
Lucinda Williams, Car Wheels on a Gravel Road, 1998
Produzent/ Roy Bittan, steve Earle, Ray Kennendy, Lucinda Williams
Label/ Mercury
Ich kannte Lucinda Williams schon, als sie 1998 ihr Album „Car Wheels on a Gravel Road“ veröffentlichte. Aber die Euphorie war etwas abgeflaut, jetzt waren Hip-Hop und andere Indie-Töne angesagt. Zum Hip-Hop gab es bei „Car Wheels“ einen Link: Die Platte hatte Rick Rubin für sein AmericanLabel aufgenommen, er verkaufte die Produktion dann aber weiter. So nackt und ehrlich die Musik hier tönt, so viel Arbeit steckt dahinter: Sechs Jahre beanspruchte das Making of. Steve Earle, der involviert war, klagte, er habe noch nie so wenig Spass bei einer Aufnahmesession gehabt.
Bisher hatte man die Songs von Lucinda in den Versionen von anderen gekannt. Nun überzeugte die Perfektionistin auch als Interpretin, mit ihrer schläfrigen, verletzlichen und manchmal aufreizenden Stimme, die immer leicht neben dem „richtigen“ Ton liegt. Hier gibt es keine Hits, aber Atmosphäre, Emotionen, Sounds. Thematisch dreht sich das Album um Verlust, Reue, Erinnerung – und um Lebenshunger und Leidenschaft. Nie hat Williams ihr Talent, aus kleinen Ereignissen grosse Songs zu machen, so überzeugend schmerzlich umgesetzt wie auf „Car Wheels“. Ein Evergreen der amerikanischen Songkultur.
