scott_walkerscott.jpg

Scott Walker, Montague Terrace (in Blue), 1967

Text/Musik/ Scott Engel

Produzent/ John Franz

Label/ Philips

Scott Walker hatte eine Handvoll eigene Songs mit den Walker Brothers aufgenommen, aber ein Blick auf die Titelliste ihres dritten Albums, „Images“, erklärt, warum Walker den Stecker zog. Unter den Highlights finden wie „Orpheus“, eine Ballade, die Walker selbst geschrieben hatte (unter seinem tatsächlichen Namen Scott Engel) und einen Vorgeschmack auf seinen späteren Klassiker „Plastic Palace People“ bot. Doch dieses Juwel wird flankiert von einem einschläfernden Cover von Fats Dominos „Blueberry Hill“ und einer blassen Interpretation von Ben E. Kings „Stand by Me“.

Walkler, regelrecht besessen von dem belgischen Balladensänger Jacques Brel, hatte keine Zeit für solche Kompromisse. Er verliess seine Bandkollegen und begann eine Solokarriere, nahm aber den Produzenten der Walker Brothers, John Franz, mit. „Scott“, das erste Stück seines Solo-Debuts war ein ausgelassenes Cover von Brels „Mathilde.“ Danach kam dieses eindringliche, bildgewaltige Erzählstück aus Walkers charismatischer Stimme und mächtiger Orchesterbegleitung.

 

the-walker-brothers-the-sun-aint-gonna-shine-anymore-starclub.jpg

The Walker Brothers, The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore, 1966

Text/Musik/ Bob Crewe, Bob Gaudio

Produzent/ Johnny Franz

Label/ Philips

Während bei der „British Invasion“ britische Bands nach Beatles-Vorbild in den USA abräumten, gab es auch Gegenverkehr zu verzeichnen. Ein durchwegs amerikanisches Trio erfand sich in Grossbritannien als nachdenkliche Boy Band neu und wurde zum grössten Pop-Hit des Jahres 1966. Sie waren weder Brüder noch hiessen sie Walker, aber sie sahen aus wie Geschwister, verdammt gutaussehende obendrein. Noel Scott Engel ( alias Scott Walker) war der Mädchenschwarm, Gary Leeds und John Maus assistierten.

Mit Mariachi-Gitarren und Trompeten beginnt die Mid-Tempo-Nummer, bis sich eine „Wall of Sound“ nach Spector’schem Vorbild erhebt, bei der Drum und Bass aus einem tiefen Abgrund aufzusteigen scheinen und den Hörer mit dem ersten Wort umfangen „Loneliness“. Die Schwermut in Scotts klarer wohlklingender Stimme spricht die Romantik-Sehnsucht der Teenies an. Beim epischen Refrain geben die Jungs alles zu dem dramatischen, cineastischen Orchesterarrangement.

Der Song, den Frankie Valli & The Four Seasons 1965 zum erstenmal aufgenommen hatten, brachte die Walker Brothers 1966 an die Spitze der europäischen Charts ( in den USA Platz 13). nach der Trennung im Jahr darauf gelang nur Scott Walker eine Solokarriere, der als „Orson Wells der Plattenindustrie“ bekannt wurde.