Simon and Garfunkel, Richard Cory, 1966

Text/Musik/ Paul Simon

Produzent/ Bob Johnston

Label/ Columbia Records

Der Song wird aus der Perspektive eines Arbeiters erzählt, der in Corys Fabrik schuftet, so dass die Beziehung des Arbeiters und der Reichtum Corys in eine unmittelbare Beziehung gesetzt werden. Richard Cory ist in eine reiche Familie hineingeboren und dann noch als einziger Erbe. Seinen wirtschaftlichen Erfolg verdankt er auch seinen Beziehungen zu Politikern, die die er dank seines Vermögens schmiert. Er ist ein Mann der Gesellschaft, aber die Orgien auf seiner Jacht haben etwas Zwiespältiges. Dass er ganz uneigennützig für wohltätige Zwecke spendet, nimmt man ihm auch nicht ab.

Der Arbeiter jedoch möchte nicht dieses System abschaffen oder reformieren, sondern er ist einfach neidisch. Er möchte an Corys Platz – mit der logischen Konsequenz, dass er der Kapitalist sein wird, der seine Kollegen ausbeutet. Wie pervers dieser Neid ist, zeigt sich im letzten Refrain: Der Tycoon schiesst sich eine Kugel durch den Kopf – wir wissen nicht warum. Sind plötzlich seine Aktien an der Börse abgestürzt? Steht er vor der Insolvenz? Droht im eine Verhaftung wegen Wirtschaftskriminalität? Ist ihm die Frau weggelaufen? Der Arbeiter weiss es auch nicht, aber sein Neid macht ihn so blind, dass er immer noch an Corys Stelle stehen möchte. Hauptsache reich sein, auch wenn der Reichtum zum Selbstmord führt.

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Simon and Garfunkel, Sounds Of Silence, 1966

Text/Musik/ Paul Simon

Produzent/ Tom Wilson

Label/ Columbia

Zu Beginn war da einfach nur die Stille. Doch deren Klang musste natürlich beschrieben und schliesslich besungen werden. Von einem singenden Songwriter und einem singenden Schlacks, die sich nur als Kombination ihrer Nachnamen zu erkennen geben wollten und auf dem Plattencover – so scheint es zumindest – den Versuch unternehmen, aus der Schusslinie der Kamera zu schlackern. Der grosse Kleine und der grosse Zweitplazierte: „Sounds Of Silence“ von Simon & Garfunkel wurde im Januar 1966 veröffentlicht.

Hätte Tom Wilson nicht zufälligerweise „Like A Rolling Stone“ von Dylan gehört, wäre er nie auf die Idee gekommen, diese etwas dröge Ballade mit E-Gitarre, E-Bass und Drums zu unterlegen. Und wäre die leicht verstimmte Gitarre nicht mehr leicht verstimmt, wäre die Aufnahme nur halb so gut. Hätte Paul Simon die erste Stimme statt die zweite gesungen, wäre diese viel zu penetrant gewesen, und das magische Moment, in dem man nicht rafft, wer jetzt was singt und wo eigentlich die Hauptmelodie hinführt, wäre verloren.

Das ist nun mehr als ein halbes Jahrhundert her, und es mutet seltsam an, dass das Jahr 1966 mit einem derart besinnlichen, geradezu unschuldigen Song eingeleitet wurde. Denn zu jener Zeit wütete in Vietnam ein konventioneller Krieg, den schon damals niemand mehr begreifen mochte, der jedoch nur ein Teilaspekt eines wesentlich grösseren Konflikts der Systeme war, die nicht nur im Weltall zu einem Wettlauf angetreten waren, sondern auch in beiden irdischen Hemisphären um die Vorherrschaft rangen.