Townes Van Zandt, In The Beginning, 2003

Produzent/ Jack Clement

Label/ Fat Possum Records

Townes Van Zandt kam nie auch nur in die Nähe des Startums, oder, um etwas genauer zu sein, die Verkaufszahlen seiner Platten waren (zumindest) zu seinen Lebzeiten himmelschreiend mies. Aber das steht nun gar nicht im Widerspruch zu der Tatsache, dass nicht wenige den texanischen Musiker für die eigentliche Herzkammer des Liedermachens halten. Und so hatten andere mit seinen Stücken, wie z.B. Emmylou Harris und Don Williams mit If I Needed You“ oder Willie Nelson und Merle Haggard mit „Pancho & Lefty“, grossen Erfolg. Ohne Zweifel war Van Zandt aber auch ein trauriger Mensch, der sich selbst im Weg stand, einer, der leidend und suchtgeplagt war. Depressionen, Alkohol und Drogen besiegten ihn, so dass er 1997 im Alter von 52 Jahren starb. Wer sich für die oft tragische Geschichte von Townes Van Zandt interessiert, sei der Dokumentarfilm Be Here To Love Me“von Margaret Brown empfohlen, in dem sein Leben informativ und kurzweilig dargestellt wird.

Die Songs von „In The Beginning“ stammen aus dem Jahr 1966, fast zwei Jahre vor der Veröffentlichung des ersten regulären Albums. Es sind simple, im Ohr hängen bleibende Melodien, meist sparsam arrangiert und die oft traurigen Texte sind punktgenau und poetisch; es sind Notsignale aus einem miesen amerikanischen Alltag, die den Staub der Strasse, die Gerüche von Hinterhöfen und den Dunst billiger Kneipen aufgesogen haben. Bei acht der zehn Songs ist Van Zandt solo mit seiner Gitarre zu hören. Der Blues eines Lightinin Hopkins ist genauso präsent wie Folk und Country. Zwei Songs „Hunger Blues“ und „Black Widow’s Blues“ sind mit Band-Back-up. Auch wenn Townes Van Zandt nie ein glücklicher Mensch war, scheint auf wunderbare Weise aber in seiner Musik etwas zu sein, was ihm selbst fehlte: ein Unterschlupf.

35 Gedanken zu “

  1. Also der Knirps mit der Knarre: Mehr falsch machen, als er kann man ja nich‘! hat der denn nie’nen Western gesehen?

    Townes van Zandt hatte halt das Problem, dass seiner Stimme das gewisse Etwas gefehlt hat: Top Poet, aber er hört sich an, wie tausend andere.

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    1. Er war der traurige Country-Singer-Songwriter und ein grosser Poet. Aber seine Art zu Leben war auch Teil seines Images; ähnlich wie bei Jack Kerouac oder Charles Bukowski, hätte man sich Townes Van Zandt als Hitparade-Sänger nicht vorstellen können.

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  2. Ich habe mir das von Dir im Beitrag verlinkte Video zu „Pancho & Lefty“ angesehen, was für mich eine Premiere war… und Townes Van Zandt himself kommt auch im Video vor!

    Für eine kurze Zeit hatte ich mich näher mit seinem Schaffen beschäftigt, weil ich über Calvin Russell, der ja auch ein paar Lieder von TvZ gecovert hat, zu ihm gestossen bin. Aber er konnte mich leider nicht so fesseln.

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    1. Townes Van Zandt war ein Texas-Troubador. Er hat ein paar wunderschöne Lieder geschrieben. Sein Thema war die Hoffnungslosigkeit. Atmosphärisch gibt es da bestimmt einen Zusammenhang mit „Nebraska“ von Bruce Springsteen oder der Musik Steve Earle und Calvin Russell.

      Mir gefällt nicht alles von Townes Van Zandt, aber „Flyin Shoes“ und das Live-Album „Old Quarter“ finde ich richtig gut. Hier noch „Pancho And Lefty“ von dem Mann alleine mit seiner Gitarre: https://www.youtube.com/watch?v=zprRZ2wFQD4

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      1. Yup, sie waren allesamt Singer-Songwriter und Freunde, die sich musikalisch und menschlich beeinflussten: Townes Van Zandt, Guy Clark und Steve Earle. Von den dreien ist nur noch Steve Earle am Leben.

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      2. „Texas Troubadour“ hieß zufälligerweise die 4-CD-Compilation, die ich einmal besessen hatte.

        Kennst Du die Weaner Version? Natürlich die von Ernst Molden! https://youtu.be/sHAH5FD_aBk

        Und: Wurden auch Parallelen zu Woody Guthrie oder Hank Williams gestrickt? Ist letzterer nicht zufälligerweise am gleichen Tag, aber unterschiedliches Jahr, gestorben? (1. Jänner)

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    2. Sorry Sori! Dein Komentar ist hier im Spam gelandet. Ja, Van Zandt ist genau 44 Jahre nach Hank Williams gestorben. Wenn Du dich noch mehr für ihn interessierst, kann ich Dir die Doku von Margaret Brown empfehlen, sie zeigt viele Facetten des Townes Van Zandt. Danke auch für den Videolink. In Österreich gibt es wohl noch einige Musiker, die sich den Southern-Country widmen.

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      1. Kein Problem, ich habe auch an diesem Tag recht viel bei Dir kommentiert, also ist es nur verständlich, dass Dein WordPress-Konto mich „blockiert“ 😉

        In Wien wurden sogar regelmäßig Tributekonzerte an Hank und Townes veranstaltet, ich habe leider keines davon besucht.

        Gibt es einen YouTube-Link zu dieser Doku?

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  3. Townes Van Zandt ist mir offengestanden primaer vom Namen ein Begriff. Mit seiner eigentlichen Musik habe ich mich bis dato noch nicht auseinandergesetzt. Basierend auf dem Anspielen von ein paar Stuecken auf diesem vielversprechend klingendem Album bin ich allerdings neugierg dies nachzuholen.

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    1. Townes Van Zandt war vorallem ein grossartiger Songwriter. Seine Texte transportieren Bilder und Traumvisionen in einer Stimmung, die durchaus den Vergleich mit Dylan aushalten. Von Townes Van Zandt gibt es ein paar wunderschöne Aufnahmen. Mir gefallen vorallem die frühen Sachen: „For The Sake Of The Song“ (1968), „Flyin’ Shoes“ (1978) und das Live Album „Old Quarter“(1973). Interessant ist auch die Doku „Be Here To Love Me“.

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    1. Very good songwriter. Margaret Brown’s movie has my recommendation. At the end of it, Townes Van Zandt keeps putting stupid hats on his head. It’s the saddest scene I’ve ever seen. Or maybe not, because he seems somehow happy, but somehow no longer of this world.

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    1. „Now I’m out of prison, I got me a friend at last
      He don’t steal or cheat or drink or lie
      His name’s codeine, he’s the nicest thing I’ve seen
      Together we’re gonna wait around and die“

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    1. Townes Van Zandt hat ein paar hat ein paar wunderschönen Songs gemacht, die einfach über allem stehen. Verschweigen soll man aber nicht, dass sein Hang zu Alkohol und Drogen ihn in eine Welt geführt haben, in der es sehr dunkel und trostlos ist.

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    1. Thanks CB! Townes Van Zandt wrote some great songs and made some good albums. And at the end of his life he was discovered by „Alternative Rock“, but by then the man was already drinking two bottles of whiskey a day and babbling incomprehensible on stage in the evening. Very well done is Margaret Brown’s documentary film with many Townes songs and archive recordings.

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      1. Yup, „Tecumesh Valley“ is a nice ballad about someone else’s life with respect, restraint and empathy. Margaret Brown’s documentary is wonderful. In connection with the pictures, the music is even more impressive. One can feel sorry for the children.

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  4. Nachdem es mit der Datei, die Du mir netterweise geschickt hast, leider nicht funktioniert hat, lief gestern auf arte „Be Here To Love Me“.
    Wenn ich an Freitagen im Büro gewesen bin und am Abend nicht auf ein Konzert gehe, drehe ich gegen 20 Uhr meinen Fernseher auf und entscheide mich für viele Stunden arte. Ich habe bisher gute Filme und Musikdokus gesehen.

    Die von Townes hat mich erschüttert. Der Mann war seit seiner fragwürdigen Therapie kaputt. Aber die Selbstironie hat er sich bewahrt.
    Und wenn ich es nicht gewusst hätte, dass sein Erstgeborener ihm wie aus dem Gesicht geschnitten aussieht, hätte ich geglaubt, der „Texas Troubadour“ wäre auferstanden.

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    1. Ja, in Margaret Browns Porträt „Be Here To Love Me“ wird nichts schön gemalt. Doch neben aller Tragik blitzt hier auch der trockene Humor von Townes Van Zandt auf, der ihn auf Konzerten zum gefürchteten Geschichten- und Witzeerzähler werden liess. Sein bestes Album ist für mich immer noch „Flyin’ Shoes“.

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