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Charles Mingus, Oh Yeah, 1962

Produzent/ Nesuhi Ertegün

Label/ Atlantic Records

Als der blinde Saxophonspieler Ronald Kirk mit 24 aus Columbus, Ohio zu seinen ersten Plattensessions nach New York reiste,  war ein Niemand, ein Gerücht aus der Provinz. Er stellte sich bei dem berühmten Gesinnungsgenossen Charles Mingus vor, beeindruckte diesen durch seinen Sound und die Tatsache, dass er auswendig dessen Kompositionen spielen konnte. Mingus wurde weich und engagierte Ronald Kirk für 12 Wochen, in denen auch eine Plattensession für Atlantic Records stattfand. Deshalb hören wir Ronald Kirk fast alle Saxophonparts auf  „Oh Yeah“ spielen. Mingus selbst spielt nicht Bass – den überlässt er Doug Watkins – sondern nur Piano, er arrangiert und begleitet die Songs durch Zwischenrufe und bluesigen Gesang und ich vermute, dass die Zusammenarbeit mit dem ebenfalls leicht wahnsinnigen Kirk das Album so verrückt klingen lässt. Dazu kommt mit Brooker Ervin noch ein zweiter famoser Saxophonist, und – mit Songs wie dem Opener „Hog Callin‘ Blues“ zum Beispiel – Vorlagen, auf denen insbesondere Kirk sein Instrument nach Herzenslust blöken, heulen und schreien lassen kann.

Mingus und Rahsaan Ronald Kirk teilten eine enzyklopädische Kenntnis des Jazz, und beide hatten nicht vor, mit ihrem Wissen konservativ umzugehen. So gibt es mit dem wunderbar betitelten „Oh Lord, Don’t Let Them Drop That Atomic Bomb On Me“ einen modernen Gospel samt Chor, so gibt es Musique Concrete bei „Passions of a Man“ und bei „Wham, Bam, Thank You Ma’am“ Thelonius Monk-Zitate. Hätte Monk Mingus‘ Part am Piano übernommen, und Mingus den Bass gespielt, dann wäre „Oh Yeah“ vielleicht sogar noch besser geworden, aber diese Spekulation ist natürlich müssig, es ist Mingus verrücktestes und auch „fröhlichstes“ Album (in Englisch heisst das „Upbeat“) und es gehört zu seinen vielen Klassikern – knapp hinter „The Black Saint and the Sinner Lady“ und „Ah Um“.  Rahsaan Ronald Kirk verliess Mingus‘ Band nach kurzer Zeit wieder und spielte das formidable „Domino“ ein..

10 Gedanken zu “

  1. You set up my Ellington take on ‚Newport‘ with ‚Money Jungle‘. Now you’re doing the same with this album for a take I have on another Mingus recording. Being a sax guy how couldn’t I dig this album and Kirk’s blowing. Great stuff. „Oh Yeah‘, I’m not forgetting who’s behind the music. CM

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    1. „Oh Yeah“, this is a crazy record. I think, Mingus was a great risk-taker! He never feel content to sit in one area for long time and he had a lot of fun with it. Of course, Ronald Kirk has a great influence on this album with his saxophone playing. Kirk was also a great flautist. If you listen to him, it’s easy to known where Ian Anderson from Jethro Tull got the idea for his one-legged devil’s flute.

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      1. I’m a fan of Mingus and Kirk. The blues and jazz guys were doing it first in so many ways. When I was listening to music while I was commenting on your take, it just blows me away on how much I like that music.

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      2. You’re right! It blows you away. Kirk had this special breathing technique, with which he could play different instruments simultaneously. As I already mentioned in the review, the album might be even better with Mingus on the bass and Monk on the piano, but that’s just speculation.

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      3. I didn’t found a recording with Kirk, Mingus and Monk together, only a extra track on Kirk’s „Domino“ with the title „Where Monk and Mingus Live“. The album was recorded with Herbie Hancock, Andrew Hill, Wynton Kelly, Roy Haynes, etcetera, it’s very fluid and challenging.

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