
John Prine, Souvenirs, 2000
Produzent/ Jim Rooney, John Prine
Label/ Ulftone Music
John Prine starb am 7. April 2020 im Alter von 73 Jahren an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus. Er war einer dieser Musiker, die von Kollegen hoch verehrt wurden, die aber selbst nie Starruhm erreichten. Der Songwriter aus Illinois veröffentlichte 1970 seine erste Platte und beeindruckte Kollegen wie Bob Dylan und Kris Kristofferson.
Ein kommerzieller Durchbruch gelang Prine nicht wirklich, aber seine Songs wurden gerne und oft gecovert u.a. von Bruce Springsteen, Johnny Cash, Bonnie Raitt, David Lindley und Tom Petty. John Prine veröffentlichte in regelmässigen Abständen seine Alben und ging weiter auf Tour, obwohl er seit 1998 von diversen Krebserkrankungen geplagt wurde.
Normalerweise kommt der Manager der Musikzombies erst kurz vor dem Exitus des Schützlings auf die verzweifelte Idee, den abgetakelten Exstar die alten Songs noch einmal aufnehmen zu lassen. Ein Indiz für das nahe Ende. Ausser bei John Prine, wie man nach dem Hören seines persönlichen Best-of-Album „Souvenirs“ von 2000 sofort zugeben muss. Fünfzehn Interpretationen seiner bekanntesten Lieder ( darunter „Angel From Montgomery“ oder die bedrückende Drogenelegie „Sam Stone“) hat er neu eingespielt, meist zur akustischen Gitarre, manchmal mit karger Countryband. Mit überwältigendem Ergebnis: Nur ganz wenige Countryalben haben diese Intensität, diese Intimität.
Prines Gesang ist leicht verschlurft, er visiert die Melodien nur an, ohne sie auf die „schöne“ Nashville-Art zu treffen. Alle Versionen auf diesem Album übertreffen die Originale bei weitem. Sie gewinnen in ihrer Kargheit jene Kraft zurück, die ihnen die (Über-)Produktion einst entzogen hatte. So was ist selten, aber wahr.
