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The Sensational Alex Harvey Band, Framed, 1972

Produzent/ The Alex Harvey Band

Label/ Vertigo

„Framed“ ist das Erstlingswerk von The Sensational Alex Harvey Band. Das Album startet mit dem Titelsong, einer Leiber-Stoller Komposition, bei der man als Begrüssung eine Gefängnistür zuknallen hört. Als walzender Blues-Rock angelegt, mit viel Druck, starkem Gesang und einer dramatischen, aber auch humorvollen Interpretation von Alex. Im folgenden „Hammer Song“ geht es etwas lockerer, flockiger, mit Akustikgitarren zu, während Alex seinen Blues klagt. „Midnight Moses“ ist ein kräftiger Rock-Song, der mit einem ear-catching und Aufmerksamkeit befehlenden „Hey Hey Hey“ startet, das einem so gar nicht mehr aus dem Kopf will. Danach wird es mit „Isobel Goudie“, welches drei verschiedene Parts beinhaltet, fast episch, aber nie langweilig.

Auf der zweiten Seite des Albums, frönt die Schnapsdrossel Harvey dann mit „Buff’s Bar Blues“ (mit spitzen Boogie Woogie Piano) und „Hole In Her Stocking“ („I got drunk last night, I got drunk the night before“) dann wieder seiner Leidenschaft für Rock’n’Roll und flüssigen Erfrischungen. Hier sollte man das Spitzen-Saxophon in „Hole In Her Stocking“ wohl nicht unerwähnt lassen. Unterbrochen werden die beiden Songs von dem Willie Dixon Klassiker „I Just Wanna Make Love To You“, welches als langsamer Blues angelegt wurde und vielleicht eine Spur zu lange geraten ist.

Mit dem witzigen Lied „There’s No Lights On The Christmas Tree, Mother“, in dem Alex davon berichtet, dass die heimatliche Weihnachtsbeleuchtung dieses Jahr leider ausfallen muss, da der gesamte Strom der Stadt dazu benötigt wird, den berüchtigten Gangster ‚Big Louie‘ auf dem elektrischen Stuhl zu ‚braten‘ („They’re gonna fryyyy him…“) und einem weiteren kräftigen Rocker, „St.Anthony“, wird das Album beendet.

Klasse Songs, klasse Produktion, eine grossartige Band, der breite Cockney Akzent und die herrlich versoffene Stimme Harvey’s schrauben das Album in ungeahnte Höhen. Wenn man heute von SAHB liest, wird zumeist das Folgealbum „Next“ (mit dem Klassiker „The Faith Healer“) als Meisterwerk genannt. Und auch wenn die Alben der Jahre 1974 bis 1976 sich wesentlich besser verkauften als das Debüt, so wird „Framed“ für immer mein persönliches Lieblingsalbum von SAHB bleiben. Jeder einzelne Song ist stark, die Begeisterung und Spielfreude trieft nahezu aus den Boxen und es gibt keinen einzigen Ausfall zu bemängeln.

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The Sensational Alex Harvey Band, Next, 1973

Produzent/ Phil Wainman

Label/ Vertigo

Zwei Jahre nach Beginn der Zusammenarbeit der Glasgower Band Tear Gas mit dem sechzehn Jahre älteren Alex Harvey, brachte das zweite Album des Teams den ersten Karrierehöhepunkt. Eine UK-Tour mit Slade stärkte den Leistungswillen; 1973 spielten sie „Next“ und „Faith Healer“ im BBC-Fernsehen. Hard Rock im Mix mit Theater, kombiniert mit Harveys Gesang und seinem dämonischen Charisma, machten einen wahren Magneten aus der Band.

Mir Poesie über Freudenhäuser und Geschlechtskrankheiten schien Jacques Brels verderbte Titel-Geschichte massgeschneidert für Harvey zu sein. Dagegen machten sie „Faith Healer“ zur Sensation des Reading Festivals 1973, als Harveys Frage „Can I lay my hands on you?“ auf ekstatische Antwort bei den 30’ooo Festivalbesucher stiess. „Alle drehten komplett durch“, sagte der Gitarrist Zal Cleminson. Doch wie so viele grosse Augenblicke der Rockgeschichte war auch dieser Zufall. Bassist Chris Glen: „Der Song ist rein zufällig entstanden, denn damals musste die Kassette auf beiden Seiten gleich lang sein. Auf einer Seite fehlten zwei Minuten, deshalb bekam das Lied einen Vorspann.“