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Uncle Tupelo, No Depression, 1990

Produzent/ Sean Slade, Paul Q. Kolderie

Label/ Columbia Records

Das Debütalbum von Uncle Tupelo „No Depression“, hatte 1990 in unnachahmlicher Weise Post Punk und Alternative Rock mit Country und Folk verbunden. Der Titel des Albums war dem gleichnamigen Song der Carter Family aus den 1930er Jahren entlehnt, den die beiden Songwriter der Band, Jay Farrar und Jeff Tweedy, zu einem musikalischen Meilenstein der Grunge-Ära umdeuteten.

Die Themen von „No Depression“ waren vorallem klassische Motive, die das Dasein in einer amerikanischen Kleinstadt, den Traum von Weggehen und die Angst vorm Ankommen berührten. Der Erfolg des Albums verdeutlichte, dass selbst die Generation Punk dem Sentiment des Country erliegen konnte, wenn dieser authentisch klang und nicht als reaktionäre Nashville-Mogelpackung daherkam.

1994 war es dann mit Uncle Tupelo vorbei, das finale Album „Anodyne“ wurde in Austin, Texas aufgenommen und enthielt auch ein Duett mit Doug Sahm. Zwischen 1995 und 2008 erschien „No Depression“ als gedruckte Musikzeitschrift, heute erscheint sie weiter als social-media-intensive Website. Auch Farrar und Tweedy machten mit ihren eigenen Folgebands weiter Geschichte, insbesondere Tweedys Doppelalbum „Being There“ mit Wilco gilt als „White Album des frühen Americana.

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Uncle Tupelo, Anodyne, 1993

Produzent/ Brian Paulson

Label/ Sire

Das Debütalbum von Uncle Tupelo, „No Depression“ hatte 1990 in unnachahmlicher Weise Post Punk und Alternative Rock mit Country und Rock verbunden. Der Titel des Albums war dem gleichnamigen Song der Carter Family aus den 1930ern entlehnt, den die beiden Songwriter der Band Jay Farrar und Jeff Tweedy, zu einem musikalischen Meilenstein der Grunge-Ära umdeuteten.

1994 war es mit Uncle Tupelo vorbei. Bei ihrem vierten- und letzten Album „Anodyne“ packte die Band noch einmal alles hinein, was sie auf den ersten drei Alben entwickelt hatten. Folk-Songs wie „Anodyne“ und Rocker wie „The Long Cut“ wechseln sich ab, und es klingt auch wieder in gewisser Hinsicht neu. Die Songs wurden live aufgenommen und dafür benötigte man Max Johnston als Multi-Instrumentalisten und John Stirrat am Bass, die zusammen mit dem neuen Uncle-Tupelo-Drummer Ken Coomer die erste Wilco-Besetzung an der Seite von Jeff Tweedy werden sollten. Johnstons Geige verleiht dem Ganzen einen neuen Touch: „Slate“ und „Acuff-Rose“ die beiden Opener, werden von ihr geprägt und getragen. Musikalisch bedeutete das eine leichte Annäherung an den Stil eines Doug Sahm, dessen „Give Back The Key To My Heart“ das einzige Cover auf dem Original-Album war – mit Sahm als Duett-Partner und Gitarristen.

„Anodyne“ enthält grossartige Songs: Tweedys „New Madrid“ (über die Erdbeben-Hysterie an der gleichnamigen Spalte) oder ein „We’ve Been Had“ (über das verruchte Rock-Business), sowie Farrars „Chickamauga“ (über die Unmöglichkeit, die Wurzeln zu verleugnen) oder sein „High Water“, das den Bruch der Band vorauszusehen scheint. Allerdings: Dem Album als Ganzes fehlt die Einheit, was man verschmerzen kann. So ist „No Sense In Lovin'“ mit der tragenden Steel Gitarre des legendären Lloyd Maines nur insofern die Essenz des Albums, als dass er in seiner Traurigkeit wie ein Abschiedssong der Band wirkt, die ein halbes Jahr nach Veröffentlichung des Albums zerbrach.