
Ramones, 1976
Produzent/ Craig Leon
Label/ Sire Records
Es gibt nur wenige Schallplatten, von denen man gerne behaupten würde, man wäre dabei gewesen, als die Songs erstmals im Radio gespielt wurden. „Please Please Me“ von den Beatles ist so eine Platte, das Debüt von Elvis oder „My Generation“ von The Who. Denn sie alle haben eines gemeinsam: Sie starteten etwas Neues, Etwas, das noch nie da gewesen war und das die Leute wahlweise geschockt oder begeistert haben muss, als es zum ersten Mal rausgelassen wurde. Und etwas Neues starteten am 21. April 1976 auch die Ramones. Ihr Debütalbum stampfte alles, was vorher war, ein. Rücksichtslos. Das aus drei Akkorden bestehende Riff von „Blitzkrieg Bop“. Die Kreissäge-Gitarre. Das von Joey Ramone rausgebrüllie „Hey ho, let’s go!“.
Wer die Ramones hört, kann sich bildlich vorstellen, wie die Radio-DJs damals, in Zeiten von opulentem Prog, endlos dahin waberndem Psychedelic-Rock und belangloser Schlagerschrammelei, in schiere Panik verfallen sein müssen. Auf der Platte jagt nämlich ein Hit den anderen: Nach „“Blitzkrieg Bop“ kommt „Beat On The Brat“ gefolgt von Judy Is A Punk“… 14 Songs insgesamt. In 29 Minuten und drei Sekunden. Und dieses Album erfand auf einen Schlag den Punk. Da können die Leute von den Sex Pistols oder MC5 oder Velvet Underground oder Iggy reden, wie sie wollen. Fakt ist: Punk klingt genau so – wie die Ramones. Weil die Ramones seitdem jede andere Band dieses Genres bewusst oder unbewusst beeinflusst haben. Zudem klingt es noch immer aktuell. Es hat vielleicht angesichts einer Musikwelt, die mittlerweile vieles gesehen hat, etwas von seinem Schockmoment verloren. Aber es hört sich vitaler als 95% aller anderen Alben an, die damals herausgekommen sind und längst Patina angesetzt haben.
