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Bikini Kill, Pussy Whipped, 1992

Produzent/ Stuart Hallerman

Label/ Kill Rock Stars

Bikini Kill waren DIE Band der Riot Grrrl Szene und ihre Frontfrau/ Sängerin Kathleen Hanna die Frau, mit der man diese Art Punk mit feministischer Botschaft identifizierte. Es ist ihre Energie, es sind ihre Alarm-Sirenen Schreie, die die Musik aus der Masse ragen lässt.

Hier wird krachender Punk gespielt, mit Noise-Anklängen, ohne unnötige Spielereien – und die Tatsache, dass Frauen hier den abgehalfterten 77er Punks oder den 81er Hardcore Veteranen die geliebte Nostalgie vermiesten, soll zum Hass und zur Häme – und zu übelsten frauenfeindlichen Beleidigungen geführt haben. Durchaus vorstellbar, ist doch gerade der Alt-Punk gerne ein Ausbund an Intoleranz. Dabei kann man es auch so sagen: Bikini Kill holten Punk zurück zu seinen Wurzeln. Die „männliche“ Variante war immer technischer und virtuoser geworden, es ging nicht mehr darum, „Was“ gesagt wird, sondern nur noch um’s „Wie“ – und das ist immer schlecht. Zumal Bikini Kill auf dem Album „Pussy Whipped“ ihre feministischen Botschaften in infektiöse Songs packten: Da wird Sexismus in seiner widerlichsten Form angeprangert, es geht um Vergewaltigung und Pädophilie und Hanna verlangt schlicht, dass Frauen über ihre Sexualität – wie über ihr ganzes Leben – selber bestimmen sollen.

Sie erzählt vom „Star Bellied Boy“, einem Typen, der sich als netter Indie-Boy gibt, aber die gleiche sexuelle Aggressivität an den Tag legt, wie die Leute, die er zu verachten vorgibt – und das schreit und gurgelt sie mit erfreulicher Brutalität hervor, untermalt vom Feedback-Kreischen von Billy Karren’s Gitarren. Und bei „Lil‘ Red“ klagt sie ganz konkret das eigene Geschlecht an, wenn sie singt: „You are not the victim / though you’d like to make it that way“. Und mit „Rebel Girl“ ist eine der grössten 90er Punk-Hymnen dabei. Logisch, dass Bikini Kill wegen der Lyrics und der bewusst im Do-It-Yourself-Stil gehaltenen Ästhetik der Musik Angriffsfläche bot. Aber die Kritik an dem Album basiert meistens auf Hass und Intoleranz. Ich finde das Album sehr kraftvoll und mit einer Länge von knapp 25 Minuten extrem kurzweilig.

Ein Beitrag für den nationalen Frauen*Streik 14. 06. 2019