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Big Mama Thornton, Ball N’ Chain, 1968

Label/ Arhoolie Records

Willie Mae „Big Mama“ Thornton (1926 bis 1984) war die wohl bedeutendste Bluessängerin, die nie den Titel „Queen of the Blues“ trug, weil sie so gar nichts weiblich-majestätisches an sich hatte. Aber auf der Bühne und im Studio hat „Big Mama“ Thornton die Blueswelt entscheidend geprägt – weit über ihre berühmten Titel „Hound Dog“ und „Ball And Chain“ hinaus.

„Big Mama Thornton“ war die Vokalistin, die auf Augenhöhe mit den wichtigsten Bluesmen der 1950er bis 1970er Jahren konkurrieren konnte, und die daher in einem Atemzug mit „T-Bone“ Walker, Willie Dixon, B.B. King oder Muddy Waters zu nennen ist, wenn es um die Ausformung der Kunstform nach dem Zweiten Weltkrieg geht. „Big Mama“ Thornton hat der Welt gezeigt, dass Bluesmen auch Frauen sein können. Im nationalen Circuit der Bluesfestivals war ihr Auftritt der Höhepunkt, und nach ihr aufzutreten wäre auch für Muddy Waters eine undankbare Aufgabe gewesen. Aufgewachsen in einfachsten Verhältnissen in Alabama und mit rudimentären Schrift- und Lesekenntnissen ausgestattet konnte sich „Big Mama“ eigentlich nur auf sich selbst verlassen, was möglicherweise mit dafür verantwortlich war, dass sie stets als Solokünstlerin, nie als Bandleader in Erscheinung trat. Längerfristige Zusammenarbeit wie mit George „Harmonica“ Smith oder Edward Wilson „Bee“ Houston waren immer nur vorübergehende Arrangements. Thornton war eine starke Frau, aber sie war keine Führungspersönlichkeit, um es mal in diesem Jargon auszudrücken.

Musikalisch, das heisst gesanglich über jeden Zweifel erhaben, stand Thornton auch als Schlagzeugerin und vor allem Mundharmonika-Spielerin „ihren Mann“. Was sie hinderte, war ihr Pech im Umgang mit anderen. Johnny Ace, der Thornton gross herausbrachte, wurde ein Opfer seiner eigenen Dummheit und starb vor seiner Zeit, in der Wahl ihres Managements erwiesen sich Thorntons Instinkte als nachteilig. Dass sie beim Moment des unglücklichen Todes von Ace in dessen unmittelbarer Nähe war, ist ein weiterer Bestandteil ihres lebenslangen „Blues“. Gegen Ende ihres Lebens und ihrer Karriere zeigten sich die Probleme als übermächtig, ein Übermass an Alkohol und eine Krebserkrankung brachten Auszehrung und vorzeitigen Tod 1984 im Alter von noch nicht einmal 58 Jahren.

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Junior Wells & Buddy Guy, Stormy Monday Blues, 1966

Text/Musik/ Aaron Thibeaux Walker

Produzent/ Sam Charters

Label/ Vanguard

„The eagle flies on Friday, and Saturday I go out to play/ Sunday I go to church, and I kneel down and pray“. Am Abend der Blues auf dem Barstuhl, am Morgen der Gospel in der Kirchenbank. Am Samstag die Sünde, am Sonntag die Reue, die zwar nicht lange anhält, aber das ist nicht die Frage. Manchmal gerät auch alles durcheinander. Dann hat der Samstagabend hat die Innigkeit des Sonntagmorgens, der Sonntagmorgen die Leidenschaft des Samstagabends. Oder wie Bruce Springsteen sagt: “ I wanted Saturday night and Sunday morning – but I also wanted Monday through Friday. Those are the days everbody’s got to live with. So I wanted a music to live with – truth and consequenses.“

Das ist nicht immer angenehm, weiss der Erzähler des „Stormy Monday Blues“: They call it stormy Monday, but Tuesday’s just as bad/ Wednesday’s worse, and Thursday’s also sad“. T-Bone Walker spielt das Stück mit einem schweren Bläsersatz im Hintergrund. In der Version von Junior Wells und Buddy Guy verdampft der Song und die Essenz, Bass und Besenschlagzeug grundieren den Beat, Buddy Guy karges Gitarrensolo reisst die Töne einzeln heraus, während Wells die Tage abzählt. Ein Stück aus Haut und Knochen, minimal, endlos wie die Arbeitswoche.