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The Walkabouts, Satisfied Mind, 1993

Produzent/ Kevin Suggs & The Walkabouts

Label/ Sub Pop

Neben dem eigenen, nicht unerheblichen Beitrag zur Geschichte des Indie-Rocks, standen The Walkabouts aus Seattle immer für aussergewöhnliche und aussergewöhnlich gelungene Coverversionen verschiedenster Herkunft. Im Jahr 1993 entstand vor diesem Hintergrund mit „Satisfied Mind“ ihr erstes reines Cover-Album, mit dem die Band sich bewusst vom Grunge-Herd distanzieren wollte.

Im Rückblick ist „Satisfied Mind“ eines der zwei, drei Meisterwerke der Walkabouts. Neben klassischen Countrysongs der Carter Family oder von Charlie Rich interpretierten Eckman, Torgerson, Slater, Wells und Moeller auch Lieder von John Cale, Robert Foster (Go-Betweens), Patti Smith und Nick Cave. Herausgekommen ist ein Panoptikum amerikanischer Songkunst im klassischen Walkabouts-Gewand. Die stilistische Breite dabei ist bemerkenswert: unheilsschwanger und mythisch klingt Caves „Loom of the Land“, leidenschaftlich der manische Walzer „Lover’s Crime“, sentimental, warmherzig und anrührend „Poor Side of Town“ von Johnny Rivers. Und die beiden abschliessenden Graveyard-Balladen „Feel Like Going Home“ und „Will You Miss Me When I’m Gone“ sind einfach zum Heulen schön… eine grossartige Platte!

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The Walkabouts, New West Hotel, 1993

Produzent/ Ed Brooks, The Walkabouts

Label/ Sub Pop

Die Walkabouts sind eine der wenigen Bands, die noch aus früheren Zeiten übrig geblieben sind, als Seattle und Sub Pop noch gleichbedeutend mit der medialen Erfindung Grungerock waren. Dass es sie noch gibt, hat vielleicht auch damit zu tun, dass sie nie richtig etwas mit „Grunge“ zu tun hatten und stattdessen einen alternativen Folkrock gespielt haben, der mit den Jahren immer ruhiger und auch experimenteller wurde, vor allem auf den Soloplatten der beiden Walkabouts-Köpfe Chris Eckman und Carla Torgerson, deren Gesang immer das Aushängeschild der Band war.

Das Album „New West Hotel“ ist definitiv der Höhepunkt der ersten Walkabouts-Phase. Es legt gegenüber dem Vorgängeralbum „Scavenger“ noch ein paar Gänge dazu und liefert in elektrisierenden Riffs und einzigartigen Songs das definitive Statement der Band. Die E-Gitarren krachen und verdichten sich zu Soundwänden wie aus kochendem Metall, Terri Moellers Drums sind trockener als Wüstenstaub, Carla verführt, Chris röchelt, und die Geige bzw. Steel-Gitarre von Bruce Wirth (nur bei diesem Album Mitglied der Band) setzt interessante Kontrapunkte. Die Highlights „Jack Candy“ (laut und elektrisierend) und „Findlay’s Motel“ (leise, verstörend und so gut, dass es eigentlich nicht von dieser Welt sein kann) stehen in der „Scavenger“-Tradition, bewegen sich lyrisch aber in einer anderen Dimension und gehören textlich zum Besten, was je von Chris Eckman kam. Die Balladen „Murdering Stone“ und „Unholy Dreams“ sind zum Verzweifeln schön; „Break It Down Gently“ komt mit an Television oder die Patti Smith Group erinnernden Proto-Ambient-Bassläufen; und das Cover von Townes Van Zandts „Snake Mountain Blues“ lässt einem das Blut kochen. Das Monument schlechthin aber ist der Seattle-Song „Grand Theft Auto“: eine verstörende, verzweifelte, messerscharfe Hymne, die den Hörer benommen am Boden liegend zurücklässt. Unglaublich gut.