
Dennis Wilson, Pacific Ocean Blue, 1977
Produzent/ Dennis Wilson, Gregg Jakobson
Label/ Caribou Records
„Pacific Ocean Blue“ war das erste Soloalbum eines Beach Boys. Dennis Wilson greift die Komplexität der Teenager-Sinfonien von Brian Wilson auf, entfernt sich aber von deren sonnengetränktem, sinfonischem Sound – seine Songs sind melancholische Balladen zwischen Introversion und Pathos, und die Vokalharmonien unterstreichen den rauen und düsteren Charakter von Musik und Text. Man sitzt zwar am Strand und schaut über den weiten Ozean – der Sommer ist aber vorbei, ein herbstlicher Wind weht, die Strandbuden schliessen, die Surfer packen ihre Bretter ein, und man wird durchdrungen von einem tiefen Gefühl der Einsamkeit.
In „The River“ perlt ein Klavier leicht wie Gischt über eine starke Strömung aus Gospelstimmen, bis Rockgitarren in wuchtigen Wellen darüber hereinbrechen. In „Time“ und „Thoughts of You“ inszeniert sich Dennis Wilson als eine Mischung aus Kind und Lebemann, der sein Leben nicht ohne Reue betrachtet und den Tod vor sich sieht: „All things that live, one day must die“. Der Höhepunkt ist „Dreamer“, das von einem jazzigen Groove und einem an ein Didgeridoo gemahnenden Bass-Harmonika-Loop vorangetrieben wird.
Am Eindrücklichsten und Überraschendsten ist jedoch Dennis Wilsons Stimme. Im Gegensatz zu seinen Brüdern Brian und Carl hatte er nicht eine Engelsstimme. Auf „Pacific Ocean Blue“ klingt seine Stimme, von Alkohol und Drogen gezeichnet, roh, schmerzhaft und einsam. Der endlose Sommer ist vorbei, endgültig.
