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ZZ Top, Jesus Just Left Chicago, 1973

Text/Musik/ Billy Gibson, Dusty Hill, Frank Beard

Produzent/ Billy Ham

Label/ London Records

Es beginnt mitten in einem anderen Lied, „Waiting For A Bus“, das nach drei Minuten plötzlich unterbrochen wird. Mitten in einem sich sowieso nicht sonderlich beeilenden Bauernblues schaltet die Band nochmals zwei Gänge zurück, und eine Stimme, die klingt, als habe man ihren Besitzer in aller Frühe aus dem Bett geholt, stöhnt: „Jesus just left Chicago/ And he’s bound for New Orleans./ Jesus just left Chicago/ And he’s bound for New Orleans.“ Gerade die Wiederholung lässt den Verdacht aufkommen, dass es die Aufgabe ebendieses Mannes war, Jesus keinen Moment aus den Augen zu lassen und dafür zu sorgen, dass Jesus Chicago nicht verlassen konnte; aber er hat versagt. Es kam zu einem Wortwechsel, dann hat Jesus sich aus dem Staub gemacht und ist jetzt vermutlich unterwegs nach New Orleans.

Man erwartet nun eine Personenbeschreibung des Flüchtigen, aber was kommt ist ein kodierter Bericht: „Working from one end to the other/ And all points in between.“ Wenn es hier nicht um einen flüchtigen Erlöser ginge, sondern um einen von zu Hause weggelaufenen Teenager gleichen Namens, dann könnte man vielleicht noch davon ausgehen, dass dieser Satz triviale Bedeutung hat. Scheinbar trivial, denn dieses „Dazwischen“ wird nicht nur durch den Anfangs- und den Endpunkt bestimmt, sondern vorallem durch den Weg, denn jemand zurücklegt, um von A nach B zu kommen – und der kann über den ganzen Globus führen und ein ganzes Menschenleben lang dauern, oder – wie in diesem Fall – alle Menschenleben zusammen. Ausserdem wäre Jesus nicht der erste, der im Irrgarten des „Dazwischen“ verschwunden ist.

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ZZ Top, Tres Hombres, 1973

Produzent/ Bill Ham

Label/ London

„Tres Hombres“ markierte ZZ Tops Einzug in die Megaliga der grössten Tourneebands in den Vereinigten Staaten. Keine Jury wird sich je entscheiden können, welche Phase der ZZs besser war – gradliniger Bluesrock (70er) oder pumpender Bluesdisco (80er und 90er). Unbestreitbar ist, dass ihre texanischen Ursprünge untrennbar mit ihrem erdigen Sound verknüpft waren.

„Tres Hombres“ führt alle grossartigen Seiten der Band auf, und der Riesenhit „La Grange“ ist nur ein Teil davon. Tatsächlich ist „La Grange“ auf ein Riff aufgebaut, das so einfach und gleichzeitig so inspiriert ist, dass man es nie wieder vergisst. Allerdings ist der Song wegen des genuschelten Gesangs nicht gerade typisch. „Precious And Grace“ – ein Lied über zwei Tramperinnen, die sich als ehemalige Häftlinge erweisen – mixt ein grossartiges Riff (im Stil von Led Zeppelin) in der Strophe mit einem exzellenten, fast psychedelischen Refrain. Die beiden gehen nahtlos ineinander über. „Move Me On Down The Line“ ist ein bissiger Boogie (und hört sich stark nach Jack Bruce an). „Jesus Just Left Chicago“ kommt fliessend und mühelos. Das unglaubliche „Master Of Sparks“ betrifft eine nette texanische Tradition: die Angewohnheit, seine Kumpels aus purem Jux von einem fahrenden Pick-Up zu stossen.

Das Cover der Originalplatte ist ein Klappcover: beim Aufklappen erscheint ein grelles Photo des mexikanischen Gerichts, nach dem die LP benannt ist. Das sagt eigentlich schon alles, obwohl die schrägen Photos der drei Musiker vorn auf dem Cover kaum vermuten lassen, dass diese Herren erst Mitte zwanzig waren.

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ZZ Top, Eliminator, 1983

Produzent/ Bill Ham

Label/ Warner Bros.

Am Anfang war Donna Summer. Sie beschloss Disco, Drums und Rockgitarren feierlich zu vermählen, und es war gut so (zumindest auf „Bad Girls“). Später perfektionierte Eddie Van Halen die Verbindung auf Michaels Jackson „Beat It“ und dem eigenen „Jump“.

In einem solchen Umfeld riskierten ZZ Top, wie peinliche ältere Herren zu wirken. Statt dessen fabrizierten sie ein Elektro-Boogie-Meistergebräu, das mit Eddie im Unterhaltungswert ebenso wie in den Verkaufszahlen (bisher zehn Millionen) gleichzog.

Bereits auf „El Loco“ (1981) experimentierte, das texanische Trio mit neumodischen Sounds. Auf „Eliminator“ ging es dann mit solchem Elan zur Sache, dass der Verdacht entstand, Frank Beard wäre von den Drum-Machines verdrängt worden. Doch seine glasklaren Beats und Dusty Hills pochender Bass sind die Grundlage für den Star: Gitarrist Billy Gibbons, der die verschrobenen Texte mit sanften Licks garniert, doch im Gegensatz zu schlechten Solisten nie übertreibt.

Es ist nicht nur Hardrock-Gehämmer. Da ist das elegische „I Need You Tonight“ und das Bassgeplänkel auf „Thug“. Aber es waren „Gimme All Your Lovin'“, „Sharp Dressed Man“ und „Legs“, die „Eliminator“ in die Stratosphäre schickten. Entscheidend waren Tim Newmans Videos, die ununterbrochen im brandneuen MTV liefen, wo man aus ZZ Top einen amüsanten Anachronismus inmitten von Autos und Mädchen machte. „Wir kamen zu der Einsicht, dass die Girls viel besser aussahen als wir“, erklärte Beard, „und dass sogar die Autos besser aussahen als wir.“

Und so geschah es: die kleine Band aus Texas wurde weltberühmt, „Eliminator“ wurde zum Klassiker – und alles war gut.