Talking Heads, True Stories, 1986

Produzent/ Talking Heads

Label/ Sire

Natürlich kann es noch schlimmer kommen, denn das hier ist nicht nur grossartig, sondern auch noch wahr. Getreulich aufgezeichnet von einer Band, die ehemals als zu kopflastig verrufen war, die jeden Menschen zum Studenten machte, auch wenn er kein Abitur hatte. Abends in der Kneipe wurde dann wieder diskutiert, was dieses Stück sei, das sei eigentlich auch nicht schlecht. Und die neuste von den Talking Heads, habe irgendwie meiner Meinung nach auch wieder den Glanz eines Meisterwerks.

In leicht fasslicher Form gibt es auf „True Stories“ eine Abrechnung mit der grausige Welt der US-Kleinbürger. „True Stories“ ist aber nicht nur eine Platte, sondern auch gleichzeitig ein Film. Eine skurrile Momentaufnahme eines kleines Städtchens mitten in Texas voller seltsamer Typen, die in ihrer jeweils eigenen Welt leben und sich durch den Alltag einer Kleinstadt quälen. Subtiler und feiner Humor, eingepackt mit den Songs und reizvoll kontrastierend mit patzigen Dirty-Bubblegum-Pictures. Alles ein bisschen schmierig. In den Videos, bei denen einen das Grausen anfliegt, kommt David Byrne als Bandmitglied immer noch am Besten raus.  Das aber dieser eingeschlagene Weg nicht der richtige war, zeigte sich bereits zwei Jahre später mit dem letzten Album der Band. „Naked“ ist eine grandiose Rückkehr zum besten Album „Remain in Light“.

Rising Sons Featuring Taj Mahal and Ry Cooder, 1992

Produzent/ Amy Herot, Bob Irwin

Label/ Columbia Records

Die Rising Sons wurden 1964 gegründet und lösten sich 1966 nach einer Single wieder auf. Für einen Eintrag in die Annalen der Popmusik wäre dies ein bisschen wenig, wenn diese Band nicht mehr als zwanzig Songs aufgenommen hätte, von denen mehr als die Hälfte heute noch frisch und innovativ klingen. Und: Taj Mahal und Ry Cooder waren mit von der Partie.

1964/65 waren die grossen Plattenfirmen recht ungeholfen im Umgang mit Rockmusik. Niemand in den Chefetagen hatte eine Ahnung, was mit dem Lärm anzufangen sei. Singles waren das Pop-Format. Die Rising Sons sollten die damals weitgehend unbekannte Musik aus dem Süden Amerikas hitparadentauglich machen. Das Konzept war ebenso einfach wie überzeugend: entweder ganz langsam spielen oder ganz schnell und hart spielen. Die Kompositionen von Robert Johnson, Blind Willie McTell oder Willie Dixon hielten das aus, nicht aber die Handgelenke von Ed Cassidy, der den „Statesboro Blues“ live einmal so schnell und lang spielen musste, bis sein Arm in Gips endete.

Das ganze Jahr 1965 hindurch waren die Rising Sons eine gefragte Live-Band in Los Angeles, aber als sich auch Anfang 1966 kein für alle verträgliches Gruppenkonzept durchsetzen liess, löste sich die Combo auf. Die stilistischen Fliehkräfte, die schliesslich The Rising Sons auseinander brachten, sind auf dem 1992 erschienen Album erstmals zu hören. Alles wurde probiert: Beatles, Byrds, Blues, Country und Songs von Goffin und King, die damals Tin Pan Alley revolutionierten. Taj Mahal ist 1992 nochmals in Studio gegangen, hat die alten Aufnahmen abgehört und für drei Songs neue Gesangsspuren aufgenommen.

The Breeders, Last Splash, 1993

Produzent/ Kim Deal, Marc Freegard

Label/ Elektra Records

Glamour war nicht ihre Sache, sie kokettierte nicht mit einem Popstar-Image. Kim Deal wollte da gar nicht erst mitmachen. Haare waschen für ein Cover-Shooting? Völlig unnötig. Deal teilte gerne sarkastische Seitenhiebe auf heteronormative Rollenbilder aus. Die Breeders begannen eigentlich als Nebenprojekt der Pixies-Bassistin Kim Deal und der Throwing Muses-Gitarristin Tanya Donelly. Doch auf „Last Splash“ war Letztere schon gar nicht mehr dabei, dafür spielte die Zwillingsschwester von Kim Deal, Kelley Deal mit und eine grosse Rolle.

Was den Breeders immer wieder und wieder gelingt, ist der vielseitige Spannungsaufbau. Von leise zu laut zu leise führen halt mehr Wege als eine schnurgerade Steigerung. So wechseln sich auf „Last Splash“ eingängige Melodien und die Pop-Harmonien der Deal Schwestern mit staubtrockenem Gesang und verzerrten, wuchtigen Gitarren-Riffs ab. Der Übertrack des Albums ist „Cannonball“: Man kann sich fragen, welcher Teil des Songs der beste ist. Der loopende Basslauf, die catchy Gitarren- und Drum-Breaks, das hypnotische Summen am Anfang oder doch der energetische Refrain? Egal: Want you coocoo cannonball…

Am 31. August 2023 wurde „Last Splash“ 30 Jahre alt. Über die Jahre hinweg hat sich gezeigt, dass es egal ist, mit wem Kim Deal in einer Band spielt. Sie weiss sehr genau, wie ihre Musik klingen soll. Und sie schreibt Songs, die eine ganze Menge Musikerinnen und Musiker inspiriert haben.

Robert Crumb & His Cheap Suit Serenaders, 1976

Produzent/ Nick Perls

Label/ Blue Goose Records

Alle, zumindest alle, die zwischen sagen wir mal 1965 und 1975 jung waren, auf Westcoast standen und Comix lasen, kennen Robert Crumb, den geistigen Vater von Mr. Natural. Sie kennen auch seine derben Girls vom Land und haben sich über seine manchmal sarkastischen, manchmal obzönen Anmerkungen zum subkulturellen Alltag amüsiert. Besagter Robert Crumb feiert am 30. August 2023 seinen 80. Geburtstag in seinem Domizil in Südfrankreich. Recht viel biografische Fakten scheint es nicht zu geben. Indirekte Auskunft über sein Innenleben in der Pubertät des nachmaligen Grossmeisters gibt es in einem gnadenlos aufrichtigen Statement. „Mit zwanzig war ich eine perverse Sau, brodelnd in perverse Sexphantasien verstrickt, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatten. In Wirklichkeit hatte ich noch nicht mal ein Mädchen geküsst! Ich war ein verzweifelter Fall.“

Erst durch das Zeichnen von Comix wurden die bildhübschen Hippie-Girls für ihn verfügbar. Crumbs Figuren wurden weltberümt. Fritz the Cat wurde zum Filmstar. Mr. Natural, ein geiler Heiliger, zum Teil des amerikanischen Volkguts. Keep on truckin’ gehört heute ins Zitatenlexikon.

Nur wenige wissen, dass Robert Crumb auch musiziert. Dabei ist sein musikalisches Werk keineswegs radikal, experimentell oder gar obszön, sondern eher traditionsbewusst. Psychologisch handelt es sich wohl um die notwenige Kompensation seines gesellschaftlichen Umgangs mit dem enthemmten Zeichner. Robert Crumb hat versucht auch als Musiker Anerkennung zu finden, blieb aber resigniert. Dabei gibt es eine Menge Leute, die seine Musik mögen und zweitens viele, die sie überhaupt nicht kennen. Letzterem sei nun mit diesem Blogbeitrag ein wenig abgeholfen.

Ry Cooder, Chicken Skin Music, 1976

Produzent/ Ry Cooder

Label/ Reprise Records

Chicken Skin ist ein Begriff aus dem Hawaiianischen, der für „Gänsehaut“ steht. Und „Gänsehautmusik“ ist dort das grösste Kompliment für einen Sound, der gut ankommt. Ry Cooder hat sich hier – im Gegensatz zu seinen früheren Solo-Alben – nicht nur an amerikanische Blues-, Gospel- und Folk-Vorlagen gehalten. Hinzugekommen ist obendrein traditionelle Hawaiianische Musik und ein guter Schuss mexikanischer Mariachi-Klänge, gespielt von dem mexikanisch-texanischen Akkordeonisten Flaco Jiminez.

Die Mischung klingt für Hard Rock- und Techno geschädigte Ohren recht befremdlich, ist aber entspannt und warm-sympathisch, so eigenartig und klar, dass das Anhören eine wahre Wohltat ist. Cooder’s Aufbereitung der alten Leadbelly Stücke „The Bourgeois Blues“ und „Good Night Irene“ ist meisterhaft und gehört zu den schönsten Versionen, die ich kenne. Auch als Bottleneck-Gitarrist ist Cooder für mich unübertroffen, und jedes seiner Stücke trägt seinen unverkennbaren Stempel. Mit seiner ungewöhnlichen Synthese von Gospel, Folk, Blues, hawaiianischer- und mexikanischer Folklore demonstriert Ry Cooder die Modernität oder besser gesagt die Zeitlosigkeit aller unverbildeten Empfindung für „archaisches“ oder als „primitiv“ verpöntes Musizieren. Obwohl er dabei auf spektakuläre Effekte verzichtet und nichts als aufrichtige Musik macht, ist der Titel des Albums berechtigt. Aber was erzeugt denn heute noch Gänsehaut?

Blondie, 1976

Produzent/ Richard Gottehrer, Craig Leon

Label/ Private Stock

Here Comes The Fun! Das Stück „In The Sun“ auflegen, laut drehen, hüftwackeln und vielleicht sogar einen Fuss heben: Die erste Lp von Blondie ist Tanzmusik im besten Sinn des Wortes. Sie mag sehr gut zu vermitteln, wie sich die Gruppe eine breite musikalische Basis geschaffen hat, ohne das Gesicht zu verlieren. Die Musik ist eine eigenartige Mischung aus frühem und neuem Rock. Die Anleihen aus den Sechzigern (z.B. „In The Flesh“) sind aber keine Nostalgie, sondern direkt und neu empfunden.

Blondie waren ein Teil der New Yorker Punkbewegung, deren Zentrum der legendäre Club CBGB’s in der Bowery war. Die Gruppe trat dort neben den Ramones, Television, Patti Smith, Richard Hell und den Dictators auf, waren Teil der Szene und doch danz anders. Weit entfernt vom eins-zwei-drei-vier-Punkrock, aber auch weniger verkopft als Television oder die Talking Heads. Vorallem aber hatten Blondie Debbie Harry. Ihr spektakuläres Aussehen und ihr charakteristisch-unterkühlter Gesangsstil sorgten dafür, dass Blondie rasch über East Manhattans Strassen hinaus bekannt wurden. Die Musik von Blondie ist New Wave, mit musikalisch-technischer Kompetenz gebracht. Man höre sich nur mal den Rhythmus-Apparat im schon erwähnten „In The Sun“ an.

Bob Dylan and The Band, Planet Waves, 1974

Produzent/ Rob Fraboni

Label/ Asylum

„Planet Waves“ ist ein gutes Album. Keine Peinlichkeiten, Schmalzchöre und „all-american-music“- Relikte. Dafür ist die Band zu hören, mit technisch wie musikalisch raffinierter Brillanz. Eine Band, die mich an „Music from Big Pink“ erinnert, ohne sensationelle Soloausflüge, dafür mit kompakter Gruppenmusik. Das zentrale Thema von „Planet Waves“ ist die Liebe. Es reicht von direkten, wollüstigen Anspielungen in „Tough Mama“ über simple Sprüche in „You Angel You“ zu lasziven Sätzen in „Hazel“. Die Musik ist manchmal spröde und zurückhaltend, aber immer organisch fliessend. Die kurzen Soli von Robbie Robertson sind Kleinkunstwerke auf engstem Raum, von fast mathematischer Exaktheit.

Mein Lieblingsstück ist „Forever Young“, das gleich in zwei Versionen vertreten ist. Die langsame Version gefällt mir besser, sie ist eindringlich, schlicht und ergreifend: „ May you always be courageous, Stand upright and be strong, May you stay forever young“. Ich denke, Dylan verspricht hier keine ewige Jugend und huldigt schon gar nicht einem Kult, der das Jugendlich-Sein generell auf seiner Seite hat. Vielmehr geht es darum die allzu schnellen und allzu unbedingten Gewissheiten im Leben genauer zu hinterfragen. Auf diese Weise – im Prozess der Veränderung – können wir uns dann womöglich auf authentischere Weise das Jugendlich-Bleiben erhalten.

Dan Hicks & His Hot Licks, Original Recordings, 1973

Produzent/ Bob Johnston

Label/ Epic

Dan Hicks war ein begnadeter Country-Eklektiker. Bekannt wurde er als Drummer der nordkalifornischen Gruppe The Charlatans, die er 1968 zugunsten der selbsternannten Hot Licks verliess, die eine freigeistige Mischung aus Folkies, Rockers und Spinner waren und ihre Freestyle-Country-Musik auch genau so klingen liessen. Neben Country-Elementen und Cowboy-Schnulzen packte Dan Hicks hemmungslos moderne Mainstream-Jazz-Arrangements à la Django Reinhardt, ungeschulte Mädchenstimmen, Jug-Band-Klamauk und das Savoir-vivre eines kalifornischen Dandys in seine Hot-Licks-Musik.

Auf dem LP-Cover heisst es „Hicks benutzt Stimmungen und Stimmen aus der Vergangenheit, um das Gehirn seiner Hörer in Richtung Zukunft umzupolen“. Die Musik von Dan Hicks ist vor allem makellos. Spitzengeklöppelt. Porentief rein. Perfektes Handwerk. Ausserdem ist sie irgendwie schräg. Champagnertrunken. Beschwipst. Ein heiterer Zustand. Schliesslich ist sie modern. Postpostpost. Glatte, spiegelnde Oberfläche. Hochkomplexe Strukturen.

Bis Mitte der 70er Jahre waren Dan Hicks & His Hot Licks durchaus erfolgreich, doch dann begann sich Freigeist Hicks zu langweilen. Die Pausen zwischen den Platten wurden immer länger, und die Menschen, die sich für seine eigensinnigen Kunststücke begeistern konnten, immer weniger. Was für ein Glücksgefühl wieder einmal Stücke wie „Canned Music“ oder „ I Scare Myself“ hören zu dürfen. Jaja, die guten alten Zeiten.

To Tulsa And Back – On Tour With J. J. Cale, 2005

Regie/ Jörg Bundschuh

Label/ Kick Film GmbH

Am 26. Juli 2013, mit 74 Jahren, erlag J. J. Cale einem Herz­infarkt. Bei Stars aus der Mythen-Liga dauert es in der Regel wenige Wochen, bis die schubladenfertige Biografie im Handel erscheint – bei J. J. Cale herrschte jahrelang Stille. Es wird seine Grabesruhe kaum gestört haben, denn um den grossen Erfolg hatte sich der kauzige Einzelgänger nie gekümmert. „Schick einfach das Geld und lass die Jungen berühmt werden“, soll er seinem Produzenten Audie Ashworth gesagt haben, als dieser ihn zu stark pushen wollte. Das Geld kam; vor allem durch Stars wie Eric Clapton oder Lynyrd Skynyrd, die seine Songs aufnahmen, aber auch durch 17 eigene Alben, die ihm eine treue Fangemeinde bescherten. Genug, um entspannt leben zu können – während Jahren in einem Wohnwagen, wo der Mann ohne Bankkonto seine Ersparnisse versteckte, später in einem bescheidenen Haus im Süden Kaliforniens. Noch mehr als Geld hagelte es Lob. „Es gibt schlicht niemanden, der über J. J. Cale jemals etwas Schlechtes erzählt hätte“, meint sein langjähriger Agent und Manager Mike Kappus. Einer der Guten, den man einfach lieben musste – auch wenn er als Interviewpartner schon mal ziemlich wortkarg sein konnte.

In der Spannung zwischen dem tendenziell Absurden und der Alltäglichkeit entsteht eine leise Ironie. Sie ist das Markenzeichen jedes J. J.-Cale-Songs. In der fantastischen Dokumentation „To Tulsa And Back“, in der Jörg Bundschuh Cale 2005 auf einer Tour begleitete, erzählt Cale allen Ernstes, von wegen laid back, er sei eigentlich eher der nervöse Typ. Seine Musik sei laid back, „’Because that’s the way I like it“.

Weil man sich wirklich keinen entspannteren und selbstgenügsameren Menschen vorstellen kann als den, den Bundschuh da im Tourbus und auf irgendwelchen Veranden in der Pampa zeigt, glaubt man vielleicht nur den zweiten Teil des Satzes. J. J. Cale hat von seinem ersten Album an unbeirrt einzig gemacht, was er wollte und was ihm gefiel.

The Rolling Stones, T.A.M.I. Show, 1964

Produzent/ Lee Savin, Bill Sargent

Label/ American International Pictures

Am 26. Juli 2023 wird Mick Jagger achtzig Jahre alt. Der Sänger der Rolling Stones wurde geboren, als während des zweiten Weltkriegs Popmusik, wie wir sie heute kennen, Gestalt annahm. Als das amerikanische Radio auf der ganzen Welt zu hören war. Als die Musik für den amerikanischen Körper, den Körper der Freien und Reichen, ganz selbstverständlich die Musik des europäischen Geistes der Befreiten und Besiegten, zu einem obsoleten und toten Phänomen degradierte. Zur Musik Beethovens und Wagners war während des Faschismus gefeiert, in den Konzentrationslagern gemordet worden. Die neue Musik erstrahlte im Licht der Atombombe, Siegermusik, unbeschwert und lärmend, die nie vorgab, mehr als nur dem Augenblick zu huldigen. Daher ist Popmusik für jeden zu verstehen, von jedem zu machen, ihre Geschichte zu jener Zeit noch eine ungeschriebene Möglichkeit, ihr weltweiter Erfolg nicht mehr aufzuhalten.

Der Popchronist Nik Cohn schrieb über sein erstes Zusammentreffen mit den Rolling Stones im Jahr 1965: „ Eine grosse, protzige Limousine kam um die Ecke. Ihr folgten Polizeiwagen, Polizisten zu Fuss, Polizisten auf Motorrädern, und denen wiederum folgten mehrere hundert weibliche Teenager. Diese Mädchen machten einen nicht abbrechenden, schrillen und durchdringenden Lärm, und ihre Schuhe klapperten auf den Steinen. Sie rannten wie wahnsinnig, die Haare fielen ihnen über die Augen, und sie streckten flehentlich die Arme aus beim Laufen. Sie waren verzweifelt… Die Rolling Stones stiegen aus der Limousine. Sie hatten Haare bis über die Schultern, und sie trugen Sachen in unvorstellbaren Farben, und sie sahen gemein aus, sie sahen einfach unwahrscheinlich böse aus. In dieser grauen Strasse strahlten sie wie die Sonnengötter. Sie schienen nicht menschlich. Sie waren wie Geschöpfe von einem anderen Stern, unmöglich zu erreichen oder zu verstehen, unglaublich exotisch, ungeheuer schön in ihrer Hässlichkeit.“

Als Mick Jagger in den 90er Jahren in seinem von Fans umlagerten Hotel von einem Journalisten gefragt wurde, ob er wisse, warum die da draussen stehen, hatte er mit „Nein“ geantwortet. Denn keiner der Stars, der die meist kurze Phase der kreischenden Mädchen übersteht, um danach einen eigenständigen Beitrag zu Pophistorie zu liefern, wird später gerne daran erinnert, dass er seinen Erfolg eigentlich einer Art vorbewusster Kinderhysterie verdankt. Das veträgt sich schlecht mit einem Selbstverständnis als abgebrühter Musikmanager oder sensibler Popkünstler.