
The Box Tops, The Letter, 1967
Text/Musik/ Wayne Carson
Produzent/ Dan Penn
Label/ CBS
„Gimme a ticket for an aeroplane/ Ain’t got time to take a fast train“ – das ist schon mal ein guter Einstieg. Grosser Reim voll Logik und Leidenschaft: „Lonely days are gone, I’m a-goin‘ home/ My baby, just-a wrote me a letter.“ Ein Brief und das Ende der Verlassenheit ist da. Vergessen sind die Sünden, um Heimkehr wird gebeten, es winkt das Glück. „I don’t care how much money I gotta spend/ Got to get back to my baby again“. So muss es sein! Nicht kleinlich auf die Kosten achten – das ist ein Zeichen wahrer Liebe! Nix Billigreise, sondern spontan die schnellste Möglichkeit wählen, egal was es kostet, zum Teufel mit der wochenlang vorher gebuchten Fahrkarte. Was steht nun in diesem Brief? „Well, she wrote me a letter/ Said she couldn’t live without me no more“ – das war zu vermuten. Von solchen Zeilen träumt man. Träumen ja, aber will man dieses „Ohne-dich-kann-ich-nicht-länger-leben“ wirklich lesen? Läse man nicht insgeheim lieber einen weniger bedrohlichen Unabhängigkeitsgruss à la: Hallo, ich komm‘ ganz gut ohne dich zurecht. Freu‘ mich wenn, du kommst, freu‘ mich aber auch, wenn du gehst.
Das wäre nicht sehr romantisch. Deswegen liebt man unrealistische Lieder, die uns suggerieren, Liebe und Freiheit seien vereinbar. Die Box Tops haben 1967 aus der Komposition des Nashville-Cowboys Wayne Carson schon einiges gemacht. Ihr Leadsänger Alex Chilton bemühte sich, nicht wie ein kalifornischer Collegeknabe zu klingen. So wie er zu den Startgeräuschen eines Flugzeug die Heimkehr zu seiner Liebsten beschwor, war das nicht ganz unbrünstig, man hätte es fast für schwarzen Soul halten können. Und gut dazu tanzen konnte und kann man auch.
