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The Cramps, Songs The Lord Taught Us, 1980

Produzent/ Alex Chilton

Label/ IRS

„Songs The Lord Taught Us“ zelebriert die kitschigen Elemente der Americana des 20. Jahrhunderts. Beim Debüt zerkauen die Cramps Rockabilly-Riffs, Punkrebellion und B-Film-Metaphern und spucken einen glorreich-urzeitlichen Klumpen Rocklärm aus.

Zur Aufnahme der schrägen Vision begab sich die Band ins Sam C. Philips Studio in Memphis, wo Elvis und Jerry Lee Lewis ihre frühen Songs eingespielt hatten. Die Lieder sind nostalgisch, doch unglaublich frisch. Bei „TV Set“ – der grotesken Story eines Irren, der seine Freundinnen schlachtet – wird der Surfbeat von Lux Interiors Wolfsgeheul und dem Punklärm von Poison Ivys Gitarre durchbohrt.

„I Was A Teenage Werwolf“ und „The Mad Daddy“ klingen wie Direktübertragungen aus Draculas Schloss, dank der aufeinandergeschichteten Echos des Produzenten Alex Chilton.

Eigentlich hätte „Songs The Lord Taught Us“ ein Riesenerfolg werden müssen. Die Kritiker waren begeistert, doch Probleme innerhalb der Band machten alle Erfolgschancen zunichte. Während einer US-Tournee 1980 entführte der Gitarrist Bryan Gregory den Van der Band mit der gesamten Ausrüstung, verkaufte die Geräte zur Finanzierung seiner Drogensucht und verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Vielleicht war die LP kommerziell ein Desaster, doch sie schlug riesige Wellen. Gruppen wie The Gun Club und The Birthday Party erkannten, dass sie Musik nur auf eigene, verbogene Weise neu erfinden mussten.

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The Cramps, Human Fly, 1978

Text/Musik/ Lux Interior, „Poison“ Ivy Rorschach

Produzent/ Alex Chilton

Label/ Vengeance

Die Cramps gelten als Stammväter des Psychobilly, einem Amalgan aus Punk und Rockabilly mit einer kräftigen Prise B-Movie-Trash, aber in Wahrheit verweist ihr Stil auf viele Genres. Sie bedienen sich beim Garagenrock der 60er Jahre, bei Link Wrays Powerchords oder dem Surfrock von The Trashmen ebenso wie bei Rockabilly.

„Human Fly“, ihre zweite Single, nahmen die Cramps unter der Regie von Ex-Box-Tops und Big-Star-Oberboss Alex Chilton in Memphis aus. Es war die erste Veröffentlichung, die sie selbst geschrieben hatten, obwohl von Eigenkompositionen – wie immer bei den Cramps – eigentlich nicht die Rede sein kann. Die Tonleiter am Anfang und das durchgängige Riff basieren auf dem herrlich obskuren  Saxophon-Instrumental „The Green Mosquito“ (1958), allerdings kaum wiederzuerkennen durch den gnadenlos verzerrten, übersteuerten Sound. Frontmann Lux Interior ( der seinen Künstlernamen einer Chevroletwerbung entnahm) verschluckt das Mikrophon beinahe, wenn er seinen skurrilen Text hineinknurrt und -jault. Seine Frau, Leadgitarristin „Poison“ Ivy Rorschach, hämmert das Horrorfilm-Riff über Nick Know‘ rudimentäre Drums, während Co-Gitarrist Bryan Gregory um sie herumschwirrt.

Der Songtitel spielt auf den Horrorfilm „Die Fliege“ (1958) an, aber auch auf den Modus operandi der Cramps, die sich, wie Fliegen am Müll, an den Überbleibseln der Popkultur schadlos halten.