John Cale, Honi Soit, 1981

Produzent/ Mike Thorne

Label/ A&M Records

„Honi Soit“ ist das Folgealbum des sechs Jahre zuvor erschienenen „Helen Of Troy“. John Cale bedient sich der musikalischen Idome, die für ihn damals leicht aus dem Ärmel zu schütteln waren. Die Anwesenheit von Produzent Mike Thorne wirkt sich kaum aus.

Alle Songs sind massgeschneidert auf Cales Charakterstimme mit ihrer unverwechselbaren Mischung aus Leidenschaft, Dämonie und einer beruhigenden Güte. Seine Stilmittel bei Arrangieren unterscheiden sich nur sehr wenig von „Helen Of Troy“ oder „Fear“ und „Slow Dazzle“. „Dead Or Alive“, das Eröffnungsstück der LP, beginnt zum Beispiel mit einem Barock-Trompeten-Intro (unwiderstehlich schön) wie wir es aus „My Maria“ kennen. „Wilson Joliet“ erinnert gleich an mehrere Songs von „Fear“. Und die bösartig-grausame Version von des alten Cowboy-Liedes „Streets of Laredo“ ist die Fortsetzung von John Cales „Heartbreak Hotel“.

Der Titelsong „Honi Soit Qui Mal Y Pense“ („Es schäme sich wer schlecht davon denkt“) ist das einzige eindeutig moderne Stück, eine kraftstrotzende Nouveau Disco-Nummer und ein weiteres Kapitel zu Cales Francophilie. „Russian Roulette“ setzt ebenso wie „Fighter Pilot“ Cales Reflexionen über Kriege und Söldner fort ( „Mercenaries“) , während allerdings das Gros der Texte wieder von einer solchen Dichte und Qualität ist, dass vordergründige Interpretationen fehl am Platz wären. Bleibt das Zitieren: „It comes like a mail or telegrams/ it comes expectant as a widow in the heat/ And that contentment of depression that delivers most of the time/ but cannot help the styling of the horns in the shape of gargoyle…“

Über John Cales Stellung in der Musikwelt, über seine Einmaligkeit und Uneinnehmbarkeit spricht allerdings deutlicher ein anderes Selbstzeugnis, eine Zeile aus dem Song „Half Past France“: „Most people here are still asleep/ I’m awake“ und „People always borded me anyway“.

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John Cale, Slow Dazzle, 1975

Produzent/ John Cale

Label/ Island Records

Abgesehen von einem nicht zu leugnenden, leicht bedrohlichen Unterton war „Slow Dazzle“, der leider viel zu wenig gewürdigte Nachfolger von „Fear“, eine tendenziell etwas glattere und weniger dunkle Platte. Der Höhepunkt des Albums ist und bleibt das lebhafte „Mr. Wilson“ mit seinen beeindruckenden Akkordwechseln und dem wunderbar bösen Mittelteil, mit dem Cale Brian Wilson von den Beach Boys, einem Künstler, der ihn selbst stark beeinflusst hat, Anerkennung zollt.

Auch die Cover Version von Elvis Presley’s „Heartbreak Hotel“ ist Cale at his best; wie er hier den Song demontiert und in einer völlig anderen Atmosphäre erschreckend und düster wieder zusammensetzt, das ist wirklich grosse Kunst (auch ist es das Stück in dem sich Cale’s Mitmusiker Brian Eno und Phil Manzanera – die ja damals bei Roxy Music für schrägen und innovativen Rock’n’Roll sorgten – am besten einbringen). Ansonsten erwartet man halt bei Songtiteln wie „Dirty Ass Rock’n’Roll“ etwas mehr Kanten, als speziell dieser Song hat. Auch „Darling I Need You“, „Rollaroll“ oder „Ski Patrol“ sind musikalisch eher durchschnittlich inspirierte Kompositionen, die nett dahinfliessen, aber letztlich weder mitreissen noch aufregen.

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Brian Eno & John Cale, Wrong Way Up, 1990

Produzenten/ Brian Eno, John Cale

Label/ Opal/ Warner Bros.

Nachdem John Cale 1989 sein morbides Orchesterwerk „Songs For The Dying“ veröffentlicht hatte, verfasste er mit seinem früheren Velvet-Underground-Partner Lou Reed „Songs For Drella“ (1990), einen musikalischen Nachruf auf Andy Warhol. Nach der Trauerarbeit ging er mit Brian Eno ins Studio. Das Ergebnis war „Wrong Way Up“. Ein Popalbum, auf dem sich die beiden paritätisch das Mikrofon teilen: Jeder singt fünf Stücke. Wobei Eno, der mit „Lay My Love“ und „One Word“ eröffnet, die fröhlicheren beisteuert: Flirrende Gitarren begleiten leichtfüssige Rhythmen, die von Samples perforiert werden und so einen originären Groove erzeugen, über dem Enos heller Gesang ertönt.

Ein Blick ins Booklet veranschaulicht die Arbeitsweise: Hier wurde liebevoll und atmosphärisch konstruiert. Begriffe wie „Rhythm Bed“, „Dark Guitar“ oder „Pulse Organ“ tauchen darin auf und verdeutlichen den Versuch, eine technoid-organische Mitte zu finden, eine neue Klangästhetik zu entwickeln. Eine Parallelität zu „My Life In The Bush Of Ghosts“ aus 1981, als Eno mit David Byrne von den Talking Heads einen urbanen Funk mit Vokal-Samples von Radiopredigern, Exorzisten oder einer libanesischen Bergsängerin anreicherte.

John Cale steuert auf „Wrong Way Up“ als Einstand das zurückhaltende „In The Backroom“ bei und zieht erst bei „Footsteps“ erstmals das Tempo an. Mit dem euphorischen „Been There Done That“ erreicht er schliesslich lichte Höhen und legt mit „Crime In The Desert“ sogar einen lebensfrohen Boogie nach. Eno gelingt mit „Spinning Away“, einer ätherisch-sehnsuchtsvollen Clubnummer, sogar ein kleiner Hit. Neben der hörbar befruchtenden Kooperation der beiden, die sich auf Cales 1974er-Album „Fear“ erstmals manifestierte, überzeugt hier neben den Einzelleistungen die einfühlsame Chronologie, die im Gesamtbild ein Meisterwerk ergibt.