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Ray Wylie Hubbard, Dangerous Spirits, 1997

Produzent/ Lloyd Maines

Label/ Philo Rounder

Sähe er nicht aus wie der intellektuelle Bruder des Yeti, hätte er in den Siebzigern glatt als Reaktionär durchgehen könne. Der Song „Up Against The Wall, Redneck Mother“ machte den Okie Ray Wylie Hubbard quasi über Nacht berühmt. Die Mutter, die ihren Sohn dazu erzieht, in den Honky-Tonks Hippies zu verprügeln, das schrammte knapp an Merle Haggards „Okie From Muskogee“ vorbei. Doch der Text steckt voller Ironie – wie natürlich auch der von Haggard. Danach war lange nichts los bei Ray Wylie Hubbard ausser Alkohol und Drogen. Irgendwann schaffte es Hubbard von den Anonymen Alkoholikern, wo er seine zukünftige Frau kennenlernte, zu den bekanntesten Wahltexanern.

1997 erschien sein insgesamt achtes Album, das erste für Philo Rounder, und bis heute bestes. Hubbard selber zitierte Bob Dylan und Gram Parsons als wichtige Einflüsse. Die Kratzer in der Stimme, ein feiner Sinn für Ironie, Blues-Riffs, ein bisschen Bibel, eine dicke Scheibe Weltliteratur, dazu viel Autobiografisches und Erfundenes, das ebenso gut wahr sein könnte. Keine fade Songwriter-Introspektive, sondern Riff und Soli für alle. Und das alles aus einem Guss. Das muss man erst mal auf die Reihe kriegen.