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The Jam, Sound Affects, 1980

Produzent/ Vic Coppersmith-Heaven

Label/ Polydor

Der Angry Young Man ist eine zentrale Figur in der britischen Nachkriegsliteratur, von Jimmy Porter in John Osbornes Theaterstück „Blick zurück in Zorn“ (1956) bis zur Punkexplosion der späten Siebziger.

Wenige Bands haben dies mit mehr Einsicht erforscht als The Jam. Nach einer Reihe von immer erfolgreicheren Alben wurde ihr feuriger Songwriter/ Sänger/ Gitarrist Paul Weller zum zornigen Barden und verlieh den speziell britischen Frustrationen und Träumen eine Stimme.

Das letzte Release („Setting Sons“) gelangte in die Top 5; zwei ausgekoppelte Singles wurden Nr. 1 der UK-Charts, aber Amerika beachtete sie kaum, was die spezifisch britische Perspektive unterstrich. Als die Folge-LP erschien, gab es sanfte Kritiken aufgrund der Anleihen bei Meilensteinen des britischen Pop – wie die Basslinie von „Taxman“ (Beatles) für das hämmernde „Start!“. Doch die Kritiker hatten nicht verstanden, dass die Einverleibung bestimmter Elemente zum kreativen Prozess gehörte ( das Cover selbst ist die Nachahmung einer echten BBC-Sound-Effects-LP, die Weller im Studio entdeckte). In Wirklichkeit ist die Platte ein Werk von aussergewöhnlicher Originalität.

Zwar liegt hier formal kein Konzeptalbum vor, aber in ihrer Gesamtheit schaffen die Songs das Portrait verärgerter Sehnsucht, zentrale Klage des Angry Young Man. Vom leeren Konsumrausch bei „Pretty Green“ bis zum bitteren Schmerz von „Scrape Away“ betreten die Hörer eine Welt der gescheiterten Gelegenheiten. Kernpunkt ist hier „That’s Entertainment!“ – mit akustischer Gitarre und der Litanei tagtäglicher Verdriesslichkeiten fängt es die Bedeutung der Band in ihrer Essenz ein.