Bob Dylan, Love And Theft, 2001

Produzent/ Bob Dylan (unter dem Pseudonym Jack Frost)

Label/ Columbia

Nach vielen Jahren habe ich mir wieder mal „Love And Theft“ angehört, wo Dylan so schön berührend, innig und schön und auch dreckig singt, und einmal mehr weiss ich: Es geht um die Stimme. Es ist die Stimme, die den Sänger ausmacht. In Dylans Stimme höre ich sein langes Leben, seine Genialität, sein im Hier und Jetzt zu sein, überhaupt Mensch zu sein.

„Love And Theft“ ist ein grossartiges Album. Man kann auch sagen, dass sich Bob Dylan hier der amerikanischen Tradition versichern wollte. Und das tun er und seine agilen Begleiter auf „Love And Theft“ dermassen gründlich, dass das Album sich als einzige Abfolge von Zitaten, Verweisen, Anspielungen und Montagen erweist. Worauf Dylan, der Dieb der Traditionen, ja selber im Plattentitel verweist. Und wie so oft in seiner Karriere hat der Rückgriff auf die alten musikalischen Stile Amerikas zu einer Musik inspiriert, darunter Blues, Rockabilly, Country, Swing und Balladen nach der Manier von Tin Pan Alley. Der Mann mit der Maske spielt alte Lieder in neuen Texten, erzählt alte Stories in neuen Songstrukturen, was sich an manchen Stellen ziemlich verschroben anhört. Verschroben und ungemein sympathisch. Sympathisch vielleicht deshalb, weil das Dutzend Songs an vielen Stellen Humoresken beinhaltet. Kurzum: „Love And Theft“ ist für mich ein meisterliches Album des Meisters, eingespielt mit seiner besten Band seit The Band.