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Loudon Wainright III, The Picture, 1992

Text/Musik/ Loudon Wainright III

Produzent/ Loudon Wainright III

Label/ Charisma

Dank seiner Kinder Martha und Rufus sind die Zerwürfnisse in der Familie Wainright inzwischen gebührend ausgewalzt. In „The Picture“ einer leisen, nur zur akustischen Gitarre und Geige vorgetragener Folk-Ballade, blickt der hassgeliebte Patriarch mittels einer Fotografie, die ihn und seine Schwester im Jahr 1952 zeigt, auf seine eigene Kindheit: “ You were looking at my paper/ Watching what I drew/ It was natural: I was older/ Thirteen months more than you“. Und findet Worte für das Unaussprechliche, den einen unwiederbringlichen Moment: „And whoever took that picture captured our own world.“ Diese Wehmut ist umso ergreifender, weil sie von einem alten Spötter verkörpert wird.

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Loudon Wainwright III, The Swimming Song, 1973

Text/Musik/ Loudon Wainwright III

Produzent/ Bob Johnston

Label/ Columbia

Man könnte natürlich auch (fast) jeden anderen Song aus seinem fast 50 Jahre umspannenden Werk herausgreifen, weil Wainwright nun einmal der Grossmeister der beiläufigen Beobachtung und des unkommentierten Staunens ist – „Dead Skunk“ etwa, seine enthusiastische Beschreibung eines überfahrenen Stinktiers, oder „I Eat Out“, der zu zwei Minuten komprimierte Horror, allein in einem Restaurant essen zu müssen, das nur von Paaren und geselligen Gruppen frenquentiert wird. Als „tongue in cheeck“ würde der Amerikaner den Tenor all seiner Songs bezeichnen – und es ist wohl kein Zufall, dass es für diesen Terminus keine adäquate deutsche Übersetzung gibt. Ein begnadeter Musiker war Wainwright nie, dafür aber unschlagbar, wenn es darum ging, Momentaufnahmen in der alltäglichen Banalität in brillante Vignetten zu giessen.

„This summer I went swimming/ This summer I might have drowned/ But I held my breath and I kicked my feeth/ And I moved my arms around.“