Flamin-Groovies-Shake-Some-Action-LP.jpg

Flamin‘ Groovies, Shake Some Action, 1976

Produzent/ Dave Edmunds

Label/ Sire

Eines der besten 60ies Alben, das aber aus den 70ern stammt: Ganze fünf Jahre liegen zwischen dem epochalen, aber leider obskur gebliebenen „Teenage Head“ und der Rückkehr der Flamin‘ Groovies mit „Shake Some Action“. Sie hatten ihren Plattenvertrag bei Buddah verloren, Sänger Roy Loney hatte die Band verlassen und Cyril Jordan die uneingeschränkte Herrschaft übergeben, sie hatten eine (relativ erfolgreiche) Zeit in Europa gehabt und insbesondere in England eine Menge Fans mit ihren energetischen Live-Auftritten gewonnen.

Das Ergebnis dieser Zeit war ein deutlich vom britischen 60ies-Rock beeinflusster Sound – nicht mehr so zügellos wie auf den Vorgängern „Teenage Head“ und „Flamingo“, nicht mehr so sehr von Rockabilly und Blues beeinflusst, sondern vielmehr dem Fieber der „British Invasion“ und der Mod-Szene verpflichtet. Nicht von ungefähr war es nun auch Dave Edmunds, der sie produzierte. Und natürlich konnten sie noch immer Songs schreiben, die sich mit den besten ihrer Zeit messen konnten – die sie mit dem Titelsong „Shake Some Action“ auch überflügelten. Das war der Sound der Beatles und der Stones von 1966 – mit der erforderlichen Prise Punk. Natürlich gab es auch wieder einige wohlgesetzte Coverversionen – Chuck Berry’s „St. Louis Blues“ etwa – durch die britische Brille gesehen und zum eigenen Song gemacht, eigene brilliante Interpretationen der Musik aus den glorreichen Tagen des britischen Rock wie „Please Please Girl,“ „I Can’t Hide,“ and „Let the Boy Rock and Roll“.

Es ist Musik, die mit dem Rock der Prä-Hippie Ära in England genausoviel zu tun hat, wie mit den immer stärker werdenden Bands des aufkommenden Punk. Nicht umsonst gingen sie dann in UK mit den Ramones auf Tour. Die Tatsache, dass sie ein weiteres Mal nicht den verdienten Popularitätsschub bekamen ist so bedauerlich wie unverdient.

Front Cover copy.jpg

Flamin Groovies, Teenage Head, 1971

Produzent/ Richard Robinson

Label/ Kama Sutra

Die Flamin’ Grooves kamen Mitte der 60er Jahre aus der Musikszene von San Francisco, aber sie versuchten nie an der grossen psychedelischen Party teilzunehmen. Statt dessen konzentrierten sie sich auf einen puren Sound, der viel mit Rockabilly und frühen Beatles und Stones gemeinsam hatte.

Zwischen 1968 und 1976 war die fruchtbarste Zeit der Groovies, in der sie Unmengen denkwürdiger Songs schrieben. „Teenage Head“ war das letzte Album in der ursprünglichen Zusammensetzung der Band: die Spannungen zwischen Gitarrist Cyril Jordan und Sänger Roy Loney sind im harten, grimmigen Sound spürbar. Der Titelsong verklärt jugendliche Entfremdung, während bei „High Fly Baby“ die Fetzen fliegen. Geschickt werden verschiedene Bluesstücke aufbereitet – wie etwa Robert Johnson „32-20“. Mit dem düsteren Cover wird die dominierende Bilderwelt der Hippies abgelehnt – die Flamin Groovies präsentierten sich als Aussenseiter (und sicherlich sahen sie sich selbst als solche).

Die wenigen Besprechungen der LP waren durchwegs positiv, doch die Groovies waren am falschen Ort in einem Amerika, das besessen war von Gitarrensoli spielenden Rockbands; wenige Monate nach Veröffentlichung der Platte nahm Roy Loney enttäuscht den Hut. Cyril Jordan strukturierte die Band neu und ging mit ihnen nach England, wo sie beim aufblühenden Punk einen gewissen Einfluss ausübten, bevor sie sich 1979 auflösten.