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Brian Eno & John Cale, Wrong Way Up, 1990

Produzenten/ Brian Eno, John Cale

Label/ Opal/ Warner Bros.

Nachdem John Cale 1989 sein morbides Orchesterwerk „Songs For The Dying“ veröffentlicht hatte, verfasste er mit seinem früheren Velvet-Underground-Partner Lou Reed „Songs For Drella“ (1990), einen musikalischen Nachruf auf Andy Warhol. Nach der Trauerarbeit ging er mit Brian Eno ins Studio. Das Ergebnis war „Wrong Way Up“. Ein Popalbum, auf dem sich die beiden paritätisch das Mikrofon teilen: Jeder singt fünf Stücke. Wobei Eno, der mit „Lay My Love“ und „One Word“ eröffnet, die fröhlicheren beisteuert: Flirrende Gitarren begleiten leichtfüssige Rhythmen, die von Samples perforiert werden und so einen originären Groove erzeugen, über dem Enos heller Gesang ertönt.

Ein Blick ins Booklet veranschaulicht die Arbeitsweise: Hier wurde liebevoll und atmosphärisch konstruiert. Begriffe wie „Rhythm Bed“, „Dark Guitar“ oder „Pulse Organ“ tauchen darin auf und verdeutlichen den Versuch, eine technoid-organische Mitte zu finden, eine neue Klangästhetik zu entwickeln. Eine Parallelität zu „My Life In The Bush Of Ghosts“ aus 1981, als Eno mit David Byrne von den Talking Heads einen urbanen Funk mit Vokal-Samples von Radiopredigern, Exorzisten oder einer libanesischen Bergsängerin anreicherte.

John Cale steuert auf „Wrong Way Up“ als Einstand das zurückhaltende „In The Backroom“ bei und zieht erst bei „Footsteps“ erstmals das Tempo an. Mit dem euphorischen „Been There Done That“ erreicht er schliesslich lichte Höhen und legt mit „Crime In The Desert“ sogar einen lebensfrohen Boogie nach. Eno gelingt mit „Spinning Away“, einer ätherisch-sehnsuchtsvollen Clubnummer, sogar ein kleiner Hit. Neben der hörbar befruchtenden Kooperation der beiden, die sich auf Cales 1974er-Album „Fear“ erstmals manifestierte, überzeugt hier neben den Einzelleistungen die einfühlsame Chronologie, die im Gesamtbild ein Meisterwerk ergibt.

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Lou Reed & John Cale, Songs For Drella, 1990

Produzent/ John Cale, Lou Reed

Label/ Sire Records

Den Anfang bildete der letzte Song auf dem Vorgänger-Album „New York“: „Dime Store Mistery“, jenes verträumte, fast avantgardistisch klingende Requiem auf Andy Warhol (mit der für einen Popsong doch recht ungewöhnlichen, hier jedoch zentralen Textzeile: „Descartes to Hegel – Belief is never sure“), brachte Reed und den nach langer Unterbrechung wieder einmal arbeitenden ewigen Kontrahenten John Cale dazu, das Ganze auf Albumlänge auszuweiten. Es wurden letzlich Lieder für Drella, die den ehemaligen Mentor in einem musikalisch minimalistischen Rahmen nicht nur feiern, sondern sein Leben – und vorallem seine Beziehung zu Reed und Cale – nacherzählen sollten.

Die Arbeitsteilung ist leicht zu entschlüsseln: Cale gehören die zärtlichen, träumerischen Momente, aber auch die avantgardistischen, wie vorallem im manischen „Images“ nachzuhören. Reed wiederum konzentriert sich auf das den Vorgänger „New York“ bereits dominierenden Storytelling und erzählt zu simplen, aber effektiven Gitarrenakkorden prägende Episoden aus Warhols Leben: Lieder über dessen Herkunft („Smalltown“), seinen steten Konflikt mit dem in seinen Augen „faulen“ Reed in den 60er-Jahren („Work“) oder das Attentat durch die Radikalfeministin Valerie Solanas („I Believe“).

Die beiden Individualisten kommen dann in den finalen Arrangements der Stücke zusammen, und tatsächlich ergänzt sich Reeds staubtrockene elektrische Gitarre perfekt mit Cales mal zärtlicher, mal manischer Bratsche. Die grossen Momente gehören zwar Cale – und doch ist es ein Album, das nur als Kollaboration dieser beiden Sturköpfe denkbar ist. Ein Kraftakt scheint es für beide gewesen zu sein, aber das, da waren sie sich einig, seien sie ihrem Freund und Mentor einfach schuldig gewesen.