
Robert Crumb & His Cheap Suit Serenaders, 1976
Produzent/ Nick Perls
Label/ Blue Goose Records
Alle, zumindest alle, die zwischen sagen wir mal 1965 und 1975 jung waren, auf Westcoast standen und Comix lasen, kennen Robert Crumb, den geistigen Vater von Mr. Natural. Sie kennen auch seine derben Girls vom Land und haben sich über seine manchmal sarkastischen, manchmal obzönen Anmerkungen zum subkulturellen Alltag amüsiert. Besagter Robert Crumb feiert am 30. August 2023 seinen 80. Geburtstag in seinem Domizil in Südfrankreich. Recht viel biografische Fakten scheint es nicht zu geben. Indirekte Auskunft über sein Innenleben in der Pubertät des nachmaligen Grossmeisters gibt es in einem gnadenlos aufrichtigen Statement. „Mit zwanzig war ich eine perverse Sau, brodelnd in perverse Sexphantasien verstrickt, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatten. In Wirklichkeit hatte ich noch nicht mal ein Mädchen geküsst! Ich war ein verzweifelter Fall.“
Erst durch das Zeichnen von Comix wurden die bildhübschen Hippie-Girls für ihn verfügbar. Crumbs Figuren wurden weltberümt. Fritz the Cat wurde zum Filmstar. Mr. Natural, ein geiler Heiliger, zum Teil des amerikanischen Volkguts. Keep on truckin’ gehört heute ins Zitatenlexikon.
Nur wenige wissen, dass Robert Crumb auch musiziert. Dabei ist sein musikalisches Werk keineswegs radikal, experimentell oder gar obszön, sondern eher traditionsbewusst. Psychologisch handelt es sich wohl um die notwenige Kompensation seines gesellschaftlichen Umgangs mit dem enthemmten Zeichner. Robert Crumb hat versucht auch als Musiker Anerkennung zu finden, blieb aber resigniert. Dabei gibt es eine Menge Leute, die seine Musik mögen und zweitens viele, die sie überhaupt nicht kennen. Letzterem sei nun mit diesem Blogbeitrag ein wenig abgeholfen.
