b60175158428598881c5752e7619be06.jpg

Little Richard, Here’ Little Richard, 1957

Produzent/ Bumps Blackwell

Label/ Speciality

Im Sommer 1955 brach plötzlich überall der Rock’n’Roll aus. Innerhalb weniger Wochen kamen Fats Domino, Ray Charles, Chuck Berry und Bo Diddley mit ihren Songs in die Charts. Auch Art Rupe von Speciality Records wollte unbedingt auf dieser Welle surfen. Er befahl seinem besten Talentscout, Bumps Blackwell, einen zweiten Ray Charles zu finden. Bumps fuhr nach Süden und entdeckte im legendären Dew Drop Inn in New Orleans einen extravaganten (und offensichtlich schwulen) Jump Blues Sänger und Pianisten namens Little Richard Penniman. Im September war es soweit: Bumps nahm Little Richard mit in Cosimo Matassas Studio und dort schrieben sie auf einem einspurigen Tonband Musikgeschichte.

Es war reiner Wahnsinn: Richard, Bumps, Cosimo und einige der besten Studiomusiker von New Orleans machten Aufnahmen mit geballter, schamloser, irrer Energie. „Tutti Frutti“ begann den Aufstieg in die Charts im Oktober, während „Long Tall Sally“, „Slippin’ And Slidin’“, „Ready Teddy“ und „Jenny Jenny“ 1956 folgten. Alle diese Hits befanden sich auf „Here’s Little Richard“, gekrönt mit einem unvergesslichen Foto von Richard in Aktion.

Es wurde die erfolgreichste LP des Künstlers. Als Original wird sie sich kaum noch auftreiben lassen, doch die Tracks befinden sich auf vielen Sampler. „Here’s Little Richard“ gehört zu den Stammzellen des Rock’n’Roll – aus diesem Album, und einem halben Dutzend anderer, ist das ganze Genre entstanden.

Little_Richard_-_Tutti_Frutti.jpg

Little Richard, Tutti Frutti, 1955

Text/Musik/ Richard Penniman, Dorothy LaBostrie

Produzent/ Robert Blackwell

Label/ Specialty

Mit seinem wilden Intro kam „Tutti Frutti“ bei Little Richards Bühnenshow gut an, aber wegen des sexuell zweideutigen Textes hätte der Sänger nie erwartet, dass dieser Song einmal veröffentlicht werden würde. Doch am 14. September 1955 wurden in den J&M-Studios in New Orleans die Weichen für diese entscheidende Aufnahme gestellt. Als Little Richard nach einer Session „Tutti Frutti“ in die Tasten haute, war Produzent Robert Blackwell sehr beeindruckt von der Energie des Songs; nur der schlüpfrige Text sollte von Songwriterin Dorothy LaBostrie entschärft werden.

Trotz LaBostries Schliff bekam Little Richard „Tutti Frutti“ anfangs zu wenig Airplay, um die Chart-Schlacht gegen Pat Boone zu gewinnen, hatte aber langfristig die Nase vorn und fesselte sogar Teenager in Liverpool – wo die Beatles später grosse Fans wurden – und darüber hinaus.

Neben dem Mix aus Gospel, Jump Blues und Boogie-Woogie-Klavier hatte Richard ein weiteres unschlagbares Element, das ihn zu einer Schlüsselfigur der Popgeschichte machte: seine Persönlichkeit. Seine Frisur, sein Makeup und seine hektischen Bewegungen schockierten das konservative Amerika der fünfziger Jahre. „Tutti Frutti“ war sein Durchbruch, der Beginn einer Karriere, die sich ein Jahr später explosionsartig auf der ganzen Welt ausdehnte.