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X-Ray-Spex, Germ Free Adolescents, 1978

Text/Musik/ Poly Styrene

Produzent/ Falcon Stuart

Label/ EMI

Von all den eigenwilligen britischen Punkbands stachen wenige so heraus wie X-Ray-Spex. Das lag hauptsächlich an ihrer aussergewöhnlichen Sängerin: Marian Elliott (alias Poly Styrene) , geboren in Brixton als Kind englisch-somalischer Eltern, hatte eine Vorliebe für bunte Klamotten, einen widerspenstigen Haarschopf, eine Zahnspange, eine unglaubliche Stimme ( dank ihrer Ausbildung zur Opernsängerin) und ein für eine 18jährige beinahe übernatürliches Selbstvertrauen. In Sachen Aussehen, Musik und Auftreten befanden sich X-Ray-Spex auf einer anderen Umlaufbahn. Poly sang boshafte Texte über Konsum, die zunehmende Wegwerfmentalität und Feminismus und verstiess dabei immer gegen die Konventionen. Es waren grossartige Songs, kampflustiger, energiegeladener Punk-Pop, mit Rudi Thomsons verstimmten Saxophon als besonderem Markenzeichen.

„Germ Free Adolescents“ ist einzigartig und daher typisch für die sensationellen Singles dieser Band. Gewöhnlich gilt The Clashs „(White Man) In Hammersmith Palais“ als erster Song, der Punk und Reggae miteinander mischte, aber Poly könnte ihnen diese Position streitig machen. Hypnotisch, fast psychedelisch langsam imitiert der Song die Dub-Reggae-Platten, zu denen die Band im Londoner Punk-Club The Roxy tanzte. Der Text handelt von einem Mädchen, das einen Sauberkeitstick hat, mit panischer Angst vor Keimen. Die Botschaft ist offensichtlich: Es ist die rituelle Reinigung, die unnatürlich ist, nicht der Schmutz. Hier kündigt sich die Melancholie an, die sich später zur ausgewachsenen Depression entwickeln sollte: Styrene verliess die Band und schloss sich den Hare Krishna an. Eine echte Nonkonformistin.