Sleater-Kinney, Jumpers, 2005

Text/Musik/ Sleater-Kinney

Produzent/ Dave Fridmann

Label/ Sub Pop

Vielleicht haben Sleater-Kinney mehr über den Standpunkt junger, feministischer, aber auch punkbewegter Frauen in den USA gesagt, als die gesamte grungende Riot-Bewegung. Mit Ernst, Sarkasmus und Leidenschaft (der Begriff Anteilnahme würde es vielleicht noch besser treffen) thematisieren sie die Rolle der Frau innerhalb männlich geprägter Kulturen und damit auch selbstredend die Schwierigkeit, sich innerhalb solcher sozialen Strukturen als Frau zu bewegen, um schliesslich die Fragen nach Wahnsinn und Gesellschaft, Sexualität und Macht prägnant zu formulieren.

Sleater-Kinney verstehen es gut, um auf Songs von kurzer Dauer viel unterzubringen. Die Musik ist schnell, aber nicht überschnell, laut, einfach, eine sich überschlagende, auch kieksende Stimme, desinteressierte Melodien, Songs wie Ohrfeigen, wie Arschtritte, akustisches Karate, oder wie Sleater-Kinney selbst es nennen: „Words and Guitar“. In „Jumpers“ geht es um Selbstmord, der Text ist aus der Sicht einer Person geschrieben, die sich von der Golden Gate Bridge stürzt. 

Sleater-Kinney, The Woods, 2004

Produzent/ Dave Fridman

Label/ Sub Pop

Okay, sie sind lesbisch und unverschämt und laut, aber das waren Phranc, das sind L7 auch. Was macht eine Frauenband aus. Hat diese Bezeichnung eigentlich irgendeinen Wert? Gibt es so etwas wie Frauenbands überhaupt? Was macht eine Band, was macht Sleater-Kinney zu einer Frauenband oder nicht? Hoseninhalte? Songinhalte? Genderpolitisches Engagement? Sexuelle Präferenz? Eine komplexe Frage, der beizukommen hier wohl kaum genug Platz ist.

Wenden wir uns also stattdessen dem löchrigen Boden der Tatsachen zu. Und der zeigt, dass Carrie Brownstein, Corin Tucker und Janet Weiss songschreiberisch von überlegener intelligenz und Verschlagenheit sind, dass sie auch auf ihrem Album „The Woods“ relevante Themen verhandeln, die von Konsumkritik bis Liebe und Rollenverständnis reichen. Die Musik ist schnell, aber nicht überschnell, laut einfach. Dick wattierten Gitarrenparkas, sich abwechselnden und komplettierenden Stimmen, solidem, häufig auch gegenläufigem Bass und einem druckvollen, entfesselten Schlagzeug, das gleichsam ballern und tappen kann. Kurz: Sleater-Kinney machen intelligente und inspirierte Musik. Von Frauen. Für alle. Punkt.