
Jim Kweskin & The Jug Band, See Reverse Side For Title, 1966
Produzent/ John Court
Label/ Vanguard
Als dieses Album 1966 erschien, kannte hierzulande kaum jemand die Mississippi Sheiks, die Memphis Jug Band oder John Hurt. Heute ist das alles mit einem Mausklick verfügbar. Damals war die Musik Lichtjahre entfernt. Im fernen Amerika wurden gerade die überlebenden Country-Blues-Musiker der 20er und 30er Jahre entdeckt und junge Musiker konnten von ihnen lernen, wie man diese primitiv scheinende, seltsame und in Wirklichkeit hoch organisierte Musik spielt. Diese Faszination spiegelt die Tatsache wider, dass es im Repertoire der Jim Kweskin & The Jug Band kaum Eigenkompositionen gibt. Es gab so viele alte Jugband- und Blues-Songs zu entdecken, da brauchte man kaum ein eigenes Repertoire.
Jim Kweskin selbst, der Jug-Spieler Fritz Richmond und der Harper Mel Lyman kamen aus Boston, Bill Keith hatte Hochgeschwindigkeits-Bluegrass gelernt und Jeff Muldaur hatte in New Orleans studiert, wo er Maria – damals noch D’Amanto, sehr bald Muldaur, kennenlernte. Maria war Geigerin, hatte aber vor allem eine Stimme, die sehr gut zu den alten Songs passte und das Gezupfe und Getröte der jungen Männer entschieden veredelte. Das Leben war einfach und billig. Musik gab es überall und meist zum Nulltarif. Dass Musiker mit Musik das grosse Geld machen konnten, war eine spätere Entwicklung, nachdem sich die Plattenindustrie eingeschaltet hatte.
