The Beatles, A Day in the Life, 1967

Text/ Musik/ Lennon – McCartney

Produzent/ George Martin

Label/ Parlophone

Dass daraus ein spezielles Stück werden könnte, wussten die Beatles offenbar selbst recht gut, schon während der Produktion. Am vierten und letzten Tag der Aufnahme, dem 10. Februar 1967, luden sie ein etwa 40-köpfiges Orchester und viele Freunde ins Studio ein, quasi als Zeugen des historischen Augenblicks. Das Video zeigt einen Zusammenschnitt von Hobbyaufnahmen dieses Happenings. In den vollgestopften Abbey Road Studios haben sich etliche illustre Gäste eingefunden, Donovan, Mick Jagger, Keith Richards, Graham Nash, Brian Jones und Marianne Faithfull und noch viele andere. Keiner von ihnen sieht wirklich gut aus. Unfassbar, dass George Martin und die Musiker überhaupt irgendetwas Brauchbares gespielt haben sollen auf dieser Party. Doch zeigt der imperfekte, freudlose Trash dieser Bilder einen guten Kontrast auf zu dem makellos perfekt zusammengebauten Soundtrack.

Das Lied beginnt und endet in E-Dur. Am Anfang tönt es wie eine private Ballade. Dabei wächst das Geklimper der Akustikgitarre direkt aus dem lärmigen Finale von Sgt. Pepper’s heraus, so, als sei da nach dem Fest noch einer aus der Band sitzen ​geblieben. Und noch einer: der Pianist. Und ein Dritter kommt dazu, der Bassgitarrist, und ein Vierter, der die Rumba-Rassel bedient, und so fort. Das Ende des Liedes kommt, im Gegenteil, enorm laut und öffentlich daher. So, wie die grossen Symphonien von Beethoven enden: mit mindestens einem fetten Fortissimo-Schlag. Fünf Pianisten haben diesen E-Dur-Akkord angeschlagen im Studio, an drei Klavieren und einem Harmonium. Was dann gedubbt und verdoppelt, verzerrt und moduliert wurde und eine Ewigkeit nachzuhallen scheint, bis nur noch das Rauschen der Klimaanlage des Studios zu hören ist – oder man sich einbildet, es zu hören. Aussserdem soll da noch, jedenfalls hat Lennon das behauptet, die für Menschenohren unhörbar hohe Frequenz einer Hundepfeife mit im Spiel sein, „damit auch Hunde etwas davon haben“. Vielleicht ist das aber nur erfunden, eine Beatles-Legende, eine der unzähligen.