Wreckless Eric, England Screaming, 2025

Produzent/ Eric Goulden

Label/ Tapete Records

1985 war Wreckless Eric auf dem Tiefpunkt: Sein Alkoholkonsum und sein notorischer Misserfolg forderten ihren Tribut. Unter dem Namen Captains of Industry nahm er das Album „A Roomful of Monkeys“ auf, mit dem niemand glücklich war. Er bezeichnet es als „insipid, half-arsed affair“. Die Songs aber waren an und für sich gut, und deshalb hat Wreckless Eric das Album unter eigenem Namen und quasi im Alleingang neu eingespielt.

Neuaufnahmen alter Songs und Alben überzeugen in den seltensten Fällen – aber hier herrschen Freude und Begeisterung. Wreckless Eric hat die Qualitäten dieser Songs freigelegt, sie sind ruppig und rau, klangen kraftvoll und direkt, und er bringt die Melodien – ausnahmslos Ohrwürmer – zum Leuchten. Meistens besingt er mit seiner nasalen Stimme die kleinen wichtigen Freuden und Leiden normalsterblicher Menschen – 1985 sezierte er überdies mit Sarkasmus ein sich im Individualismus auflösendes Britannien, was seinen Songs heute eine unvermutete Aktualität gibt. In erster Linie aber gibt es auf England Screaming“ neun zeitlose Popsongs, die – typisch für Wreckless Eric – melancholisch und fröhlich zugleich klingen.

Wreckless Eric, Greatest Stiffs, 2001

Produzent/ Larry Wallis, Nick Lowe

Label/ Metro

Gäbe es Gerechtigkeit in der Pop-Welt, wäre Wreckless Eric ein bewunderter, steinreicher Weltstar. Mit seiner ersten Single, dem vielfach gecoverten „Whole Wide World“ landete er 1977 einen Hit, auf den er heute oft reduziert wird. Klar, „Whole Wide World“ ist ein Evergreen – aber was ist mit „Reconnez Chérie“, „Veronica“, „A Pop Song“, „Semaphore Signals“, „Hit and Miss Judy“, um mich hier nur auf sein Frühwerk auf dem New-Wave-Label Stiff Records zu beziehen?

Es reichte nicht für einen nachhaltigen Durchbruch: Wreckless Eric blieb im Schatten seiner Labelmates Ian Dury und Elvis Costello. Er war schrulliger, eigenwilliger, aber auch rührender und auf eine britisch diskrete Art verletzlicher. Er hatte Humor, er war unprätentiös und verfügte über keinerlei Talent zur Selbstvermarktung. Dass er zu viel trank und ein paar Jahre als Karikatur seiner selbst durch die grosse weite Welt torkelte, hat ihm auch nicht eben geholfen.

Wreckless Eric kann Banales in Einmaliges verzaubern. Seine Lieder sind wie verzitterte Polaroidbilder die kleinen, aber wahren Freuden, Leiden und andere Ereignisse und Gefühle des Lebens. In der Melodie liegt Wreckless Erics Stärke: Seinen Alltagsblues tränkt er nicht in Moll, sondern spielt ihn offen und hell in Dur. Seine Songs sind meistens traurig, und das spürt man, und doch klingen sie irgendwie fröhlich.