J. J. Cale, Troubadour, 1976

Produzent/ Audie Ashworth

Label/ Shelter Records

J. J. Cale’s Musik ist immer in erster Linie Sound gewesen. Wesentliche Charakteristika: ein unverkennbar dichtes Gewebe aus enorm relaxten, jedoch äusserst dichtem Rhythmus und undeutlich geflüstertem und textzerkauendem Gesang. Was Cale in seinen Texten erzählt ist zweitrangig – interessant bleibt das Wie: ultracool gebrachte Songs mit eindringlichen, auf zwei oder drei Akkordfolgen basierenden Melodien und dazu diesen typischen insistierenden Drive.

Auch auf seinem vierten Album „Troubadour“ bewegt sich Cale keinen Fussbreit aus seinem Metier heraus. Es geht los mit „Hey Baby“: sanft wiegend, im Background ein verhaltener, rhythmusbetonter Bläsersatz. In „Travelin’ Light“ wird das Tempo angezogen, in dem ein Vibraphon neben Rhythmus- und Leadgitarre die Akzente setzt, und verlangsamt sich wieder in einem pulsierenden Wiege-Beat auf „You Got Something“. Lässig wird das Intro zu „Ride Me High“ so lange aus Bass, Schlagzeug und Rhythmusgitarre aufgebaut, bis es auch den letzten Zauderer in den Füssen zuckt. „Hold On“ ist eine jazzige Night-Blues-Nummer, und dann startet ein kreischendes E-Gitarren-Riff den bekanntesten Disco-Rocker, den man von J. J. Cale gehört hat: „Cocaine“. Mit fast ebensoviel Power geht es mit „I’m A Gypsy Man“ weiter. Auch die restlichen Songs der Platte haben viel Rock, Swing und Blues. Niemand spielte so wie J. J. Cale, und ich finde seine Musik keine Sekunde langweilig.

28 Gedanken zu “

    1. „Troubadour“ ist ein sehr schönes Album. Die Musik von J. J. Cale hört sich ja vordergründig etwas simpel an, zeigt aber beim wiederholten hören immer mehr Feinheiten. Mit bestem Gruss nach Oberbayern.

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  1. Die Musik auf dieser Scheibe regt einem schon dadurch an und auf, gerade weil sie so unaufgeregt ausgeruht daherkommt. Man kann dazu ebenso gut an einem heißen Sommernachmittag abhängen wie man spontan aufspringen und lässig dazu tanzen kann. Klasse.!.

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    1. Die Songs von J. J. Cale leben von der Spannung zwischen dem tendenziell Absurden und der Alltäglichkeit. Dadurch entsteht ein leise Ironie. Von wegen laid back, sagte er einmal, er sei eigentlich der nervöse Typ. Nur seine Musik sei laid back, „because that’s the way I like it“.

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      1. Früher hatte ich „keinen Nerv“ für laid back. Da musste „was abgehen“. Das ist lange her. Inzwischen geht fast alles. Vielleicht bin ich auf dem Weg zur Altersweisheit 🙂 🙂

        ….

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      2. Mit zunehmendem Alter steigt die Chance, dass man nichts mehr beweisen will und sich mit seinem Leben versöhnt. Ich hätte Mühe, mich bespielsweise heute als zorniger Weltverbesserer darzustellen. Werte wie Bescheidenheit, Liebe und Verbundenheit sind wichtiger geworden. In diesem Zusammenhang habe ich einiges von J. J. Cale und seiner musikalischen Zurückhaltung gelernt.

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      3. Das sehe ich auch so. Andererseits bemerke ich mehr älter werdende Menschen, die das genaue Gegenteil anzustreben scheinen. Ewige Jugend, Verbittertsein über vermeintlich entgangene Möglichkeiten etc.

        Auch „laid back“ will offensichtlich gelernt sein.

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    1. He had his own style, and he wrote great songs. Some of them are on „Troubadour“. Some people say if you have one J. J. Cale album, you have them all. Misconception: There are no bad records from J.J., they’re all little masterpieces of laid-back art.

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      1. Agreed. He has such a subtle approach that it would easy to get into that „all the same“ opinion. He has lots of great musical ideas. Hanging a label on him is an easy way to say you now his music. He has a style. J J Cale „ultra cool songs“ style.

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      2. I too can only agree with you, CB! Cale’s contribution to American music was anything but sparse. With his Tulsa sound, he is one of the most influential songwriters and guitarists of the past century. I think you know how many musicians benefited from his songs? And that was precisely his goal. J. J. always wanted to stay in the background. In an interview he once said: “There are entertainers and there are musicians, and I never was an entertainer.”

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      3. Yep, J. J. Cale lived in a trailer for years, where he hid his money because he didn’t had a bank account. This was typical. He was a under-the-radar giant. Most undervalued is perhaps his singing. This delicate, intimate voice, the ingenious concept of placing it in the way that she doesn’t towers above the music, gives you the impression that he is whispering directly into your ear – nobody can imitate this vocal aesthetic.

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      4. Something to be said about stripping your life down like that. I have been striving for that for years. I still want some comforts but not the excesses. Not one thing I dont like about his music. His vocals are some of my favorites. My ear grinds when certain singers to the screech/yell to be heard all the time. Trying the to hard thing. Take a lesson from Cale and tone it down.

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    1. „Cocaine“ ist ein Klassiker. Es gibt, Leute, die hören bei den Versionen von Cale und Clapton keinen Unterschied. Ich schon. Das Original von J. J. Cale klingt düsterer und cooler. Die Clapton-Version ist die Tag-, die Cale-Version die Nacht-Version. Ich bevorzuge die Nacht-Version.

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    1. The album has everything J.J. Cale matters. No frills and loud tones just Cale and his guitar. In the last songs is the music so laid back that you may fear J. J. is lying flat on his back with his rocking chair.

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    1. Sehr schönes Album, nicht ein schlechter Song. Ich habe vorhin etwas über den Gedenktag zur Gründung der Nation gelesen. Vor 2679 Jahren wurde Japan gegründet. Ist auch schon lange her.

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