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Nina Simone, Ain’t Got No; I Got Life, 1968

Text/Musik/ G. MacDermont, J. Rado, G. Ragni

Produzent/ Joe René

Label/RCA

Im Jahr 1968 öffnete das Rockmusical „Hair“ seine Pforten am Broadway und im Londoner West End – ein Schlüsselmoment der Hippiebewegung und Gegenkultur der 60er Jahre, mit der Botschaft Frieden und Liebe, Freiheit und Drogen. Es war das Jahr, in dem Martin Luther King Jr. ermordet wurde, im April. Drei Tage später traf Nina Simone im Westbury Music Fair in New York auf und widmete ihr Konzert seinem Gedenken. Eine Aufnahme der Show war das Ausgangsmaterial für ihr Album „Nuff Said!“ Simone erzählte 1991:“Ich wollte unbedingt von den Anführern der Bürgerrechtsbewegung angenommen werden, und als das der Fall war, sang ich ihnen zehn Jahre lang Protestlieder.“

Ebenfalls auf dem Album waren drei Studiotracks, die einen Monat später aufgenommen wurden, darunter ein Medley zweier Songs aus „Hair“, Ain’t Got No“ und „I got Life“. Im Musical wurden diese rockige Protesthymne und ihre lebensfrohe Erwiderung vom „Tribe“ gesungen, Hippies auf der Suche nach einer drogeninduzierten Utopie. Dass so ein Musicalsong auf so ein ernstzunehmendes Album wie „Nuff Said!“ kommt, erscheint zunächst überraschend, aber in Simones Händen nimmt der Ruf nach Freiheit den härteren Ton der Bürgerechtsbewegung an, bewahrt aber gleichzeitig auch die optimistische Stimmung des Originals.

Mit „Ain’t Got No; I Got Life“ wagte Nina Simone den Schritt weg vom Jazz, Gospel und Blues, hin zum Pop. Als der Song als Single herauskam, wurde er ein grosser Hit und erreichte ein viel breiteres, jüngeres Publikum als sie gewohnt war, vorallem in Europa.

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Nina Simone, Sinnerman, 1965

Text/Musik/ Traditional

Produzent/ Hal Mooney

Label/ Philips

Anfang der 1960er Jahre etablierte Nina Simone den Gospelstandard „Sinnerman“ als charakteristischen Bestandteil ihres Repetoires; in ihren Live-Shows in New York bildete der Uptempo-Song das starke Finale. Doch erst nach ihrem Wechsel von Colpix zu Philips 1964 wurde er veröffentlicht. Der Live-Mitschnitt eines Konzerts in Greenwich Village kam sträflicherweise nicht auf das 1962er Album „Nina at the Village Gate“.

Der Wechsel zu Philips fiel mit Simones wachsendem Engagement in der Bürgerrechtsbewegung zusammen. Ihr erstes Album bei diesem Label, „Nina in Concert“, 1964, beinhaltete „Mississippi Goddam“ und „Old Jim Crow“, und die politischen Botschaften setzen sich auch im folgenden Jahr auf „Pastel Blues“ fort. Die über zehn Minuten lange Studioaufnahme von „Sinnerman“ passt gut in dieses Album, neben Coverversionen von Bessie Smith („Nobody Knows You When You’re Down and Out“) und Billie Holiday („Strange Fruit“). Es ist ein starker Abschluss (wie in den Konzerten), bleibt aber durch die „Power!“-Ausrufe auch dem Thema Bürgerrechte treu.

Nina Simone kannte „Sinnerman“ vermutlich schon als Kind, von den Kirchentreffen ihrer Mutter, einer Methodistenpredigerin. Der traditionelle Spiritual tauchte in vielen Versionen auf, bevor Simone ihn ins Repertoire aufnahm. Berühmt wurde er 1959 durch die Weavers.