
Bob Dylan and The Band, Planet Waves, 1974
Produzent/ Rob Fraboni
Label/ Asylum
„Planet Waves“ ist ein gutes Album. Keine Peinlichkeiten, Schmalzchöre und „all-american-music“- Relikte. Dafür ist die Band zu hören, mit technisch wie musikalisch raffinierter Brillanz. Eine Band, die mich an „Music from Big Pink“ erinnert, ohne sensationelle Soloausflüge, dafür mit kompakter Gruppenmusik. Das zentrale Thema von „Planet Waves“ ist die Liebe. Es reicht von direkten, wollüstigen Anspielungen in „Tough Mama“ über simple Sprüche in „You Angel You“ zu lasziven Sätzen in „Hazel“. Die Musik ist manchmal spröde und zurückhaltend, aber immer organisch fliessend. Die kurzen Soli von Robbie Robertson sind Kleinkunstwerke auf engstem Raum, von fast mathematischer Exaktheit.
Mein Lieblingsstück ist „Forever Young“, das gleich in zwei Versionen vertreten ist. Die langsame Version gefällt mir besser, sie ist eindringlich, schlicht und ergreifend: „ May you always be courageous, Stand upright and be strong, May you stay forever young“. Ich denke, Dylan verspricht hier keine ewige Jugend und huldigt schon gar nicht einem Kult, der das Jugendlich-Sein generell auf seiner Seite hat. Vielmehr geht es darum die allzu schnellen und allzu unbedingten Gewissheiten im Leben genauer zu hinterfragen. Auf diese Weise – im Prozess der Veränderung – können wir uns dann womöglich auf authentischere Weise das Jugendlich-Bleiben erhalten.
