
Annette Peacock, The Perfect Release, 1979
Produzent/ Annette Peacock
Label/ Aura
7 Stücke Messerspitzen, Nadelstiche, feine Tätowierkünste: „We are all sandwiches/ the meat between life and death…“ oder „Women have the power over men/ sexually and numerically…“ oder „the attraction it seems is to live for ones dreams/ But the dreams are the why we succumb to the lie“ – vorgetragen von einer Meisterin ihres Fachs mit einer kühlen, überheblichen, melodienabreissenden, manchmal enervierend hohen, jazzgeschulten, weissen Stimme, die sich auf vielen Instrumenten begleitet, dominierend ein Piano, das stellenweise Spuren des frühen Chick Corea aufweist, rein ökonomisch eingesetzt, wie alle musikalischen Elemente und Texte bei Annette Peacock.
Sie stammt tatsächlich aus einer fast vergessenen Schule, aus dem Intellektuellen-Jazz-Zirkel der späten 60er in New York, aus dem als heute bekanntestes Element Carla Bley hervorgegangen ist und auch deren Ex-Mann Paul Bley Annettes langjähriger Partner bei der ersten psychedelischen Synthie-Jazz-Band der Welt war. Nach dem Album „I’m The One“ von 1971 wurde das Interesse von Pop-Musiker an Annette Peacock immer stärker: David Bowie flog zwar aus ihrem Studio, weil er störte, lud sie aber zu den Aufnahmen von „Aladdin Sane“ ein – was Peacock ablehnte, genau wie die Aufforderung mit Brian Eno tätig zu werden. Sie trat lieber live mit Iggy Pop auf, wirkte in einem Film Salvadore Dalis mit. Zwischen 1974 und 1978 lebte Annette Peacock zurückgezogen in England, um ihre Tochter aufzuziehen. Erst gegen Ende des Jahrzehnts erregete sie wieder Aufsehen mit ihren ausufernden und eindeutigen Texte zu funkigem Jazzrock. Am spannendsten ist hier „The Perfect Release“, das mit Teilen von Jeff Becks Combo als Begleitmusikern eingespielt wurde.
