
The Rolling Stones, Shattered, 1978
Text/Musik/ Jagger/Richards
Produzent/ The Glimmer Twins
Label/ Rolling Stones
Die Stones singen auf „Shattered“ ihr Psychogramm von New York City. Ungerührt listet das Stück die Ekelmomente der Stadt auf: „Don’t you know the crime rate is going up, up, up, up/ To live in this town you must be tough, tough, tough, tough, tough, tough/ You’ve got rats on the West Side/ And bed bugs uptown – what a mess/ This town’s in tatters“.
Während Jagger seine Monosyllablen abspult, murmelt der Chor unentwegt sein „shattered, shattered, shattered, shidoobey““. Das Stück klingt monoton, seine Struktur ist unterentwickelt. Zu Recht liesse sich hier sagen: eine mechanische Begleitung. Bass und Schlagzeug klopfen einen reizarmen Beat. Keith Richards Gitarre verzichtet ausnahmsweise auf das erkennungszeichnende Riff, beschränkt sich auf eine ostinante, zum Gurgeln verfremdete Begleitfigur. „Shattered“ heisst: zerstört, vernichtet, in seine Bestandteile zerstampft; shattered können Häuser sein, Flugzeuge, Menschen, Hoffnungen, Gefühle. Bei den Stones ist das einerlei: „shattered“ und „shidoobey“ sind nur ein Komma weit weg.
„Shattered“ als emotionaler Zustand liefert die Voraussetzung, ein kaputtes Leben leben zu können. Der Unterschied zwischen „shattered“ und „shidoobey“ ist ein Unterschied zwischen Realität und Reaktion: In der Wortwiederholung „up, up, up“ der Verbrechensrate und dem „tough, tough, tough“ der eigenen Verfassung wird der Schrecken relativiert durch sarkastische Übertreibung. „Shattered“ ist kein Protestsong, sondern eher ein Protest durch Bewegung.
