John Lee Hooker, Boogie Chillen, 1948

Text/Musik/ John Lee Hooker

Produzent/ Bernard Besman

Label/ Modern

Johhn Lee Hookers Darbietung hat solche Urkraft, dass es eigentlich ganz egal ist, ob er nun alleine oder in Begleitung von Eric Clapton und den Rolling Stones auftritt. Keiner konnte die klassische Bluesthematik auf so direkte und archaisch anmutende Weise darstellen wie John Lee Hooker. Das Merkmal dieser Musik: Der Musiker erschreibt sich seine Identität darin immer wieder neu. Der Song ist das weisse Blatt, auf dem er seine Schrift hinterlässt, seine Persönlichkeit darstellt – das Bluesschema ist die Grammatik. So erhält der Sänger die Chance „ich“ zu sagen, ohne eine Rolle spielen zu müssen. Ein Ich, hinter dem Geschichte steht, Geschichten sich ansammeln. Mögen die Sprachformeln auch reduziert sein, die Sätze bekannt, die Bilder vertraut: Individualität und Identität zeigen sich in der Art und Weise, wie sie artikuliert werden.

Deshalb lässt sich der Blues nicht auf ein musikalisches Schema, auf eine bestimmte Abfolge der Akkorde reduzieren. Bei Hooker sowieso nicht, schliesslich hat er stets einen eher freien Umgang mit Akkorden und Strophen gepflegt. Lange vor seinen ersten Plattenaufnahmen Ende der Vierziger spielte er in den Clubs von Detroit. Und ein Stück war eben dann zu Ende, wenn die Leute nicht mehr tanzen wollten.