
Don McLean, American Pie, 1971
Text/Musik/ Don McLean
Produzent/ Ed Freeman
Label/ United Artists
Tschüss, Apfeltortenkönigin. Der Refrain nimmt einen Song aus einem patriotischen Werbespot für die amerikanischte aller Automarken: „Drive your Chevrolet through the US/ America’s the greatest land of all/ On a highway or a road along a levee…“ Aber jetzt ist der Fluss hinter dem Deich ausgetrocknet. Die guten alten Leute in Lubbock, Texas heben ihre Gläser, um mit ein paar Schnäpsen den Tod von Buddy Holly und zugleich die gute alte Zeit zu betrauern. Don McLean nimmt den Vers „Cause that’ll be the day when I die“ aus dem Refrain von Hollys Song, in dem der Sänger das Schlimmste befürchtet, falls seine Liebe ihn verlässt. Und auch Don McLean ist zum Sterben zumute. Er wendet sich an eine junge Frau, indem er sie auf das „Book of Love“ anspricht. Aber dann kommt die Frage: Glaubst du noch an die alte Ordnung, sowie wie die braven Bürger glauben, was die Bibel schreibt?
Es ist schon pervers, dass der Rock’n Roll in den Fünzigern zum Religionsersatz wurde, eine Ablenkung von den wirklichen Problemen der Gesellschaft. Die Turnhallen der Schulen wurden zwar zum Tanzen genutzt. Allerdings durfte man nur auf Socken tanzen, um den Turnhallenboden zu schonen. Und für ein Date brauchte man nicht nur eine rosa Nelke im Knopfloch, sondern auch einen Pick-up, der als geiles Auto galt. Aber alles ging schief – das private Glück zerbrach ebenso wie die Epoche des Rock’n’Roll.
Don McLean blickt aus dem Jahr 1971 zurück auf die Sechziger – als die junge Generation sich verlassen fühlte und die Dinge selbst in die Hand nahm. Zugleich ein Zitat von Bob Dylans „Like A Rolling Stone“. In den Sechzigern waren die Dinge tatsächlich auf den Kopf gestellt. Die Kids fühlten sich als rollende Steine – rastlos, suchend, immer in Bewegung, rebellisch.
