R.E.M., It’s the End of the World as We Know It, 1986

Text/ Musik/ Bill Berry, Peter Buck, Mike Mills, Michael Stipe

Produzent/ Scott Ltt, R.E.M.

Label/ I.R.S.

Vor 30 Jahren nahm R.E.M. im Sound-Emporium-Studio von Nashville diesen bittersüssen Song auf, der 1987 auf ihrem Album „Document“ erschien. Auch wenn „It’s the End…“ nie zum Überhit wie „Losing My Religion“ oder „Everybody Hurts“ wurde, ist es für viele ein Lied geblieben, mit dem sie sich identifizieren können. Es gibt das Ohnmachtsgefühl wieder, das viele am Smartphone beschleicht, wenn im Sekundentakt News aufpoppen. Ein scheinbares Chaos, in dem sie nur noch schwer zwischen Katastrophe und Fehlalarm, zwischen realer Nachricht und gezielter Fälschung unterscheiden können.

1995 liessen die Musiker von R.E.M. den Software-Giganten Microsoft abblitzen, der „It’s the End of the World“ in seiner Werbung für Windows einsetzen wollte. “Ich will meinen Kindern zeigen, dass nicht alles zum Verkauf steht“, sagte Gitarrist Peter Buck. „Wer seine Musik für Werbung hergibt, ist eine Hure.“ – Statt R.E.M. waren die Rolling Stones im Werbespot für Windows zu hören. Sie sollen zwölf Millionen kassiert haben, dass sie den beziehungsreichen Titel „Start Me Up“ dafür hergaben.

R.E.M, In Time: The Best of R.E.M. 1988 – 2003

Produzent/ Scott Litt, Pat McCarthy

Label/ Warner Bros.

Nachdem die Compilation „The Best Of R.E.M.“ (1991) ihren ersten Karriereabschnitt beleuchtete, deckte „In Time“ den zweiten ab. Die Jahre ab 1988 und vor allem ihre Zeit als Megastars, nachdem „Losing My Religion“ die Band aus Athens, Georgia im Jahr 1991 in die Stadien dieser Welt hievte. „Our career can be divided into the two parts: pre-Losing My Religion and post-Losing My Religion“, reflektiert Peter Buck in den Liner Notes, die es ausführlich zu jedem einzelnen Song in dem Booklet gibt. Und wer je an einem R.E.M. Konzert Zeuge wurde von der andächtigen Augenschliess- und Mitsummen-Orgie des Publikums, ist sich bewusst, dass hinter diesem einen Song mehr steckt als eine zarte Mandoline. Und hinter R.E.M. alles andere als oberflächliche Songs. Magie heisst so etwas wohl. Erklären kann es keiner.

Man kann höchstens versuchen, es halbwegs greifbar zu machen, indem man ihre bedeutendsten Songs versammelt. Und jene Highlights wirken um so beeindruckender, wenn sie unter sich sind und nicht von schwer bekömmlicher oder teilweise auch schwächelnder Kost unterwandert wie beispielsweise auf „Monster“ oder „Up“. Auf „In Time“ hingegen verbirgt sich 18 Songs lang kein einziger Ausfall. Vom Romantischen wie „At My Most Beautiful“ über Sonnendurchflutetes wie „Imitation Of lLfe“, Deftiges wie „What’s The Frequency, Kenneth?“, „E-Bow The Letter“ mit Patti Smith bis hin zu Euphorischem wie „The Sidewinder Sleeps Tonite“ und Traurigem wie „Everybody Hurts“ oder „Nightswimming“ ist alles vertreten, was R.E.M. Rang und Namen verschaffte. Und mit dem nostalgischen „Bad Day“ sowie dem spacigen, aber etwas unspektakulären „Animal“ noch zwei neu eingespielte Songs.

Manche mögen vielleicht „Strange Currencies“, „Bang And Blame“, „Leave“ oder „Shiny Happy People“ vermissen: Geschenkt! Vor allem, wenn die Entschädigung so wunderbar ausfällt. Vorschlag: Einfach zurücklehnen, die Augen schliessen und die Musik geniessen.