zahllosen Schüler- und Hobbybands. Der Song war auch die erste Singleveröffentlichung von Them in den USA, wo die Band als Teil der „British Invasion“ vermarktet wurde. Im Rahmen ihrer US-Tour traten Them zwei Wochen – mit den Doors im Vorprogramm – in L.A. im legendären Rockclub Whisky a Go Go auf, wo Jim Morrison und Van Morrison gemeinsam „Gloria“ im Duett sangen.