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Beth Orton, Central Reservation, 1999

Produzent/ Victor Van Vugt, Ben Watt, Mark Stent

Label/ Heavenly Records

„Central Reservation“ markierte eine Art Reifeprozess, nachdem ihr Debüt-Album „Trailer Park“ von 1996, ein Mix aus Folk und subtilen Trip Hop-Beats war.

In dem ersten Stück „Stolen Cars“ spielt Ben Harper in einer hypnotisierenden Art und Weise Gitarre. Das bewegende „Pass In Time“ beginnt mit dem weichen Gesang Ortons und einer sanft gezupften Gitarre, und entwickelt sich zu einem kraftvollen Song, der von einem wiederkehrenden Thema in Ortons Texten handelt, dem Tod ihrer Mutter. Im Hintergrund ist der amerikanische Jazz- und Folkgitarrist Terry Callier zu hören. Seine Arpeggien tragen zu einem wundervollen, erhebenden Sound bei.

Die Akustik-Version des Titelstücks geht neben „Pass In Time“ und den hallenden Beats von „Stars All Seem To Weep“ fast vergessen. Hier wird Ortons leicht schwebende Stimme mit verwobenen, abstrakten Geräuschen von Ben Wyatt vermischt. Elektronik ist aber auf „Central Reservation“ eher die Ausnahme als die Norm. Im Vergleich zu „Trailer Park“ liegen die Stärken des Albums in der akustischen Atmosphäre und in Ortons fesselndem Gesang.

Beth Orton wird oft als melancholische Sängerin bezeichnet, aber die Fröhlichkeit von „Love Like Laughter“ dementiert diese Aussage. Beim letzten Song des Albums fügt dann Ben Watt erneut Beats und Keyboards hinzu, um eine Chart-freundliche Version von „Central Reservation“ zu kreieren.

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Beth Orton, Trailer Park, 1996

Produzent/ Victor Van Vugt, Andrew Weatherall

Label/ Deconstruction Records

Beth Orton ist eine Bereicherung und ein Glücksfall für jede/n Musikliebhaber/in, der/die auch mal mit stilleren Tönen auskommt. Dieses Debütalbum war 1997 eine kleine Sensation. Spröde und unscheinbar kommt es einem vor bei ersten Hörversuchen. Aber Beth Ortons wirklich einzigartige Stimme, die irgendwie seltsam poetischen Texte, die subtilen Arrangements (Elektronik-Beats und Samples ergänzen vorsichtig eingesetzte Streichinstrumente und Bass, Gitarre, Harmonium etc.) graben sich unmerklich ein – bis man langsam süchtig wird nach „Trailerpark“.

Beth Orton hat seitdem mit Professionals wie William Orbit, Terry Callier, Ben Harper und Ben Watt gearbeitet. Auch wenn ich ihre Nachfolgealben zum Teil noch grossartiger, und ausgereifter finde, hat Beth Orton auf „Trailer Park“ doch einige starke Tracks geschrieben, allen voran das einzigartige und unvergleichbare „Wish I Never Saw The Sunshine“. Ebenso stark ist „She Cries Your Name“ – der Song ist einfach hinreissend, toll gemacht. Folkiger wird es auf „Live As You Dream“ – nicht jedermann’s Geschmack! „Tangent“ und „Touch Me With Your Love“ überzeugen hingegegen durch eindringliche Texte und eher mystische Kompositionen! Nicht herausragend, wenn man „Wish I never Saw The Sunshine“ oder „She Cries Your Name“ als Massstab nimmt, aber Rohdiamanten auf jeden Fall.

Kurzer Auszug aus den Liner-Notes noch: „One more thing… gender is just an excuse, relationships shouldn’t just be an excuse, love is often an excuse, although sometimes these excuses are all we have to hold onto, death is the reason and living the celebration.“
In dem Sinne: enjoy….